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Pamela Reif : Fitness-Model und Instagram-Phänomen

Sehnsucht nach Sport: Auf Instagram zeigt Pamela Reif die Transformation ihres Körpers. Bild: privat

Mit 15 lud sie ihre ersten Fotos hoch – Spiegel-Selfies. Seither dokumentiert Pamela Reif die Transformation ihres Körpers bei Instagram. Mittlerweile ist sie mehr als eine Sportlerin.

          Ein japanisches Restaurant in Hamburg. Pamela Reif kommt einige Minuten zu spät und bestellt ein paar Avocado- und Gurken-Röllchen. Erst am Morgen ist sie aus Karlsruhe gekommen, hat Unterwäsche für ein Fotoshooting anprobiert. Später reist sie weiter nach Leipzig, um Werbung für ihr neues Buch „Strong & Beautiful“ zu machen. Danach: Termine auf Mallorca, in Berlin, Hamburg, Wien, Stuttgart, Berlin, Los Angeles, New York, Cannes. Und immer so weiter. „Es ist gerade viel los, sehr viel“, sagt sie: „Aber das ist phantastisch.“

          Pamela Reif, 20 Jahre, ist ein Fitness-Model – und ein Instagram-Phänomen. Jeden Monat nutzen weltweit mehr als vierhundert Millionen Menschen diese digitale Fotoplattform, allein in Deutschland sind es rund neun Millionen. Etwa drei Millionen folgen dem Kanal von Pamela Reif unter ihrem Alias „pamela_rf“. Damit hat sie dort weit mehr Anhänger als Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg (etwa eine Million), liegt in etwa gleich auf mit Lukas Podolski (3,1 Millionen) und nur ein Stück weit hinter Heidi Klum (3,7 Millionen). Beinahe tausend Fotos und kurze Videos hat Pamela Reif bisher veröffentlicht, auf den meisten ist zu sehen: sie selbst. Bilder in Bikinis, abgeschnittenen Jeanshosen, im hautengen Sportdress, Bilder im Fitnessstudio, am Strand, im Hotelzimmer. Scheinbar perfekt, makellos. Sonnenschein, schöne Orte, tolle Hotels – und Pamela Reif.

          Vor etwa fünf Jahren lud sie ihre ersten Fotos hoch – Spiegel-Selfies. Ein 15 Jahre alter Teenager mit langen blonden Haaren und großen Augen, der auf das Gymnasium ging, Hip-Hop tanzte und sich im Fitnessstudio anmeldete. „Ich war damals recht dünn, habe mich aber nicht sehr wohl gefühlt in meinem Körper. Bis ich den Kraftsport für mich entdeckt habe und gemerkt habe, wie schnell sich mein Körper dadurch verändert“, sagt Pamela Reif. Sie sehnte sich nach einem flachen Bauch, nach kräftigen Armen, kräftigen Beinen und einem runden Po. „Damals dachte ich noch, dass das alles ist, was eine Frau braucht“, erzählt sie. Meistens ging sie in den Hantelbereich, wo die Männer mit den dicken Muskeln trainieren. Sie schaute sich deren Übungen ganz genau an, bekam Ratschläge von ihnen und arbeitete dann bereits schnell ihre eigenen Trainingspläne aus.

          Seither dokumentiert Pamela Reif auf ihrer Instagram-Plattform die Transformation ihres Körpers – und immer mehr Menschen schauen ihr dabei zu. Als sie mit 17 Jahren das Abitur ablegte – sie bestand es mit der Note 1,0 –, hatte sie bereits 500.000 Follower. „Ich konnte mir damals noch überhaupt nicht vorstellen, was das bedeutet“, sagt Pamela Reif. Eigentlich wollte sie danach studieren, schrieb sich allerdings an keiner Universität ein, weil sie erst noch herausfinden wollte, wie weit sie es als eine Art Ein-Frau-Unternehmerin in Sachen Schönheit bringen kann.

          Pamela Reif führt heute längst nicht mehr nur ihren Instagram-Account. Neben dem Buch hat sie auch ein Fitnessprogramm mit dem Namen „Pamstrong“ entwickelt – inklusive eigener Fitness-App. Auf der Homepage heißt es: „Begleite mich durch mein 12-wöchiges Fitness-Programm. Gemeinsam werden wir Schritt für Schritt dein Ziel von einem starken, gesunden und weiblichen Körper erreichen.“ 99,99 Euro im Jahr kostet das Programm inklusive Trainingsplan, Ernährungsratgeber, Kalorienrechner und Rezepten. „Viele Mädchen und Frauen wollten wissen, wie ich trainiere, wie sie auch so einen Körper bekommen können. Vor allem für sie ist dieses Angebot“, erzählt Pamela Reif: „Aber ich muss jedem sagen, dass sehr viel Ausdauer und Disziplin dazu gehören, der Muskelaufbau braucht Zeit, viel mehr als das bloße Abnehmen.“

          Je mehr Follower sie hatte, desto mehr Unternehmen interessierten sich für sie. Denn Influencer wie Pamela Reif, Beeinflusser also, mit ihren Millionen Kontakten über Kanäle wie Instagram, Snapchat und Youtube werden immer wichtiger für die Vermarktung von Produkten. „Unsere junge Zielgruppe ist immer mehr in sozialen Netzwerken als in klassischen Medien unterwegs, um sich über Neuheiten und Trends zu informieren“, heißt es etwa beim Sportartikelhersteller Puma, einem der Partner von Pamela Reif. Woche für Woche bekommt sie mehrere Dutzend Anfragen von Unternehmen, die meisten lehnt sie nach eigenem Bekunden ab. „Ich muss einfach einhundertprozentig dahinterstehen“, sagt sie, „sonst verliere ich meine Glaubwürdigkeit.“

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