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Rad-WM in Valkenburg Spätes Gold - und jetzt?

 ·  Judith Arndt gewinnt bei der Rad-WM in den Niederlanden das Einzelzeitfahren. Der Erfolg wirft wieder die Frage auf, wer sie bald ersetzen soll - denn ihr Rücktritt steht fest.

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© dapd Mit breitem Grinsen auf dem Weg zu ihrem wohl letzten Gold: Judith Arndt im Einzelzeitfahren

Sie war als letzte Fahrerin gestartet, um 16.12 Uhr. Und es war schon ein Abschiedsrennen für Judith Arndt. Das letzte Zeitfahren ihrer Karriere, 24,3 Kilometer auf niederländischem Boden, Ende der Vorstellung nach 32:26 Minuten: Sie wird sich nie mehr einer solchen Schinderei aussetzen müssen. Immerhin war es noch einmal ein glorreicher Tag für die deutsche Radrennfahrerin, sie holte am Dienstag wie im Vorjahr souverän den Titel im Zeitfahren bei den Rad-Weltmeisterschaften in Valkenburg. Am kommenden Samstag, im Straßenrennen der Frauen bei der WM, wird endgültig Schluss sein für Judith Arndt. Sie, die an diesem Dienstag vor Glück die Arme in die Höhe riss, möchte ohne großes Brimborium vom Sattel steigen.

„Ich will einfach nur aufhören“. Ohne allzu viel Wehmut, wie es scheint. Sie sei des Zwangs zu trainieren überdrüssig, sagt sie. „Ich habe keine Lust mehr darauf, mich jeden Tag quälen zu müssen.“ Es ist ein süßer Abschluss für sie, schließlich hatte sie am vergangenen Sonntag mit ihrer australischen Equipe auch schon Silber im Mannschaftszeitfahren gewonnen.

Die Tage in Valkenburg zeigen, dass die 36 Jahre alte Judith Arndt immer noch eine formidable Sportlerin ist - und dass dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) mit ihr eine Erfolgsgarantin abhanden kommt. Da auch Ina-Yoko Teutenberg, die vermutlich nur noch ein Jahr im Radsport aktiv sein wird, im Schlussbogen ihrer Laufbahn steht, kommt auf den deutschen Frauen-Radsport eine Zäsur zu. Der BDR wird sich, zumindest auf der Straße, auf weniger ertragreiche Zeiten einstellen müssen.

„Nicht auf Rosen gebettet“

Zwar steht dem Verband immer noch auch Hanka Kupfernagel zur Verfügung, ein „absolutes Aushängeschild“, wie BDR-Sportdirektor Patrick Moster sagt. Aber auch sie ist als Sportlerin in die Jahre gekommen. „Wir sind sicherlich nicht auf Rosen gebettet“, sagt Moster zur Perspektive bei den Frauen. Er rechnet mit einer „kleineren Durststrecke“ durch den Verlust der Galionsfiguren. Die Fußstapfen, die etwa Judith Arndt hinterlasse, seien so groß, „da stehen nicht zehn Fahrerinnen hintendran, die rein treten könnten“. Von wirklichen Versäumnissen in der Nachwuchsarbeit mag der Pfälzer, erst seit Jahresbeginn im Amt, nicht reden. Trotzdem deutet er an, dass in dieser Angelegenheit größere Anstrengungen notwendig sind, um sich für die Zukunft zu wappnen. „Wir haben noch einige Reserven.“

Judith Arndt: Goldener Abschied

Die Ungewissheit um Bundestrainer Thomas Liese macht die Sache für den BDR noch ein bisschen komplizierter. Liese hat sich bereits vor längerem krank gemeldet, er leidet angeblich unter Erschöpfung. Es sei ein sehr heikles Thema, sagt Moster. Er spricht von den enormen physischen und psychischen Anstrengungen in diesem Job und davon, dass man Liese keinesfalls unter Druck setzen werde. „Wir haben uns definitiv nicht nach Alternativen umgeschaut.“ Vorläufig werden Lieses Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt; in Valkenburg ist Ronny Lauke für die Frauen des BDR zuständig. Lauke ist Sportlicher Leiter beim deutschen Team Specialized, bei dem Ina-Yoko Teutenberg unter Vertrag steht.

Neues Leben in Australien

Sie und Judith Arndt waren stets auch streitbare Kämpferinnen für den Frauen-Radsport, über Landesgrenzen hinweg. Judith Arndt wies gerade wieder auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in der Branche hin. „Wir sind finanziell ziemlich ausgelaugt“, sagte sie zur Situation der Frauen-Rennställe. Sie forderte den Internationalen Radsportverband (UCI) zu mehr Engagement auf; er solle sich um Sponsoren und um eine verstärkte Präsenz der Radrennfahrerinnen im Fernsehen kümmern. Hoffnung auf baldige Fortschritte macht sich Judith Arndt, die ihr neues Leben in Australien gestalten wird, aber offenbar nicht. „Bei der UCI hat man das Gefühl, dass man gegen eine Wand läuft.“ Auch Ina-Yoko Teutenberg klagt, dass es an Anerkennung für ihr Metier mangele.

Dass zum Beispiel das Firmenrennen der Frauen in Valkenburg am vergangenen Sonntag selbst in den Niederlanden nicht live übertragen worden sei, fand sie äußerst schade. „Da müsste die UCI mehr Druck machen“, sagte die Olympia-Vierte von London, „es sieht ja nicht schrecklich aus, was wir da machen.“ Ina-Yoko Teutenberg, Sechste am Dienstag, hatte sich sogar nicht gescheut, sich mit UCI-Präsident Pat McQuaid anzulegen. Sie nannte ihn hinterwäldlerisch, weil der Ire ein Mindestgehalt für Rennfahrerinnen nicht für notwendig hielt. Sie selbst konnte allerdings zufrieden sein mit ihren Einkünften, „ich habe relativ gut verdient“.

Für Judith Arndt gilt das wohl auch, und nach Ansicht des BDR-Funktionärs Moster wäre der Radsport für sie weiterhin ein einträgliches Geschäft. „Sie könnte“, sagt er, wohl auch mit Blick auf das Wohl des BDR, „noch zwei, drei oder vier Jahre Rennen bestimmen.“ Aber Valkenburg ist ihre letzte Etappe, unumstößlich. Selbst wenn Judith Arndt Mosters Einschätzung am Dienstag zu bestätigen schien mit ihrer eindrucksvollen Gold-Fahrt.

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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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