19.11.2009 · Rantzau, Wendt und Hofmann spielten umstrittene Rollen in der „Stallgassen-Affäre“. Sie sollen im internationalen Reitsport keinen Posten mehr bekleiden. Das letzte Wort ist aber nicht gesprochen - am Donnerstag spitzt sich die Konfrontation zu.
Von Evi SimeoniEs klingt nach einer Ohrfeige, da helfen keine Interpretationen: Breido Graf zu Rantzau, der Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), kommt für eine Führungsposition im Weltverband nicht mehr in Frage. Das hat das von Prinzessin Haya geleitete Bureau der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) am Dienstag in Kopenhagen erklärt, wo an diesem Donnerstag die Mitgliederversammlung abgehalten wird. Genauso wenig wie Reinhard Wendt, der Sportdirektor, und Peter Hofmann, der Vorsitzende des deutschen Springausschusses, noch für wichtige Ämter in der FEI kandidieren dürfen.
Dazu soll der deutsche Funktionär Hanfried Haring seinen Platz im FEI-Bureau räumen. Eine Untersuchungskommission hatte diese Schritte empfohlen. „Darunter leide ich nicht“, beteuert Rantzau, der Adelige aus Holstein, der sich seit Monaten eisern darum bemüht, Haltung zu bewahren. „Ich habe im nationalen Verband genug zu tun.“ Und auch den Misston der Unehrenhaftigkeit, den das FEI-Bureau mitschwingen lässt, halte er aus. „Es hat dieses Jahr schon mehr Demütigungen für mich gegeben“, sagt er. Im Sommer war sogar aus den eigenen Reihen der indirekte Ruf nach seiner Ablösung laut geworden.
An diesem Donnerstag wird sich die Konfrontation zuspitzen
Rantzau, Wendt und Hofmann spielten umstrittene Rollen in der „Stallgassen-Affäre“. Sie waren anwesend, als Marco Kutschers Pferd Cornet Obolensky während des olympischen Turniers in Hongkong illegal mit einem Stärkungsmittel behandelt wurde und einen Schwächeanfall erlitt. Doch das Funktionärs-Trio beteuert bis heute, es habe davon nichts mitbekommen. Die FEI wirft den dreien und dazu dem damaligen FN-Generalsekretär Haring aber vor allem vor, sich erst im Mai mit den bis dahin gewonnenen Erkenntnissen über die verbotene Medikation an den Weltverband gewandt zu haben. Kutscher wird sich als laut Reglement verantwortliche Person vor dem FEI-Tribunal verantworten müssen.
Haring, der zum fraglichen Zeitraum nicht in der Stallgasse war, soll nach dem Beschluss der FEI-Spitzenfunktionäre aus dem Bureau hinauskomplimentiert werden. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, an diesem Donnerstag wird sich die Konfrontation zuspitzen. Dann soll die Mitgliederversammlung über die Bureau-Entscheidung abstimmen. Haring sitzt in diesem Gremium als gewählter Vorsitzender zweier Ländergruppen, in denen Europa zusammengefasst ist.
„Ermittlungsmangel“ und „fehlende Schuldzuweisungen“
Diese haben ihm am Dienstag massiv den Rücken gestärkt. Nach einer internen Abstimmung forderten sie ihn auf, um seinen Posten zu kämpfen. Sollte die Generalversammlung, die dazu eigentlich nicht autorisiert ist, seine Ablösung fordern, würde er allerdings zurücktreten müssen. Eine Entscheidung des Plenums für Haring würde eine massive Niederlage für die Präsidentin bedeuten.
„Die Jungs halten zusammen“, sagte Rantzau, der an den Sitzungen in Kopenhagen teilnimmt, über die europäische Haltung. Besonders Großbritannien habe Haring am Dienstag, in Anwesenheit Prinzessin Hayas, verteidigt. Die deutsche Delegation hatte in der Diskussion noch einmal betont, man habe aufgrund eines „Ermittlungsmangels“ und „fehlender Schuldzuweisungen“ nicht früher Schritte im Fall Cornet Obolensky ergreifen können.
Eine Zweidrittelmehrheit wäre zur Reform nötig gewesen
Rantzau, Wendt und Hofmann werden den schweren Rüffel der Präsidentin dagegen hinnehmen. Es gilt schließlich, noch gravierendere Vorstöße der Präsidentin zu zügeln. Immer wieder sehen sich die europäischen Verbände, die fleißigsten Beitragszahler und Veranstalter der meisten Turniere, von der energischen Araberin attackiert.
So hätte die Strukturreform, über die sie bei der außerordentlichen Generalversammlung am Dienstag abstimmen ließ, das Bureau, den erweiterten FEI-Vorstand also, von neunzehn auf sieben Personen schrumpfen lassen – unter anderem auf Kosten Europas. Der Versuch, zwei unliebsame europäische Vorstandsmitglieder auf diese Weise loszuwerden, scheiterte allerdings mit 49:48 Stimmen. Das ist nur auf den ersten Blick ein knappes Ergebnis. Eine Zweidrittelmehrheit wäre zur Reform nötig gewesen.
„Dieser Paragraph muss raus. Dem stimmen wir nicht zu.“
Eine weitere Machtprobe zwischen den starken europäischen Verbandsvertretern und dem von Prinzessin Haya ins Feld geführten Rest der Welt könnte sich bei der Abstimmung über das neue Anti-Doping-Reglement ergeben. Deutschland ist gemeinsam mit anderen Nationen nicht bereit, eine erst in Kopenhagen aufgetauchte Verbotsliste zu akzeptieren, die etwa die Behandlung der Pferde mit Schmerzmitteln als Medikation und nicht als Doping einstuft. Zudem wehrt sich zumindest Deutschland dagegen, die internationale Regelung auch für nationale Turniere zu übernehmen. „Dieser Paragraph muss raus“, sagte Rantzau. „Dem stimmen wir nicht zu.“
Zuvor hatten in Kopenhagen 40 europäische Verbände eine Interessenvertretung namens „European Equestrian Forum“ gegründet. Diese Vereinigung, betonte Rantzau, solle aber nicht als Gegenorganisation zur FEI missverstanden werden.
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