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Olympische Reiterspiele Ist Hongkong zu heiß für die Pferde?

22.01.2008 ·  Hohe Luftfeuchtigkeit und extreme Hitze: Für die Olympischen Reiterspiele herrschen in Hongkong alles andere als ideale Bedingungen. Jetzt zweifeln einige deutsche Springreiter, ob sie ihre edlen Rösser diesen Strapazen aussetzen sollen.

Von Evi Simeoni
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Kann man es verantworten, ein Pferd bei den olympischen Reiterspielen an den Start zu bringen? Die deutschen Springreiter bemühen sich zwar um gefasste Mienen, aber in ihrem Inneren nagt der Zweifel. Christian Ahlmann zum Beispiel, Doppel-Europameister und Olympia-Dritter mit der Mannschaft von Athen, hat sogar schon darüber nachgedacht, auf seinen Einsatz in Hongkong mit dem Schimmelwallach Cöster zu verzichten.

Das sagte er am Rande des Weltcup-Turniers in Leipzig. „Wenn die Olympischen Spiele ohne mich stattfinden sollten, könnte ich damit leben.“ Auch der aktuellen Europameisterin Meredith Michaels-Beerbaum, deren großer Traum es schon lange ist, in einer deutschen Olympia-Equipe zu reiten, kommen mittlerweile große Bedenken. „Ich mache mir Sorgen um mein Pferd“, sagt die Amazone, die mit Shutterfly eines der besten Pferde der Welt aufbieten kann. „Und ich bin damit nicht allein.“

Extreme Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit

Vor zwei Wochen hat die Deutsche Reiterliche Vereinigung ihre Sportler bei einer Kadersitzung in Warendorf mit den Bedingungen von Hongkong vertraut gemacht. „Wir sind geknickt aus dieser Sitzung herausgegangen“, sagt Ahlmann. Die Folgen des extremen Klimas im August am Austragungsort des olympischen Reitturniers wurden ihnen erst da so richtig klar.

Durch die extreme Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit, so wurde ihnen unter anderen vom Mannschaftsveterinär Björn Nolting erklärt, funktioniere die eigene Temperaturregulierung der Tiere nicht mehr. „Eigentlich können Pferde sehr gut schwitzen“, erklärt Rüdiger Brems, der Haustierarzt vieler Top-Pferde. „Doch bei der hohen Luftfeuchtigkeit kann der Schweiß nicht verdunsten – damit ist der Kühlungseffekt nicht mehr da.“

Eisduschen für die edlen Rösser

Man müsse die Tiere also mit „externen Mitteln“ kühlen. Ahlmann sagt es drastischer: „Immer, wenn die Pferde aus dem Parcours kommen, müssen sie mit Eis überschüttet werden.“ Nur so kann ihre Körpertemperatur so weit gesenkt werden, dass sie nicht in den kritischen Bereich der Eiweißgerinnung kommt. Und nur so kann sich der Puls der Pferde wieder normalisieren. Vier Wochen lang tägliche Behandlung mit Eis – bei dieser Vorstellung könnten auch die Besitzer der wertvollen Pferde ihre Olympiaträume relativieren.

Vielleicht, vermutet Meredith Michaels-Beerbaum, habe der Verband die Bedingungen mit so harten Worten geschildert, damit die Reiter sie nicht auf die leichte Schulter nähmen. „Doch ich will auf keinen Fall riskieren, dass mein Pferd seine Muskeln und seine Kraft verliert wegen Olympia.“

Elektrolytgetränke aus dem Eimer

Tatsächlich unterwerfen die Kaderreiter sich selbst und vor allem ihre Pferde einem aufwendigen Vorbereitungsprogramm. Eine eigens dafür angestellte Tierärztin überprüft laufend die Fitness der Pferde anhand eines Messgeräts, das mit Hilfe des Global Positioning Systems (GPS) ständig Daten nach Warendorf übermitteln kann. Spezielles Konditionstraining und nur wenige, gezielte Turniereinsätze sollen die Pferde in noch bessere Form bringen als ohnehin üblich. Zur minutiösen Vorbereitung gehört es auch, den Pferden beizubringen, dass sie Elektrolytgetränke aus Eimern saufen.

„Der Reiter muss fit sein, und das Pferd muss fit und in Form sein“, sagt auch Weltmeister Jos Lansink aus Belgien. „Nur wenn das nicht der Fall sein sollte, würde ich darüber nachdenken, ob ich zu Hause bleiben soll.“ Doch die Sorge der Pferdeleute wächst trotz des riesigen Aufwands, den etablierte Reiter betreiben. Welche Bilder, so fragen sie, werden wohl Pferde aus weniger gut organisierten Nationen in Hongkong abgeben? „Ob das alles gutgeht mit den Pferden, ist mir ein Rätsel“, sagt Bundestrainer Kurt Gravemeier.

Hongkong ist heißer als Peking

Weniger als sieben Monate vor der Eröffnungsfeier kommt die Kritik an den Bedingungen in Hongkong eigentlich zu spät. Schon im Juli 2005 hatte die Session des Internationalen Olympischen Komitees die Pferdewettbewerbe von Peking nach Hongkong verlegt. Einer der Gründe waren seuchenrechtliche Probleme: Peking sah sich nicht in der Lage, rechtzeitig Bedingungen zu schaffen, unter denen die europäischen und amerikanischen Pferde nach dem Turnier wieder nach Hause hätten zurückkehren können.

Aus politischen und finanziellen Erwägungen kam Hongkong ins Spiel. Erstens gibt es dort eine moderne Rennbahn mit allen wichtigen Einrichtungen. Zweitens konnte China so die Zugehörigkeit der ehemaligen britischen Kronkolonie bekräftigen. Ludger Beerbaum und die Deutsche Reiterliche Vereinigung opponierten schon 2005 gegen die Verlegung, konnten aber nichts ausrichten.

Angriffe von Tierschützern

„Wie man die Reitwettbewerbe da hinlegen kann – das ist eine Unverschämtheit“, wettert Gravemeier. Ahlmann ist der gleichen Meinung: „Ich bin sehr enttäuscht.“ Er hoffe immer noch, dass es bei den Spielen dann doch keine Probleme gebe. Der Testwettbewerb, eine Vielseitigkeitsprüfung im August 2007, verlief trotz Taifuns ohne größere Probleme.

Doch die Reiter, die sich ständig gegen Angriffe von Tierschützern verteidigen müssen, fühlen sich von den Sportpolitikern missbraucht. „Da reden alle vom Tierschutz, dieses Thema wird immer sensibler, und dann verlegen sie die Spiele an einen solchen Ort, zu einem Zeitpunkt, an dem wegen des Wetters keine Galopprennen gelaufen werden“, sagt Ahlmann. Auch die Erfahrungen von Athen, als Ludger Beerbaum wegen des Gebrauchs einer Cortisonsalbe disqualifiziert wurde, kommen Ahlmann wieder in den Sinn: „Man bekommt die Goldmedaille abgenommen wegen einer Wundsalbe – das steht doch in keinem Verhältnis.“

Tierarzt Rüdiger Brems versucht, die Wogen zu glätten: „Man kann das alles managen.“ Doch die Zweifel bleiben. „Die Gesundheit der Pferde“, sagt Gravemeier, „steht an erster Stelle. Erst dann kommt der Erfolg.“

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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