24.06.2007 · Ein Geständnis von Jörg Jaksche, dem mit dem spanischen Doping-Arzt Fuentes in Verbindung gebrachten, ehemaligen Teamkollegen von Jan Ullrich, wird seit Monaten mit Spannung erwartet. Doch noch schweigt „Bella Jorge“.
Jörg Jaksche bleibt dabei: „Ich habe nichts zu beichten.“ Der in die spanische Doping-Affäre verwickelte Radprofi hat seine Haltung am Sonntag noch einmal bekräftigt, obwohl sein Fall eine Wendung genommen hat. Die von Amts wegen, also ohne Anzeige, gegen Jaksche laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Ansbach könnten seine bisherige Einstellung allerdings beeinflussen. Das Verfahren wurde bereits „vor Wochen oder Monaten“ eingeleitet, bestätigte Jaksches Heidelberger Anwalt Michael Lehner, der für seinen Mandanten bei den Justizbehörden auch schon vorstellig wurde.
Auf Jaksches Aussagen, sollte er tatsächlich als Kronzeuge auspacken, womöglich Doping gestehen und vielleicht sogar aktuelle Hintergründe im Metier aufzeigen, dürfe man „gespannt sein“, sagte Lehner. Der Anwalt vertrat auch 5000-Meter-Olympiasieger Dieter Baumann und Radprofi Danilo Hondo in ihren Dopingverfahren.
Codename „Bella Jorge“
Ein Geständnis von Jaksche, dem mit dem spanischen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes in Verbindung gebrachten, ehemaligen Teamkollegen von Jan Ullrich, wird seit Monaten erwartet. Der seit Jahren in Kitzbühel lebende Jaksche soll schon bei in Frage kommenden Magazinen und Fernsehanstalten vorstellig geworden sein. Mit näher rückendem Start der Tour de France am 7. Juli könnte die Chance steigen, dass der ehemalige Telekom- und CSC-Profi doch ein Bekenntnis ablegt. Bei Fuentes sollen auch Blutbeutel des 30-jährigen Arzt-Sohnes aus Ansbach unter den Codenamen „Bella Jorge“ und „JJ“ lagern.
Die strafrechtliche Komponente der möglichen Anklage gegen Jaksche ist nach Ansicht von Lehner nicht mit dem Fall Ullrich zu vergleichen. Gegen den ehemaligen Tour-Sieger wird in Bonn wegen Betrugsverdachts zum Nachteil seines früheren Arbeitgebers T-Mobile und in Hamburg wegen Falschaussage in der Auseinandersetzung mit dem Molekularbiologen Werner Franke ermittelt. Obwohl eine Verurteilung wegen Betrugs gegen deutsche Rennveranstalter durch Doping-Gebrauch also zumindest in den Augen von Jaksches Anwalt eher unwahrscheinlich sein dürfte, steht er sportlich seit Juni 2006 im Abseits.
Vertrag ohne großen Wert
Sein im April 2007 mit der italienisch-russischen Formation Tinkoff geschlossener Vertrag („Es gibt da so wenig, ich habe noch gar nicht auf mein Konto geschaut, um zu kontrollieren, ob die auch pünktlich zahlen“) ist in mehrfacher Hinsicht nicht viel wert. Der Rennstall-Besitzer Oleg Tinkoff, ein vielfacher Millionär und Brauerei-Multi aus Moskau, würde die Doping-Verdächtigen Jaksche und Tyler Hamilton (Vereinigte Staaten), den Zeitfahr-Olympiasieger von Athen, lieber heute als morgen vor die Tür befördern. Aber das sei rechtlich im Moment schwer, sagte Tinkoff, der Jaksches sporadischen Renneinsatz dulden muss, wenn das auch die Veranstalter tun.
Seit seiner Team-Suspendierung unmittelbar vor dem Start des Giro d’Italia am 12. Mai fuhr der lange Franke schon wieder zwei Rennen und gewann sogar die Lothringen-Rundfahrt in Nordfrankreich. Die Österreich-Rundfahrt vom 16. Juli an soll sein nächster Einsatz sein. Aber vielleicht tritt der eloquente Radprofi schon bald anders in Erscheinung. Sein Vertrag bei Tinkoff läuft Ende der Saison aus.