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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Per und Oscar Carlén Eine Handballfamilie für Hamburg?

 ·  Die SG Flensburg könnte zwei ihrer wichtigsten Männer an den Rivalen HSV Hamburg verlieren: Carlén senior und junior. Trainer Per Carlén dementiert wütend, sein Sohn Oscar, Rückraumspieler, wird Flensburg wohl im Sommer verlassen.

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Dieser Mann ist Energie und gute Laune pur, er sieht aus, als könne er jederzeit Wände einreißen. Per Carlén schafft es, auf einer zehn Sekunden dauernden Fahrstuhlfahrt drei kleine Witzchen zu reißen, während er an einem Wurstbrötchen kaut. Die ganze Besatzung lacht. Carlén am lautesten. Der Mann hat nicht lange gebraucht, um seine ganz normale Tagesform wiederzufinden. Dabei hatte ihm noch eine Viertelstunde zuvor jemand die Frage gestellt. Die Frage, die die Fröhlichkeit aus seinem Gesicht vertreibt. Was ist denn nun dran an den Gerüchten, dass er, Per Carlén, im Sommer 2011 die SG Flensburg-Handewitt verlässt und den HSV Hamburg übernimmt?

Carlén sagt: „Es interessiert mich nicht, was Hamburg macht. Ich trainiere Flensburg. Mehr sage ich nicht.“ Im Juli hatten Hamburger Zeitungen gemeldet, in Carlén sei der Nachfolger für Trainer Martin Schwalb gefunden; Schwalb wechselt im nächsten Jahr in die Geschäftsführung. Carlén habe auch schon beim HSV unterschrieben, und zusammen mit ihm werde sein Sohn Oscar kommen, einer der weltbesten Spieler im halbrechten Rückraum.

Carlén sr. dementierte wütend, erzählte später im kleinen Kreis von einem Fünf-Jahres-Plan bei der SG, von seinem Ziel, endlich wieder Nachwuchsspieler in die Bundesligamannschaft zu führen. Man kann sich den bodenständigen, uneitlen Südschweden auch schwer in Hamburg vorstellen. In Flensburg ist er gern als Fußgänger unterwegs, die Stadt sei doch klein, da könne er den Wagen in der Garage lassen. Wie sehr beim HSV alles nach der Pfeife des Geldgebers Andreas Rudolph tanzt, war erst vor einer Woche wieder zu betrachten: Unzufrieden mit dem Saisonstart, befehligte der Präsident das Team zur Aussprache zu sich nach Hause - nach Mallorca. Hinflug nach dem Training, Übernachtung im Matratzenlager, Rückflug am nächsten Tag. Der Selbstherrlichkeit Rudolphs würde sich auch der freiheitsliebende Carlén unterwerfen müssen. Das mag für ihn derzeit noch undenkbar sein.

Die Verlegenheitslösung

Inzwischen halten sich alle Parteien beim Thema Carlén sehr bedeckt. Möglich, dass Rudolph die Einigung mit Carlén seiner Hamburger Lieblingszeitung gegenüber nur ins Spiel gebracht hat, um von Verhandlungen anderswo abzulenken. Der HSV will im Frühjahr 2011 Schwalbs Nachfolger vorstellen, das ist alles, was man Sportchef Christian Fitzek entlocken kann. Wäre es Carlén, käme nur die Nummer drei der internen Rangliste. Zvonimir Serdarusic oder Talant Duschebajew hießen Rudolphs Wunschkandidaten. Serdarusic sagte ab, weil er derzeit Celje und die slowenische Nationalmannschaft trainiert. Womöglich will er als Haupt-Belasteter in der Kieler Bestechungsaffäre – neben Uwe Schwenker – auch noch etwas Gras über die Sache wachsen lassen, ehe er sich ein Bundesliga-Comeback zutraut.

Duschebajew, Übungsleiter beim spanischen Spitzenklub BM Ciudad Real, wurde von Seiten des HSV als zu teuer bezeichnet. Doch seit wann schreckt den Klub ein hoher Preis ab? Duschebajew hat in verschiedenen Interviews gesagt, dass er gern mal einen Verein in Deutschland trainieren würde. In der Reihe Serdarusic und Duschebajew wirkt Per Carlén dann eher wie eine Verlegenheitslösung. Fraglich, wie er mit einer Star-Ansammlung wie beim HSV zurechtkommen würde. Vielleicht gibt es also doch noch eine Überraschung, und Carlén verlängert seinen Vertrag bei der SG. Im Sommer 2011 läuft er aus. Gespräche hat Carlén für den Herbst angekündigt.

Bald ohne den Vater

Bis Ende des Jahres soll eine Entscheidung fallen, in die auch drei Frauen mit einbezogen werden – Carléns Frau Meka und die beiden Töchter Hanna und Hilda. Hilda steht übrigens im Fußball-Tor der schwedischen U20-Nationalmannschaft. Insider halten es indes auch für möglich, dass Carlén den Wanderzirkus Handball satt haben könnte und demnächst für eine gewisse Zeit zurück in die Heimat geht.

Was auch passiert, wahrscheinlich kommt ein Carlén im Sommer wirklich zum HSV. Im halbrechten Rückraum verlieren die Hamburger in einem Jahr Krzystof Lijewski an die Rhein-Neckar Löwen. Da wäre Oscar Carlén der ideale Ersatz. Vater Per hatte jüngst schon angedeutet, dass es der Sohn bald ohne den Vater werde versuchen müssen. „Es ist auf Dauer nicht gut, wenn ich immer an Oscars Seite bin.“ Er trainiert ihn seit der Kindheit. Nach drei Jahren Lehrzeit in Flensburg wäre es für den erstaunlich stabilen Rückraumspieler der logische nächste Schritt, in einer titelfähigen Mannschaft zu spielen. Auch Oscar Carléns Vertrag endet im nächsten Sommer.

Bei der SG redet man am liebsten weder über die eine noch über die andere Personalie Carlén, man ist ja froh, einen Trainer wie Per zu haben, der Flensburg wieder Geist und Mut gegeben hat und einen Spieler wie Oscar, den alle Spitzenteams wollen. An diesem Mittwoch (20.30 Uhr) kann Oscar Carlén beim besten spanischen Klub vorspielen: Die Champions League beginnt, und die SG muss gleich beim Titelträger der Jahre 2008 und 2009 ran. In Ciudad Real wird auch sicher niemand die verbotene Frage stellen.

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