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Olympische Spiele Pekings Planungsmeister müssen auf ein Spar-Modell setzen

08.07.2005 ·  Langsam greift das olympische Fieber in Peking auf die Bevölkerung über. Die Regierung rührt die Propaganda-Trommel und es wächst die Neugier auf die Spiele, die im Jahr 2008 zum ersten Mal in China stattfinden werden.

Von Petra Kolonko, Peking
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Gerade ist der Grundstein für das Olympische Dorf gelegt worden, da melden sich schon erste Kaufinteressenten bei den Pekinger Olympiaplanern. "Können Sie mich für ein Apartment vormerken, in dem ein Sportstar gewohnt hat?" Langsam greift das olympische Fieber von Stadtfunktionären und Bauunternehmern in Peking auf die Bevölkerung über. Die Regierung rührt die Propaganda-Trommel und bei den Pekingern wächst die Neugier auf die Spiele, die im Jahr 2008 zum ersten Mal in China stattfinden werden.

Zhang Yimou, Chinas international gefeierter Filmregisseur, hat sich für die Gestaltung der Eröffnungsfeier beworben, und bei Fachleuten besteht kaum Zweifel, daß der Starregisseur, der bereits viele Massenspektakel und die Darstellung Pekings beim Abschluß der Spiele in Athen inszeniert hat, den Zuschlag für das Programm bekommen wird. Das Thema ist schon vorgegeben: "Eine Welt, ein Traum" wird der Olympische Slogan von Peking lauten.

Eine Welt, ein Traum

Für die Realisierung dieses Traums hat sich die Hauptstadt drei Jahre vor dem Beginn der ersten Spiele auf chinesischem Boden in eine riesige Baustelle verwandelt. Brücken und Hochstraßen werden gebaut, U-Bahn-Stationen und Parkplätze. Pekings alte Infrastruktur soll olympiagerecht und modern werden. Bei den Olympia-Bauten hat die chinesische Regierung die Pekinger Funktionäre gebremst und zu Sparsamkeit aufgerufen. Nachdem es Kritik an den hohen Kosten und auch Schwierigkeiten mit den Bauarbeiten gegeben hat, ist das größte Prestigeobjekt der Spiele, das Nationale Sportstadion, genannt "Vogelnest" verkleinert worden. Das ursprünglich geplante verschiebbare Dach wird nicht gebaut und das Stadion wird weniger Sitze als ursprünglich geplant haben. Auch am zweiten architektonischen Wahrzeichen, dem "Wasserwürfel", in dem die Schwimmwettbewerbe stattfinden werden, ist gespart worden.

Für acht von elf neu zu bauenden Stadien sind die Grundsteine schon gelegt, mit dem Bau der verbleibenden drei soll in diesem Herbst begonnen werden. Alle sollen bis Ende 2007, einige bereits Ende 2006 fertiggestellt und bereit für Test-Wettkämpfe sein. Elf bereits bestehende Stadien und Wettkampfstätten werden renoviert und überholt. Zusätzlich werden nach der neuen Spar-Maßgabe der chinesischen Regierung neun temporäre Wettkampfstätten eingerichtet, etwa für Beachvolleyball und Hockey.

Nicht auf dem Platz des Himmlischen Friedens

Nachdem die Reitwettbewerbe in Hongkong stattfinden werden, stehen für alle Wettbewerbe die Austragungsorte jetzt fest. Beachvolleyball, nach einer ersten Planung auf dem Platz des Himmlischen Friedens vorgesehen, ist in den Pekinger Chaoyang-Park verlegt worden. Die Segelwettbewerbe finden in der Küstenstadt Qingdao statt, der ehemaligen deutschen Kolonie, einige Fußballspiele sind in andere Städte ausgelagert worden. Es ist kaum zu befürchten, daß olympische Projekte nicht rechtzeitig fertig werden. In der Planung und Organisation von Massenveranstaltungen sind die Kommunisten Meister, wenngleich im modernen China nicht alles mehr per Dekret geht wie in alt-sozialistischen Zeiten.

Auch über die Sicherheitsvorkehrungen braucht man sich wohl kaum Sorgen zu machen. In Chinas Ein-Parteien-Diktatur werden die Sicherheitskräfte auch ohne die Spiele mit bester Ausstattung und reichlich Personal verwöhnt, und die Polizei verfügt über lange Erfahrung beim Personenschutz, der Kontrolle von Demonstrationen und der Überwachung verdächtiger Gestalten.

300 Millionen Dollar für die Sicherheit

Nach Schätzungen chinesischer Zeitungen werden mindestens 92.000 Sicherheitskräfte im Einsatz sein, davon 40.000 Polizisten, 27.000 Angehörige der paramilitärischen "Bewaffneten Polizei" und zehntausend Wachpersonal. Peking ist zuversichtlich, denselben Grad an Sicherheit zu bieten wie Athen. Es sind Ausgaben von 300 Millionen Dollar für die Sicherheit geplant, deutlich weniger als in Athen. Der Unterschied ergäbe sich aus "besonderen Bedingungen" des freien Zugangs in Europa und in Athen, die für China nicht zuträfen.

In den verbleibenden drei Jahren werden sich die Pekinger Planer mehr mit Fragen zu befassen haben, die sich nicht einfach per Dekret lösen lassen. Das fängt damit an, daß noch immer kaum ein Pekinger Taxifahrer ein Wort Englisch spricht und Hotelangestellte selbst Fünf-Sterne Hotels überfordert sind, wenn man in Englisch nach mehr als nur der Zimmernummer fragt. Die Pekinger Autofahrer wissen nicht viel von Verkehrsregeln, die Unfallhilfe ist zu langsam und die Staus sind endlos.

Kampf gegen Moskitos und Kakerlaken

Die Luft in Peking ist trotz des Versprechens von "grünen Spielen" in den vergangenen zwei Jahren wieder schlechter geworden ist, dank eines ständig wachsenden Straßenverkehrs. Die Lebensmittelsicherheit ist zu erhöhen; fast täglich gibt es in China Berichte von Lebensmittelvergiftungen. Die kommunistischen Stadtfunktionäre, die gern in Quoten und Zahlen denken, haben festgestellt, daß die "Dichte der Ratten und Mäuse" in einigen Stadtbezirken die staatliche Quote überschreitet. Auch Moskitos und Kakerlaken sollen bekämpft werden, damit sie nicht den Ablauf der Wettkämpfe und das Wohlbefinden der Athleten und Zuschauer stören.

Die Pekinger Olympia-Planer selbst sind bereits der Korruption überführt. Obwohl im vergangenen Jahr das Sportministerium noch lauthals dementiert hatte, daß es Unterschlagungen oder Fehlnutzungen von Olympischen Geldern gegeben hatte, und Zeitungen sich für kritische Berichte entschuldigen mußten, war in diesen Tagen im Jahresbericht des Staatlichen Auditors überraschenderweise zu lesen, daß das Sportministerium die "Fehlverwendung von olympischen Gelder noch nicht korrigiert habe." Einzelheiten wurden nicht genannt.

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Politische Korrespondentin für Ostasien.

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