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Paul Biedermann Einmal gewinnen gegen Michael Phelps

26.07.2009 ·  Über 400 Meter Freistil wollte sich Paul Biedermann bei der WM in Rom eigentlich nur einschwimmen - es wurde ein Europarekord im Vorlauf. Dabei verlief die Vorbereitung alles andere als optimal. Und die Paradestrecke Biedermanns steht noch an.

Von Bernd Steinle, Rom
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Das ganze Anzuggerede schien Paul Biedermann schon völlig durcheinandergebracht zu haben. Er hatte gerade angefangen, von seinen Tests mit dem neuen Anzug seines Ausrüsters Arena zu erzählen, davon, wie er Vergleichsrennen anstellte, „einmal mit Badehose und einmal ohne“, aber weiter kam er dann schon gar nicht mehr. Am anderen Ende des Tisches fingen Britta Steffen und Daniela Samulski umgehend zu kichern an, und als sich die allgemeine Belustigung etwas gelegt hatte, fühlte sich Biedermann genötigt klarzustellen: „,Ohne Badehose' heißt natürlich mit dem Anzug. Aber was ich eigentlich sagen wollte: Dieses neue Modell ist einfach unheimlich schnell.“

Paul Biedermann hat nie ein Hehl daraus gemacht, dass er die Entwicklung der Hightech-Anzüge sehr kritisch verfolgt. Nach den deutschen Meisterschaften in Berlin Ende Juni befürchtete er schon, die an diesem Sonntag beginnenden Schwimmwettbewerbe bei den Titelkämpfen in Rom würden wegen all der kunststoffbeschichteten, auftriebspendenden Ganzkörperanzüge zur „Tauch-WM“ verkommen. So war seine erste Reaktion auf das Verbot der Plastik-Vollverkleidung von Januar 2010 an kaum überraschend: „Ist doch super“, ließ er wissen.

Für die WM-Wettbewerbe in Rom heißt das freilich auch: Alles ist erlaubt. Zumindest fast alles. So sah sich auch der 22 Jahre alte Europameister aus Halle/Saale gezwungen, auf das neueste Modell des Arena X-Glide umzusatteln. Und das, obwohl er zuvor mit dem Vorjahresmodell prächtig zurechtgekommen war: Mitte Juni schwamm er bei einem Meeting der Mare-Nostrum-Tour in Monte Carlo in 1:44,88 Minuten einen Europarekord über 200 Meter Freistil. Eine Zeit, mit der er alle überraschte - sogar seinen Trainer Frank Embacher. Denn davor war Biedermann wochenlang krank gewesen. Schon Anfang des Jahres hatte er sich immer wieder müde und schlapp gefühlt, war im Training kaum belastbar gewesen. Im Februar kam die Diagnose: Epstein-Barr-Virus. Und als Folge eine Pause von mehreren Wochen.

Paul Biedermann auf den Spuren von Michael Phelps?

Im März begann er wieder mit dem Beckentraining. Ungefähr 300 Übungskilometer fehlten Biedermann da schon, schätzte Embacher. Doch dann meldete sich sein Schwimmer mit dem Europarekord von Monte Carlo zurück - den er zwei Wochen später bei den deutschen Meisterschaften in Berlin noch einmal auf 1:44,71 Minuten steigerte. Schneller war in diesem Jahr weltweit nur einer: Michael Phelps. Der amerikanische Superstar hatte sich bei den Trials in Indianapolis mit 1:44,23 Minuten für die WM qualifiziert - eine Zeit also, die für Biedermann keineswegs unerreichbar scheint. Paul Biedermann auf den Spuren von Michael Phelps?

Der Europarekordhalter selbst sieht das etwas nüchterner. Dass er mit seinen 1:44,71 Minuten Zweiter der Weltjahresbestenliste ist, „wird bei der WM sicher nicht so bleiben“, sagt er. Und ob er tatsächlich mit einem Phelps mithalten kann, dessen Weltrekord immerhin bei 1:42,96 Minuten steht, der aber bisher in der Nach-Olympia-Saison noch nicht die Souveränität ausstrahlt wie bei seinem Achtfach-Coup in Peking, das interessiert Biedermann auch nur bedingt.

Erstens, weil es auf seiner Leib- und Magen-Strecke noch andere starke Rivalen gibt wie den Südkoreaner Tae-Hwan Park, Olympiasieger über 400 Meter Freistil und Silbermedaillengewinner über 200 Meter, oder den zweiten Amerikaner David Walters, der bei den amerikanischen Ausscheidungen auch schon 1:44,95 Minuten schwamm. Und zweitens, weil Biedermann ohnehin versuchen will, „mein eigenes Rennen zu schwimmen“ - unabhängig davon, ob neben ihm der erfolgreichste Olympia-Athlet aller Zeiten steht oder der Landesmeister von Papua-Neuguinea.

Überraschender Europarekord über 400 Meter Freistil

Am Sonntagvormittag standen für Biedermann aber erst mal die 400 Meter Freistil an. Beim Vorlauf sprang er zum ersten Mal unter Wettkampfbedingungen ins Open-Air-Becken des Foro Italico. Was für ihn als Gelegenheit, sich einzuschwimmen bei der WM, die Atmosphäre aufzunehmen, sich auf die Anlage einzustimmen, gedacht war, erwies sich völlig überraschend als Rekordlauf. Große Ambitionen hatte er nicht - wegen des Trainingsrückstands auf der langen Strecke. Und doch schwamm Biedermann über die 400 Meter Freistil Europarekord.

In 3:43,01 Minuten absolvierte er den Vorlauf und empfahl sich damit als Sieggarant für den Endlauf am Abend. Die alte Bestmarke des Italieners Massimiliano Rosolino lag seit September 2000 bei 3:43,40 Sekunden. Damit verbesserte Biedermann auch seine persönliche Bestzeit von seinem deutschen Rekord bei den nationalen Titelkämpfen Ende Juni in Berlin um 3,66 Sekunden. Aber seine ganz großen Hoffnungen setzt Biedermann vor allem auf das 200-Meter-Finale am Dienstag. „Platz fünf und besser“ hat er sich da vorgenommen. Wohlgemerkt: Die Zielvorgabe ist nach oben offen.

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Jahrgang 1970, Sportredakteur.

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