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Peter Sagan : Der spektakulärste Radrennfahrer unserer Zeit

Seriensieger: Peter Sagan Bild: AFP

Peter Sagan gewann in Bergen zum dritten Mal in Serie den Weltmeistertitel. Der Slowake ist endgültig eine Legende seines Straßenradsports.

          Der erfolgreichste Radprofi der Welt heißt Christopher Froome. Viermal hat er die Tour de France gewonnen. Zuletzt auch die Spanien-Rundfahrt. Er ist ein Mann der Kühle, der Selbstbeherrschung. Ein Profi, dem die Herzen nicht mal in seiner Heimat zufliegen. Noch immer trauern die englischen Fans dem charismatischen Bradley Wiggins hinterher. Für seinen Nachfolger an der Spitze, den in Kenia aufgewachsenen Christopher Fromme haben sie Respekt übrig, aber keine Bewunderung, keine Liebe. Doch wo gibt es die schon noch im Sport? Im Tennis: Roger Federer wird als „Maestro“ verehrt, weil er sein Metier mit unvergleichlicher Eleganz und schierer Vollendung beherrscht. Im Fußball: Lionel Messi. In der Formel 1: Ayrton Senna, lange ist es her.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Auch im Radsport gibt es einen solchen Mann: Peter Sagan. Einen, bei dessen bloßer Erwähnung Liebhaber und Kenner ins Schwärmen geraten. Hast du ihn gesehen letzte Woche? Unglaublich! Der große Eddy Merckx sagt über den 27 Jahre alten Slowaken: „Er ist phantastisch. Die Art, wie er fährt, ist unglaublich. Er zögert nie anzugreifen. Er ist auf dem Weg, eine Legende zu werden.“

          Am Sonntag hat er im norwegischen Bergen einen weiteren Schritt auf diesem Weg hinter sich gebracht, als er abermals Straßenweltmeister geworden ist in einem denkbar knappen Zielsprint, den er gegen den Norweger Alexander Kristoff gewann. Er beherrscht sein Sportgerät eben wie kein zweiter im Peloton. In den großen Momenten seiner Auftritte wie am Sonntag im Sprint lässt er die Rennmaschine nicht aussehen wie ein Sportgerät, sondern wie ein Instrument, auf dem er spielt.

          Artist auf dem Rad

          Wenn sich die besten Abfahrer mit Tempo 90 ins Tal stürzen, ist er der spektakulärste, keiner schmiegt und biegt sich um das Oberrohr wie er. Als der Schweizer Fabian Cancellara im vergangenen Jahr beim Klassiker Paris–Roubaix auf einem engen Feldweg vor ihm stürzte, sprang er auf dem Rad über ihn hinweg, während die folgenden Konkurrenten reihenweise zu Boden gingen. Über die Ziellinie fährt Sagan, sofern es die Zeit erlaubt, gern aufgerichtet auf dem Hinterrad, wheelie heißt das im Fachjargon, oder auch mal auf dem Vorderrad. Ist auf dem Weg zum Teambus eine Treppe zu überwinden, steigt Sagan, sofern gutgelaunt, nicht ab, sondern springt Stufe für Stufe hinauf – zur besten Unterhaltung seiner Fans. Oder seiner selbst?

          Heldenverehrung: Peter Sagan
          Heldenverehrung: Peter Sagan : Bild: VeloImages 2015

          „Ich sehe mich nicht als Entertainer, ich bin Peter Sagan. Nur weil ich denke, dass man bei einem so harten Beruf wie Radprofi auch Spaß haben kann, muss man nicht gleich denken, dass ich das für andere tue.“

          Was bedeutet Ihnen Freiheit?

          „Alles. Freiheit heißt, alles tun zu können, wofür man Leidenschaft empfindet. Nur so kann man seine Persönlichkeit zum Ausdruck bringen.“

          Die vollkommene Beherrschung seines Sportgerätes ist das eine, was Sagan zur Attraktion macht, das andere ist seine spektakuläre Art, Rennen zu fahren. Vom roboterhaften, ungelenk wirkenden Froome unterscheidet ihn die lässige Selbstverständlichkeit, mit der er auf dem Rad sitzt, aber auch seine ungezügelte Angriffslust. Wo andere abwägen, taktieren, wo sie im Windschatten verkümmern, geht Sagan mit Vollgas ins Risiko. Mal geht es gut, mal nicht. Egal. Den hundertsten Profisieg hat er letzte Woche in Kanada gefeiert, zweite Plätze finden sich ähnlich viele auf seinem Konto.

          „Rennen sind komplex, und nicht immer gewinnt der Beste. Genau das macht den Sport aus. Wäre alles vorhersehbar, brauchten wir gar nicht mehr starten. Man muss in Topform sein, ja, aber es muss alles stimmen, um zu gewinnen: Taktik, Rennverlauf, Glück.“

          Nicht immer gewinnt der Beste? Sagan meint damit Rennen wie den Klassiker Mailand–Sanremo im März dieses Jahres, als er nach knapp 300 Kilometern und sieben Stunden Fahrzeit am Poggio, dem letzten Anstieg, angriff und die finalen sechs Kilometer vorn fuhr, mit zwei Konkurrenten am Hinterrad. Er stürzte sich mit ihnen in die Abfahrt, zog den Sprint an – und wurde am Ende Zweiter, um Zentimeter geschlagen. Michal Kwiatkowski, der zuvor jede Führungsarbeit verweigert hatte, gewann. Der Pole holte sich den Sieg, für das Spektakel aber hatte Sagan gesorgt – wie so oft. Sein Kommentar: „Kwiatkowski schuldet mir ein paar Bier.“

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