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Peking Nur bedingt olympiareif

08.08.2007 ·  In ihrem Eifer, die Olympischen Spiele in Peking zu einem Image-Erfolg zu machen, scheut die chinesische Führung weder Kosten noch Mühen. Wenn die Gäste in die unter Umweltverschmutzung leidende Stadt einfliegen, soll ihr erster Eindruck trotz allem grün sein.

Von Petra Kolonko, Peking
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Wenn die olympischen Gäste nach Peking einfliegen, soll ihr erster Eindruck grün sein. Pekings Olympiaplaner, die nichts dem Zufall überlassen, haben genau nachgerechnet: Aus 1000 Meter Höhe können Fluggäste eine Fläche von 500 Quadratkilometern übersehen. Die soll jetzt grüner werden. Dafür werden am Stadtrand von Peking grüne Korridore angelegt, brachliegende Felder bepflanzt, Flachdächer mit Rasen besät und Müllkippen zugedeckt. In der Nähe der Anflugschneisen wurden Bäume gepflanzt.

In ihrem Eifer, die ersten Olympischen Spiele auf chinesischem Boden zu einem Image-Erfolg zu machen, scheut die chinesische Führung weder Kosten (genaue Zahlen werden nicht genannt) noch Mühen. Ein Jahr vor dem Beginn der Pekinger Spiele, am 8. August 2008, sind die Umrisse des "Neuen Peking", das die Stadtverwaltung unter ihrem Motto " Neue Olympiade, neues Peking" angekündigt hat, zu erkennen.

Den Dauer-Stau entzerren

Es steht das "Vogelnest", das beeindruckende Olympiastadion (Siehe auch: Peking rüstet sich für Olympia 2008), das aus verwobenen Stahlträgern schon bei einer Probe-Illuminierung seine Schönheit zeigen konnte, und es steht der durchsichtige "Wasserwürfel", in dem die Schwimmwettkämpfe stattfinden werden. Insgesamt werden 37 Arenen (Segeln findet in Qingdao und Reiten in Hongkong statt) neu gebaut oder bestehende olympiafertig gemacht. Alle außer dem Vogelnest sollen Ende dieses Jahres zur Nutzung bereit sein.

Unzählige Überführungen, Zufahrtsstraßen, Hochstraßen und Kreuzungen wurden angelegt oder verbreitert, um den Dauer-Stau zu entzerren, vier neue U- und S-Bahnen sollen nächstes Jahr in Betrieb gehen. Die malerische Altstadt wurde im olympischen Bau- und Spekulationsboom trotz der Proteste von Anwohnern und Denkmalschützern bis auf ein paar kümmerliche Reste abgerissen.

Gut im Zeitplan

Anders als in Athen 2004, wo bis zum Schluss gebangt werden musste, ob Bauprojekte auch rechtzeitig fertig würden, besteht kein Zweifel, dass Peking mit seinen Gebäuden und der Infrastruktur gut im Plan liegt. Auch wenn China jetzt den Kapitalismus praktiziert - die kommunistischen Kommandostrukturen funktionieren noch, besonders wenn es um Projekte von großer nationaler Bedeutung geht. Und was Sicherheit und Überwachung angeht, hat die Polizei lange Erfahrung.

Einschränkungen wegen politischer oder internationaler Veranstaltungen ist die Stadt gewöhnt. Als im vergangenen Jahr alle Staatsoberhäupter Afrikas eingeladen waren, machte sie die Pekinger Regierung unversehens zu Statisten in einem großen Olympia-Probelauf. Der Straßenverkehr wurde begrenzt, Hunderttausende Dienstwagen stillgelegt - und siehe da, der Verkehr in Peking floss, sogar schon ohne die angekündigten Sonder- Fahrstreifen zu Olympia.

Mit Raketen gegen dunkle Wolken

Auch das Wetter soll den Wünschen der Veranstalter gehorchen. Der August ist ausgerechnet einer von zwei Monaten im Jahr, in denen es im sonst dürregeplagten Peking ausführlich regnet. Die Wolkenbrüche in diesem Juli waren so heftig, dass viele Straßen in der Stadt unter Wasser standen, weil die Abwasserkanäle überfordert waren. Der Verkehr brach zusammen.

Um solche Güsse während der Spiele zu vermeiden und vor allem um die Eröffnungsfeier zu schützen, will die Regierung, die sonst mit allen Mitteln versucht, den Regen in die Hauptstadt zu bekommen, diesmal mit Raketen den Niederschlag fernhalten. Die Wolken sollen so geimpft werden, dass sie anderswo abregnen. Ein Versuch dazu wurde diesen Juli ausgeführt, ob er erfolgreich war, hat man allerdings nicht bekanntgegeben.

