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Olympische Spiele in Deutschland? Mit dem Transrapid nach Garmisch

23.07.2007 ·  Berlin 2016, München 2018, Hamburg 2020? Der deutsche Sport diskutiert wieder über eine Olympia-Bewerbung. Doch sie wird sehr, sehr teuer, und der Weg ist lang. An diesem Dienstag gibt es eine Vorentscheidung.

Von Elisabeth Schlammerl und Jörg Hahn
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Die letzte deutsche Olympiabewerbung, die von Leipzig um die Spiele 2012, endete desaströs. Immerhin steht seit dem missglückten Abenteuer, dem eine quälende nationale Auswahl vorausging, in der fünf Städte viel Geld verbrauchten, die künftige Marschrichtung fest: Der deutsche Sport wird keine Versuchsballons mehr starten lassen, sondern sich im Fall der Fälle auf einen Kandidaten mit absoluten Erfolgsaussichten festlegen.

Zudem sollen die Bewerbungskosten - Sotschi hat in seine Kampagne für 2014 mehrere Dutzend Millionen Euro investiert - nicht explodieren. Aufgrund dieser Vorgaben ist eine Bewerbung um Sommerspiele bis auf weiteres ausgeschlossen. Rein plakative Kandidaturen ohne Sinn und Verstand, wie sie der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit mit Berlin für 2016 ins Spiel gebracht hat, sind mit Thomas Bach, dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), nicht zu machen.

Der (zu) forsche Stoiber

Am Dienstag erhoffen sich die Münchner vom DOSB-Präsidium einen Grundsatzbeschluss über eine Bewerbung der bayerischen Landeshauptstadt, schon Schauplatz der Sommerspiele 1972, um die Winterspiele 2018. Unmittelbar nach der Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) für die Schwarzmeer-Stadt Sotschi als Ausrichter der Winterspiele 2014 haben sich die Bayern mit Verve in Stellung gebracht, teilweise, wie Ministerpräsident Edmund Stoiber, in einer so forschen Art und Weise, dass man in Sportorganisationen die Nase rümpfte. Oberbürgermeister Christian Ude baggert schon seit 2005, um München als erste Stadt der Welt zum Gastgeber von Sommer- und Winterspielen zu machen.

Bach, der auch IOC-Vizepräsident ist, hat die Wahl Sotschis nach vielen Gesprächen im nationalen und internationalen Sport so analysiert: In Sotschi hätten die Fachverbände eine Chance gesehen, ein neues Feld für den Wintersport zu erschließen, deshalb das Votum gegen Salzburg und gegen Südkorea. Die südrussische Stadt werde nicht unbedingt Europa zugeordnet. Für China komme 2018 eine Winter-Bewerbung wohl noch zu früh. Und da im Winter nur drei Teilkontinente zur Verfügung stünden, Nordamerika, Asien und Teile Europas, habe Deutschland eine bessere Ausgangslage als im Sommer. Bach will auch bei den Fachverbänden und im IOC viel Sympathie für deutsche Olympia-Ambitionen im Winter festgestellt haben.

Wer ist der Partner?

Ist deshalb am Dienstag bei der DOSB-Sitzung in Frankfurt für den Tagesordnungspunkt Winterspiele ein einhelliges Ja schon ausgemacht? Wer Bach kennt, weiß, dass der frühere Olympiafechter nicht ohne ausreichende Vorbereitung zum Angriff übergeht. Das heißt in diesem Fall, dass der Wirtschaftsanwalt sicher erst alle Eckpunkte einer möglichen München-Bewerbung klären wird, bevor er sich offen dafür ausspricht. Wichtigste Punkte: Mit welchem Partner für Schnee-Wettbewerbe will man antreten? Schließlich werden in München nur die Hallen-Wettkämpfe auf Eis ausgetragen werden können. Garmisch-Partenkirchen bietet sich aufgrund der Entfernung, der Erfahrung und der Infrastruktur an, allerdings fehlt eine moderne Zugverbindung.

