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Petkovic verpasst Sensation Vier vergebene Matchbälle, eine lange Nacht

26.05.2010 ·  6:4, 5:4, 40:0, eigener Aufschlag, drei Matchbälle gegen die Titelverteidigerin Swetlana Kusnezowa: Näher als Andrea Petkovic kann keine Tennisspielerin vor einer Sensation bei den French Open stehen. Doch aus dem scheinbar sicheren Sieg wurde nichts.

Von Wolfgang Scheffler, Paris
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6:4, 5:4, 40:0, eigener Aufschlag – drei Matchbälle, alle vergeben, ein paar Ballwechsel später noch ein Matchball – wieder vergeben: Andrea Petkovic hat am Mittwochabend ein Tennis-Match verloren, das sie fast schon gewonnen hatte, das sie fast zwei Sätze lang mit ihren aggressiven Grundlinienschlägen, vor allem mit ihrer harten Vorhand und ihrem bis zu 180 Kilometern in der Stunde schnellen Service, beherrscht hatte; ein Match, in dem sie sich auch durch eine 90 Minuten lange Regenpause nach dem ersten Satz nicht aus der Fassung bringen ließ.

Aber am Ende war doch alle Mühe vergebens: Swetlana Kusnezowa warf die deutsche Spitzenspielerin bei den French Open nach 2:12 Stunden auf dem Court 1, der „Stierkampfarena“ des Pariser Stade Roland Garros, mit 4:6, 7:5 und 6:4 aus dem Wettbewerb. Nicht die 22-jährige Hessin, sondern die 24-jährige Russin steht in der dritten Runde des zweiten Grand-Slam-Turniers des Jahres. Die Titelverteidigerin trifft beim Saisonhöhepunkt auf rotem Sand nun auf ihre Landsfrau Maria Kirilenko.

Für Andrea Petkovic, die tags zuvor mit ihrer Freundin Tatjana Malek (Bad Saulgau) auch im Doppel ausgeschieden war, ist das Turnier beendet. „Klar, bin ich traurig und enttäuscht. Aber alles in allem habe ich ein gutes Match gespielt“, sagte die ausgesprochen gefasst wirkende Darmstädterin. Denn sie nimmt nicht nur 25.000 Euro Preisgeld für das Erreichen der zweiten Runde, sondern auch eine erfreuliche Erkenntnis mit nach Hause: „Ich sehe das als Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich weiß jetzt, wo ich stehe. Es war eine gute Erfahrung.“

Die derzeit beste deutsche Tennisspielerin ist jetzt überzeugt, dass sie mit einer Topspielerin wie der Weltranglistensechsten Swetlana Kusnezowa, der US-Siegerin von 2004 und der French-Open-Siegerin von 2009, auch bei einem Großereignis mithalten kann. Aber sie erkannte, woran sie noch arbeiten muss: „Bei den Matchbällen fehlte mir noch die taktische Disziplin. Ich wollte einfach zu schnell die Punkte machen. Bis dahin habe ich sie dominiert, habe geduldig auf die Chance gewartet, um mit meiner Vorhand zu punkten. Ich muss einfach noch lernen, auch in diesen Phasen einfach so weiterzuspielen und es nicht erzwingen zu wollen.“

„Ich habe bewiesen, dass ich nach Rückschlägen stärker zurückkomme“

Auch wenn es so aussah, auch wenn Andrea Petkovic bei ihren Matchbällen nur beim ersten Versuch, das Match zu ihren Gunsten zu entscheiden, einen ersten Aufschlag ins Feld brachte, behauptete sie, diesmal hätten sie nicht die Nerven im Stich gelassen. „Ich sage immer ehrlich, wenn es so ist. Diesmal war es nicht wie beim Fed Cup, als ich am ganzen Körper gezittert habe. Diesmal bin ich ja auch im dritten Satz drangeblieben.“

Im Entscheidungssatz fing sich die Deutsche, die in der Weltrangliste auf Rang 41 geführt wird. Sie ließ sich von einem schnellen 0:2-Rückstand nicht entmutigen, kam mit Rebreaks zurück ins Match, obwohl Swetlana Kusnezowa, die seit Wochen in einer schweren Formkrise steckt und in der Sandplatz-Saison vor Paris nur ein einziges Match gewonnen hatte, längst nicht mehr so fehlerhaft agierte wie in den ersten beiden Sätzen. Andrea Petkovic wehrte beim Stand von 2:5 den ersten Matchball ab, bei 3:5 den zweiten und bei 4:5 noch einen weiteren. Aber ihren vierten Versuch nutzte die St. Petersburgerin schließlich.

„Deshalb ist sie ein Grand-Slam-Champion, und ich habe noch nie bei Grand-Slam-Turnieren die zweite Runde überstanden. Aber das kommt noch. Ich stehe ja erst am Anfang meines Weges“, beschrieb Andrea Petkovic den Unterschied. Nur positiv denken – auch wenn die Niederlage noch so bitter war: „Es hilft ja nichts, wenn ich jetzt sechs Tage depressiv bin.“ Sie sprach davon, dass sie am Abend nur schwer einschlafen werde, dass ihr die vergebenen Matchbälle immer wieder durch den Kopf gehen würden, dass sie noch ein paar Tage an der bitteren Niederlage zu knabbern habe. Aber auch nach Trost musste sie nicht lange suchen: „Ich habe immer bewiesen, dass ich nach solchen Rückschlägen noch stärker zurückkomme.“

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