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Pechvogel Tony Martin „Die Angst fährt mit“

 ·  Tony Martin hatte bei der Tour de France viel vor. Doch nach einem Sturz plagt ihn ein Kahnbeinbruch in der linken Hand. Jetzt gibt der Zeitfahrweltmeister defensivere Wortlaute von sich. Er hofft trotz der Verletzung zumindest bis nach Paris zu kommen - und Olympia nicht zu verpassen.

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© dpa Die Tour und Tony Martin - das passt 2012 noch nicht gut zusammen

Er glaubt noch an sein großes Ziel, an den 1. August, an das olympische Zeitfahren. Obwohl die Situation von Tony Martin sich binnen weniger Tage deutlich verschlechtert hat, obwohl er zu einem Schmerzensmann der Tour de France geworden ist und auch die Aussichten auf olympisches Gold geschrumpft scheinen. Zwar sitzt er trotz eines Kahnbeinbruchs in der linken Hand weiter im Sattel und an diesem Montag nahm Martin die zweite Etappe der Tour von Visé nach Tournai in Angriff, die der Brite Mark Cavendish im Sprint knapp vor dem Rostocker André Greipel und dem Australier Matthew Goss gewann.

Allerdings sagte der Cottbuser Martin: „Die Angst fährt mit.“ Die Angst, dass er vielleicht doch nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen kann, dass seine Verletzung ihn stoppen könnte. „Unter normalen Umständen“, sagte Helge Riepenhof, Teamarzt bei Martins belgischer Equipe Omega Pharma-Quickstep, „dauert eine Heilung zwölf Wochen, bei kompletter Ruhigstellung sechs.“

Vom Pech verfolgt

Vorläufig scheint der Weltmeister im Zeitfahren vom Pech verfolgt zu sein. Beim Tour-Prolog in Lüttich hatte ihn ein Schaden am Hinterrad gestoppt, am Sonntag stürzte Martin und musste sich im Krankenhaus untersuchen lassen. An diesem Montag trat er wieder zum Rennen an, mit einer etwa 30 Zentimeter langen Plastikschiene, die ihm wegen seiner Blessur angelegt worden war. „Jetzt heißt es, sich durchbeißen“, sagte der deutsche Radprofi trotzig. „Jetzt muss ich Moral zeigen.“ Aus medizinischer Sicht scheint die weitere Teilnahme an der Tour kein Risiko zu sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich sein Zustand verschlechtere, sei gering, sagte Martin nach Beratungen mit seinem Team.

Vermutlich aber wird er die Tour wegen seines Handicaps nicht wie geplant beenden. Die Anstrengungen in den Alpen und den Pyrenäen dürften nach seinem Malheur auf der ersten Etappe zu groß sein. Ursprünglich hatte Martin auf alle Fälle durchhalten wollen bei der Tour, bis Paris. Damit sollte sein Selbstbewusstsein für Olympia gestärkt werden. Jetzt sagte Martin, dass er zwar probieren wolle, Paris zu erreichen - „aber ich sage nicht, dass ich durchfahre“.

Anfangs mit dem Gelben Trikot geliebäugelt

Zunächst hatte Martin mit dem Gelben Trikot bei der Tour geliebäugelt und sich gute Chancen für die Einzelzeitfahren auf der neunten und 19. Etappe ausgerechnet. Nach seinen Missgeschicken vom Samstag und Sonntag haben sich die Möglichkeiten, sich beim härtesten Radrennen der Welt in Szene zu setzen, deutlich reduziert. Martin, der Olympia und die „Operation Gold“ über die Tour gestellt hatte, will sich nun auf den „Kampf gegen die Uhr“ am kommenden Montag in Besançon konzentrieren, sofern er nicht in einen weiteren Zwischenfall verwickelt wird. Wegen seiner Beeinträchtigung - und wohl auch aus Vorsicht - wird er in den kommenden Tagen eher in der Defensive bleiben: „Man wird mich“, sagte er, „oft am Ende des Feldes sehen.“

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