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Basketballprofi Paul Zipser : Der stille Reserve-Star in der NBA

  • -Aktualisiert am

Treffsicher: In den ersten drei Play-off-Partien kam Paul Zipser gegen die Boston Celtics im Schnitt auf 10,6 Punkte. Bild: EPA

Der deutsche Basketballprofi Paul Zipser blüht in den Play-offs der NBA mit den Chicago Bulls auf. Dabei passt er optisch so gar nicht in diese Glanz- und Glitzerwelt.

          Wer Paul Zipser fragt, was er vor einem Jahr gemacht hat, bekommt eine vage Antwort. „Basketball in München gespielt, aber gegen wen, weiß ich nicht mehr“, sagt der 23-Jährige. Der Blick in die Vergangenheit ist durchaus angebracht, um den Aufstieg dieses Paul Viktor Louis Zipser zu verstehen. Vor zwölf Monaten trug der 2,03 Meter große Flügelspieler noch das Trikot des FC Bayern München in der Bundesliga. Jetzt spielt Zipser auf der schillerndsten Basketball-Bühne der Welt, der nordamerikanischen NBA. Nicht für irgendeinen Verein, sondern für die Chicago Bulls. Jenen Klub, den Michael Jordan in den neunziger Jahren zu sechs Meistertiteln geführt hatte.

          „Es ist vielleicht schwer zu glauben, aber ich denke wirklich nicht viel drüber nach. Auch wenn mich Freunde immer mal wieder darauf ansprechen“, betont Zipser. Der Heidelberger wirkt äußerst bescheiden und bodenständig. Er ist ein eher ruhiger Typ. Einer, der wie Dirk Nowitzki irgendwie optisch so gar nicht in diese Glanz- und Glitzerwelt NBA passt.

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          Zipsers Mitspieler sitzen nach den Partien vor ihren Spinden, starren aufs Handy, bedienen ihre Social-Media-Anhänger und sind mitunter penibel darauf bedacht, dass auch ja der diamantene Ohrring und die Goldkette richtig sitzen, bevor sie Interviews geben. Zipser hingegen duscht, zieht sich um, beantwortet Fragen, wenn denn mal welche an ihn gerichtet sind, und geht. Er hat weder Tattoos, noch trägt er Designer-Kleidung. Twitter-Account? Fehlanzeige.

          Chicago in die Play-offs geworfen

          Dass er derzeit nicht über seinen steilen Aufstieg in die NBA nachdenkt, ergibt Sinn. Denn es ist Play-off-Zeit. Jene Phase der Saison, in der Siege besonders wertvoll sind und Niederlagen doppelt schmerzen. Chicago spielt gegen die Boston Celtics. Der Rekordmeister von der Ostküste hatte die Eastern Conference als Erster beendet, die Bulls indes mussten bis zum letzten Spiel der Vorrunde zittern, um als Achter noch die K.-o.-Runde zu erreichen. Dies gelang durch einen 112:73-Sieg gegen die Brooklyn Nets. Zipser erzielte 21 Punkte. Ein Saisonbestwert für ihn. Kein anderer Bulls-Profi traf besser als der Deutsche.

          Überspitzt ausgedrückt, könnte man sagen, dass Zipser Chicago in die Play-offs geworfen hat. Doch da wiegelt er sofort ab. „Unsere Bank hatte gut losgelegt, da waren viele Spieler, die mit ihren Punkten dazu beigetragen haben – das war nicht nur ich.“ Dennoch ist der Liganeuling längst ein wichtiger Akteur im Bullenstall geworden. „Ich mag ihn, er ist ein sehr guter Spieler“, sagt Scottie Pippen. Er war in den Neunzigern neben Jordan das Gesicht des Vereins. Zipser sieht ihn ebenso als Legende an wie Toni Kukoc. Der Kroate gehörte zu jener Bulls-Mannschaft, die von 1996 bis 1998 NBA-Meister wurde. „Kukoc ist oft bei uns in der Halle, hat mit mir auch öfter geredet und viele Tipps gegeben, weil er auch gesehen hat, wo ich herkomme“, hebt Zipser hervor.

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          In den ersten drei Play-off-Partien kam er im Schnitt auf 10,6 Punkte – das sind fast doppelt so viele wie in der Vorrunde (5,5). Die Bulls hatten überraschend beide Spiele in Boston gewonnen. Doch dann brach sich Spielmacher Rajon Rondo den Daumen, fällt seitdem aus. Mit ihm fehlt es der Offensive an Ideen und Esprit. Die Celtics entschieden die Spiele drei und vier in Chicago für sich, zuletzt mit 104:95. Zipser, der nach einer spielerisch durchwachsenen Saison erst in den Playoffs aufgeblüht war und in amerikanischen Medien bereits als „unerwarteter Reserve-Star“ gehandelt wird, blieb in dieser vierten Begegnung gegen Boston am Sonntag (Ortszeit) jedoch blass. In 14 Minuten Spielzeit gelangen ihm lediglich drei Rebounds, Punkte erzielte er keine.

          Die „Best of Seven“-Serie ist nun ausgeglichen – Zipsers Selbstbewusstsein dennoch ungebrochen. Er sieht Boston als Gegner, der den Bulls liege. Und er überlegt längst nicht mehr, ob er im Spiel den Ball nun werfen oder lieber passen soll. Denn in den Play-offs sei es „viel, viel schwerer, einen guten Wurf zu bekommen“. Und deshalb müsse jeder „fokussiert sein und die Würfe nehmen, wenn sie da sind“.

          Tipps von Nowitzki

          Eine solche Einstellung hatte ihm Nowitzki bereits empfohlen, als Zipser im Herbst ins Trainingscamp kam. „Es ist am Anfang wichtig, dass man sich selbst zeigt: ,Hey, ich gehör hier dazu, ich kann da mitspielen’, dass man sich Selbstvertrauen erkämpft“, so Nowitzki. Er kannte seinen Landsmann aus der Nationalmannschaft.

          Viele in Chicago indes konnten zunächst wenig bis gar nichts mit Paul Zipser anfangen, den die Bulls bei der Talentevergabe Draft unter den weltweiten Nachwuchsspielern an 48. Stelle verpflichtet hatten. „Als er zu uns kam, wusste niemand, was er drauf hatte. Aber Paul hat hart gearbeitet und sich so einen Platz in der Rotation erkämpft“, sagt Dwyane Wade. Der 35-Jährige ist der prominenteste Bulls-Profi. Er gewann mit Miami dreimal die Meisterschaft und ist davon überzeugt, dass Zipser „mal ein richtig guter Spieler werden“ könne.

          Der Vollständigkeit halber: Vor einem Jahr hatte Zipser am 24. April mit Bayern München gegen die Brose Baskets Bamberg 90:97 verloren. In der Halle waren 6700 Zuschauer. In der Nacht  zu Donnerstag werden es 18.624 Fans sein. Bei der fünften Partie der Play-off-Serie. Im ausverkauften Boston Garden. Dort, wo unter der Hallendecke 17 NBA-Meisterbanner hängen und auf dem Parkett mit dem berühmten Celtics-Kobold neben Stars wie Wade oder Olympiasieger Jimmy Butler auch Paul Zipser spielen wird.

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          Quelle: F.A.Z.

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