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Veröffentlicht: 22.07.2016, 09:06 Uhr

Quidditch-WM in Deutschland Harry Potters Besen erobert den Sport

Was bei Harry Potter als Phantasie begann, ist nicht nur an amerikanischen Unis zur Realität geworden. Quidditch ist zu einem ernsthaften Sport geworden. Nun findet die dritte WM statt – in Deutschland.

von Robin Knapp, Boston
© Isabella Gong Beim Quidditch geht es ordentlich zur Sache – wie hier im Duell zwischen den Boston Night Riders und Rochester United.

Das Japan-Festival in einem Park in Boston an der Ostküste der Vereinigten Staaten hat viele auffällig gekleidete Menschen angelockt: Mit Perücken, Umhängen und geschminkten Gesichtern huldigen die Manga-Anhänger ihren Helden aus den japanischen Comics. Gleich nebenan eine Gruppe, die in die merkwürdige Szenerie passt. Sie betreibt Sport, doch auch der sieht aus wie aus einer anderen Welt.

Die Spieler halten zwischen ihren Beinen: Besen, und es gibt nur ein bekanntes Spiel, das auf einem Besen sitzend gespielt wird: Quidditch, der Sport aus den Harry-Potter-Romanen von Joanne K. Rowling. Aber das hier ist kein Harry-Potter-Fantreffen. Das sieht nach ernstem Sport aus. Bälle fliegen durch Ringe, junge Männer und Frauen laufen über das Spielfeld und liefern sich harte Zweikämpfe. „Wir sind an einem Punkt, an dem Quidditch keine erfundene Sportart mehr ist, sondern eine tatsächliche, wettkampfmäßige Vollkontaktsportart“, sagt Jayke Archibald von den Boston Night Riders.

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Quidditch ist Realität geworden - und in den Vereinigten Staaten professionell organisiert. 4000 Athleten spielen dort in fast 200 Universitätsmannschaften. Neben der Universitäts- gibt es eine Vereinsliga, in der auf lange Sicht ein Profibetrieb stattfinden soll. Der amerikanische Quidditch-Verband wird hauptberuflich geführt. Zu den großen Turnieren kommen regelmäßig um die 5000 Zuschauer, beim Rekordbesuch in New York waren es 15.000 an zwei Tagen.

Das Ziel ist klar: Quidditch will weiter wachsen. Noch lebt er hauptsächlich von seiner Exotik. „Jedes Mal, wenn jemand vorbeikommt, sein Handy herausholt und ein Youtube-Video dreht, ist das ein kleiner Sieg für uns“, sagt Kara Levis, Klubchefin der Night Riders. Ihr Verein trainiert auf dem Campus der Tufts-Universität bei Boston. Für die Studenten ist es wie an vielen anderen amerikanischen Universitäten nichts Ungewöhnliches mehr, das Quidditch-Team spielen zu sehen. Nachdem die Sportart vor elf Jahren am Middlebury College erfunden wurde, nahmen sie viele andere Unis in ihr Angebot auf.

HARRY POTTER AND THE CHAMBER OF SECRETS Das Original: Harry Potter auf seinem fliegenden Besen. © INTERFOTO Bilderstrecke 

Neben dem Trainingsplatz der Night Riders findet ein Jugend-Baseballspiel statt. Ein paar Jungs sind herübergekommen, lehnen am Zaun und schauen sich das Treiben an. „Ist das wirklich das, wofür ich es halte?“, fragt einer seinen Kumpel: Levis gibt ihnen die Antwort. Sie wirft den Jungen einen halb aufgepumpten Volleyball - den Quaffel - zu und erklärt ihnen die Quidditch-Regeln: Die sieben Spieler jeder Mannschaft haben unterschiedliche Aufgaben: Jäger versuchen Punkte zu erzielen, indem sie den Quaffel durch einen der drei erhöhten Ringe des Gegners werfen - dieser Teil des Spiels erinnert an Handball.

Treiber stören währenddessen ihre Gegenspieler, indem sie sie in Völkerball-Manier abwerfen und so zwischenzeitlich aus dem Spiel nehmen. Der Sucher wiederum hat die Aufgabe, den Schnatz zu fangen. In den Büchern handelt es sich dabei um eine kleine geflügelte Goldkugel. Im realen Quidditch ist der Schnatz ein Tennisball in einer gelben Socke, die am Hosenbund eines neutralen Schnatz-Trägers befestigt ist. Wird er erobert, ist das Spiel beendet. „Es ist, als würden viele einzelne Spiele auf dem gleichen Feld gespielt werden“, sagt Sarah Woolsey vom amerikanischen Quidditch-Verband. Dadurch sei es anfangs etwas schwer, dem Geschehen zu folgen. „Die Grundregeln versteht man aber schnell.“

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