Fabriken müssen schließen

Dieser Sommer hat auch einen Vorgeschmack darauf gegeben, wie die Luftqualität im nächsten Jahr um diese Zeit beschaffen sein könnte. Die chinesische Hauptstadt lag in den vergangenen Wochen die meiste Zeit im dicken Smog. Jacques Rogge, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), hat die Luftverschmutzung als eine der größten Sorgen bezeichnet. Zwar haben die Planer einige dreckschleudernde Fabriken ausgelagert, und während der Spiele wird die Regierung ohne jede Rücksicht auf die Kosten einige Fabriken schließen lassen. Doch es hilft schon gar nichts mehr, Verbesserungen allein in der Hauptstadt durchzusetzen. Denn die Verschmutzung kommt auch aus dem Umland. Die Athleten befürchten zu Recht eine Beeinträchtigung ihrer Leistungen.

Bei den ersten Spielen in ihrem Land wollen die Chinesen nicht nur die Welt als Gastgeber und als neue Großmacht beeindrucken, auch die Sportmacht China soll mit Superlativen glänzen. Offiziell heißt das Ziel, den zweiten Platz der Medaillenbilanz hinter den Vereinigten Staaten zu erreichen, bestätigte dieser Tage noch einmal der Olympiaplaner Jiang Xiaoyu. Die Pekinger Sportfunktionäre sind betont leise. Doch besteht kein Zweifel daran, dass für Trainer und Athleten in den 302 Entscheidungen mehr auf dem Spiel steht als je bei einem anderen Sportereignis.

Spiele der Superlative

Außerhalb Chinas spricht man viel von Doping in der Volksrepublik. Bei den nationalen Wettkämpfen 2006 gab es einige Skandale, und es wird geargwöhnt, ob man nicht zu den Olympischen Spielen einige neue chinesische Athleten zu erwarten hat, die versteckt und abseits der Aufmerksamkeit von Doping-Kontrolleuren trainieren - um dann bei den Spielen ihren großen Auftritt zu haben. Solche Spekulationen werden von Chinas Anti-Doping-Kommission zurückgewiesen. Man werde gegen Doping-Sünder hart vorgehen, wird von staatlichen Stellen versprochen.

Es sollen ungetrübte Spiele der Superlative werden. 550 000 ausländische und 2,4 Millionen heimische Zuschauer werden erwartet. Über eine halbe Million freiwillige Helfer wurden rekrutiert. Vier Milliarden Fernsehzuschauer sollen die Wettkämpfe am Bildschirm verfolgen. Auch der Olympische Fackellauf wird riesig werden. 22 000 Fackelträger sollen insgesamt 137 000 Kilometer über alle Kontinente zurücklegen - und das Olympische Feuer soll sogar auf den Mount Everest gebracht werden, eine höchst umstrittene Aktion.

Beobachter glauben, dass die Schwachstellen der Vorbereitung bei Service und Organisation liegen. Inoffiziell klagen IOC-Mitarbeiter über Chinas mangelnde Bereitschaft, sich bei den Dienstleistungen helfen zu lassen und für solche Unterstützung bei der Logistik auch Geld auszugeben. Andere Olympiastädte hätten Peking Unterstützung angeboten, seien jedoch abgewiesen worden, da China lieber in Image-Projekte investiere.

Kampagne für „höfliches Verhalten“

Auch die Pekinger Bürger sind noch nicht unbedingt olympiareif. Kaum ein Taxi-Fahrer versteht mehr als drei englische Worte. In einer Kampagne für "höfliches Verhalten" soll den Pekingern in letzter Minute noch das Auf-die-Straße-Spucken abgewöhnt und das ordentliche Schlangestehen beigebracht werden. Auch ist ungewiss, ob die Zuschauer noch lernen werden, sich in den Stadien fair zu verhalten. Mit Schrecken erinnert man sich noch an vergangenes Jahr, als bei einem Fußballspiel die Nationalhymne Japans mit einem Buh-Geheul übertönt wurde.

Zur Einleitung des Countdowns für die letzten 365 Tage wird an diesem Mittwoch erst einmal gefeiert. Der Platz des Himmlischen Friedens im Zentrum von Peking ist gemäß der "grünen" Devise mit Rasen ausgelegt worden. Vor IOC-Präsident Rogge und der chinesischen Führung wird es ein großes Spektakel mit Feuerwerk und Gesang geben. 123 Popstars und Sternchen werden den eigens komponierten Song "Wir sind bereit" zum Besten geben.

Quelle: F.A.Z., 08.08.2007, Nr. 182 / Seite 30
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Politische Korrespondentin für Ostasien.

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