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Sophia Saller : Oxford-Studentin als Triathlon-Hoffnung

  • -Aktualisiert am

„Der Sport hilft mir beim Studium: Er gibt mir Zeit und Raum, um den Kopf freizubekommen“: Sophia Saller Bild: Triathlon.org

Sophia Saller lebt zwischen den Welten. Sie studiert in Oxford und ist die deutsche Triathlon-Hoffnung schlechthin. Über die Doppelbelastung klagt die 20-Jährige nicht. Doch manchmal wird es auch ihr zu viel.

          Wenn Sophia Saller sich in diesen Tagen zurücklehnt, zurückblickt und sagt: „Mann, war in diesem Jahr wieder viel los“, wird sie auf wenig Widerspruch in der heimischen Stube stoßen. Sie könne sich gar nicht so richtig trennen von 2014, sagt die Zwanzigjährige. Zu schön, erfolgreich, ja Grenzen sprengend ist das Jahr für Sophia Saller gewesen. Da waren beispielsweise diese vier Tage im Juni. Als sie am Donnerstagvormittag an der Universität Oxford ihre Bachelor-Prüfung in Mathematik schrieb, ihr Freund mit gepacktem Auto vor der Tür wartete und sie zum Flughafen fuhr, damit sie abends in Kitzbühel sein konnte, um tags darauf bei den Triathlon-Europameisterschaften zu starten.

          Sie fand wenig Schlaf in dieser Nacht. Die Prüfung in Oxford und ihr erster Wettkampf als Juniorin über die olympische Distanz bei der Elite spukten im Kopf umher. Wenige Stunden später machte sie das Rennen ihres Lebens und stand mit der Silbermedaille um den Hals auf dem Podium. Nur die aktuelle Olympiasiegerin war schneller als Sophia Saller. Die Überraschung war riesig - und gleichzeitig der Auftakt für weitere Sahne-Tage, die in der Szene aufhorchen ließen.

          Im kanadischen Edmonton ließ sie im Spätsommer den U23-Weltmeistertitel folgen. Dann war es Zeit für die Himmelsstürmerin, sich eine Woche später auch daheim in Deutschland zu zeigen, um ihre „unfassbare Saison“, wie sie sagt, zu krönen. Das gelang so eindrucksvoll wie irgend möglich. Bei den deutschen Meisterschaften in Hannover holte sie sich den Titel bei der Elite und der U23 über die Sprintdistanz. Aus dem talentierten Mädchen, das in England wohnt, war in wenigen Wochen eine der deutschen Triathlon-Hoffnungen schlechthin geworden - auch im Hinblick auf Olympia in Rio 2016.

          Wem das gerade etwas zu schnell ging: Sophia Saller leistet im technisch und physisch besonders anspruchsvollen Dreikampf Schwimmen, Radfahren, Laufen Großes und (!) studiert Mathematik in Oxford. Nicht BWL in Köln, sondern Mathematik an einer der Topuniversitäten der Welt. Schon beim Gedanken daran würden viele Leistungssportler, die über Doppelbelastung und Balanceakt klagen, den Studium und Sport mit sich bringen, mit den Zähnen klappern.

          In Edmonton wurde Sophia Saller in diesem Jahr Junioren-Weltmeisterin
          In Edmonton wurde Sophia Saller in diesem Jahr Junioren-Weltmeisterin : Bild: Triathlon.org

          Sophia Saller steht nicht für Entweder-oder, sondern für volle Kraft voraus. Sie vertrödelt keine Zeit, indem sie abwägt, wo sie noch Abstriche bei dem einen zugunsten des anderen machen könnte. Sie ist eine offene, zupackende Athletin, die nicht meckert, sondern macht. Für sie sind Ausbildung und Sport gleichberechtigt. „Ich liebe die Verbindung zwischen Sport und Studium - sie hält mich ausgeglichen und motiviert“, sagt die gebürtige Münchnerin. Und noch mehr: „Sie ist für mich Grundlage des Erfolgs. Ich wüsste nicht, wie ich dem Druck im Leistungssport und dem akademischen Druck in Oxford standhalten könnte, wenn ich nicht die Balance zwischen beidem hätte.“

          Wie das geht? Das Studium biete ihr Rückzugsmöglichkeiten vom Sport, vor allem wenn es im Training oder Wettkampf gerade mal nicht nach Plan laufe, sagt sie. „Und der Sport hilft mir beim Studium: Er gibt mir Zeit und Raum, um den Kopf freizubekommen, die Arbeit hinter mir zu lassen und - im wahrsten Sinne des Wortes - ein wenig wegzulaufen.“ Und doch lässt Sophia Saller sich im Trainingsalltag gerne immer wieder einholen, um kurz die Welten zu wechseln. Nicht selten, erzählt sie, fallen ihr während des Lauf- oder des Radtrainings Lösungen für mathematische Probleme der aktuellen Projektarbeit ein.

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          Bei der Triathlon-EM im Sommer machte sie das Rennen ihres Lebens und wurde Zweite : Bild: Picture-Alliance

          Dann hält die Multibegabte an, zückt ihr Handy, tippt die Gedanken in Windeseile ein und setzt das Training fort. Was man hat, das hat man. Die Taktung ihres Tages ist freilich hoch. 7 Uhr Schwimmtraining, Vorlesung um 10 Uhr, Laufeinheit, Lunch, dann nachmittags Seminar, noch eine Vorlesung gefolgt von einer Krafttrainingseinheit und am Abend noch lernen oder Uni-Stoff vor- oder nachbereiten. So sieht ein nicht ungewöhnlicher Tagesablauf bei ihr aus. Manchmal wundert sie sich über sich selbst, wo Ehrgeiz und Disziplin eigentlich hergekommen sind. „Was hätte die Sophia von vor vier Jahren wohl von der Sophia von heute gedacht?“, fragt sie lachend. Die Sophia von damals jedenfalls habe schon drei Einheiten in der Woche als viel empfunden.

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