Für den Bau einer Transrapid-Trasse wäre allerdings noch genug Zeit. Eine Einbeziehung einer Vielzahl traditioneller Standorte, etwa Inzell für Eisschnelllauf oder Ruhpolding für Biathlon, dürfte beim IOC nicht gut ankommen. Wie aber reagieren Politik und Bevölkerung, wenn diese Orte wirklich nicht berücksichtigt werden? Und sollte aus ökologischen wie aus finanziellen Gründen nicht die etwas weit entfernte Bob- und Rodelbahn am Königssee bei Berchtesgaden einbezogen werden? Eine fünfte Bahn in Deutschland mag sich eigentlich niemand vorstellen.

Martin Hobmaier, Bürgermeister von Inzell, rechnet noch damit, an einem Olympiaprojekt teilhaben zu können: "Ich kann mir aus ökologischen Gründen nicht vorstellen, dass man auf unsere Region verzichten würde und auf unser Know-how. Die Nachnutzung hat bei uns in Deutschland eine wichtige Bedeutung. Steuerzahler und Wähler würden es sicher nicht verstehen, wenn man die bestehenden Wettkampfstätten nicht nutzen und dafür neue bauen würde." Hermann Steinmaßl, Landrat des Landkreises Traunstein (also zuständig für Ruhpolding und Inzell, nicht für Berchtesgaden), argumentiert ähnlich: "Wir führen seit Jahren Weltcup-Veranstaltungen im Eisschnelllauf, im Nordischen und im Biathlon durch und haben dadurch eine große Erfahrung. Es wäre unverständlich, wenn man in anderen Regionen neue Sportstätten errichten würde. Da wären wir vergleichbar mit Sotschi, und das wäre nicht der richtige Ansatz."

Bach muss Chef sein

Vorsichtiger äußert sich Stefan Krauß, Generalsekretär des Bob- und Schlittenverbandes aus Berchtesgaden: "Man muss das Olympia-Konzept danach ausrichten, was wirklich erfolgversprechend ist. Persönliche und regionale Interessen müssen dabei hintanstehen. Deshalb ist es nicht wirklich förderlich, jetzt zu diskutieren, ob Ort A dabei sein soll oder Region B." Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Skiverbandes, wird am Dienstag mitdiskutieren. Seine Einschätzung: "Fest steht, dass eine relativ starke Zentralisierung größere Erfolgschancen hat, deshalb habe ich auch schon gesagt, dass Oberstdorf bei einer Bewerbung nicht mit Boot sein würde. Damit habe ich mir in meiner Allgäuer Heimat natürlich keine Freunde gemacht. Garmisch-Partenkirchen ist mehr oder weniger gesetzt wegen der alpinen Voraussetzungen. Außerdem wäre die Ski-WM 2011, die ein Vierteljahr vor der Olympia-Vergabe 2018 stattfindet, eine schöne Steilvorlage."

Für den Südosten spreche, dass man auf bestehende Anlagen zurückgreifen könne wie die Bahn am Königssee. "Man käme schon in Erklärungsnotstand, wenn man zu viele Anlagen neu bauen müsste." Für Hörmann ist klar, dass Bach der unumstrittene Chef des Vorhabens werden muss. "Er hat den besten Überblick über die ganzheitliche Strategie. Da darf sich kein Fachverband einmischen." Ob da alle bereitwillig mitspielen?

Wie auch immer es kommen mag: Eine Olympiabewerbung wird ein harter Kampf - sowie eine teure Angelegenheit für Bund, Land und Kommunen. Kritiker werden nicht lange auf sich warten lassen. Und der Sport macht sich derzeit ja nicht nur Freunde.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22.07.2007, Nr. 29 / Seite 17
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Jahrgang 1961, verantwortlicher Redakteur für Sport.

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