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Olympiade 2008 Hongkong statt Peking - Spiele 2008 gespalten

 ·  Die Reiterspiele der Olympischen Spiele 2008 werden in Hongkong ausgetragen. Diese Entscheidung hat nur vordergründig sportliche Gründe, im Hintergrund spielen politische Überlegungen eine Rolle.

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Die Reiterwettbewerbe der Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking werden in die chinesische Sonderverwaltungsregion Hongkong ausgelagert.

Mit dieser Entscheidung beugte sich die Internationale Reiterliche Vereinigung (FEI) dem Druck Pekings während der Verhandlungen der Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (ICO) in Singapur. Das Organisationskomitee der Spiele in Peking (Bocog) und das eigenständige Nationale Olympische Komitee Hongkongs hatten seit langem auf eine Verlegung hingearbeitet.

Mit der Entscheidung über die Reiterwettbewerbe sind nun alle Wettkampforte für die Spiele 2008 festgelegt. Die Auslagerung der Reiterspiele von Peking in das 2000 Kilometer Luftlinie entfernte Hongkong ist die erste Spaltung der Spiele, seit Melbourne 1956 die Wettkämpfe der Reiter aufgrund von Quarantänebestimmungen in Australien an Stockholm abgab.

Entscheidung im Interesse der Tiere

"Das ist ein Schlag gegen unseren Sport und unsere Athleten", sagte FEI-Vizepräsident Freddy Serpieri. Der viermalige Olympiasieger Ludger Beerbaum wurde noch deutlicher: "Die Auslagerung ist ein Verrat an der olympischen Idee. Da standen politische und wirtschaftliche Gründe im Hintergrund, und es wurde politischer Druck ausgeübt."

Wang Wei, Vizepräsident des Pekinger Organisationskomitees, versuchte die Wogen zu glätten: "Bocog arbeitet daran, sicherzustellen, daß Athleten, Offizielle, Medien und Zuschauer in Hongkong wissen, daß sie integrierter Bestandteil der Spiele in Peking sind."

Offiziell begründet wird die Auslagerung der Reiterwettbewerbe mit der Sorge um die Gesundheit der Tiere: "Das IOC hat im besten Interesse der Wettbewerbe und des Wohlergehens der Pferde entschieden", sagte IOC-Sprecherin Giselle Davies zur Begründung.

Seuchengefahr in China

Festlandchina und damit auch die Hauptstadt Peking können offiziellen Angaben zufolge keine Seuchenfreiheit garantieren. Demnach werden veterinärmedizinische Anforderungen für die Wiedereinfuhr von Tieren nach Australien, Europa und Nordamerika zwar in Hongkong, nicht aber im Kernland erfüllt. Im Zweifelsfall hätten die teuren Reitpferde nach den Spielen nicht mehr aus China ausgeführt werden dürfen.

"Ich halte das für die richtige Entscheidung", sagte der Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, Hanfried Haring. "Das war eine Risikoabwägung. Für mich wäre es ein Horrorszenario gewesen, wenn unsere Pferde nach Peking gereist wären und auf Grund der Seuchenbestimmungen nicht zurückgedurft hätten." Vertreter von Bocog hatten immer wieder darauf verwiesen, daß es "Unsicherheiten in bezug auf Pferdekrankheiten und große Schwierigkeiten beim Schaffen einer seuchenfreien Zone" gäbe.

Existenzberechtigung für Hongkongs NOK

Allerdings soll ebendiese nun doch in China geschaffen werden, kündigte das IOC in einer zeitgleichen Mitteilung an: Dazu solle in Festlandchina ein Trainings- und Wettkampfgelände entstehen. "Dieses wird in einer neu zu schaffenden, seuchenfreien Zone liegen und in der Lage sein, auch internationale Wettbewerbe durchzuführen." Die einzige Erklärung für diesen Widerspruch scheint zu sein, daß China sich offiziell nicht in der Lage sieht, die notwendige Zone bis 2008 zu schaffen.

Hinter den Kulissen wurde denn auch nach der Entscheidung des IOC davon ausgegangen, daß ganz andere Gründe die Verlagerung beeinflußt haben. So verfügen die Chinesen über zwei eigene Nationale Olympische Komitees (NOK) und die dazugehörigen Stimmen im IOC - in Festlandchina und in der ehemaligen britischen Kronkolonie und heutigen Sonderverwaltungsregion Hongkong.

Das NOK Hongkongs hatte größtes Interesse daran, einen eigenen Wettbewerb zu erhalten und damit seine Existenz zu rechtfertigen. Seit der Übergabe an China im Sommer 1997 fühlt sich Hongkong von den Festlandchinesen benachteiligt. So kam in der Stadt große Kritik auf, daß bis zur Entscheidung von Singapur kein olympischer Wettkampf nach Hongkong gegeben wurde.

Wind- und Wetterbedingungen werden noch geprüft

Peking reagierte darauf etwa mit der besonderen Einladung Hongkonger Immobilien- und Bauunternehmen, sich an den lukrativen Vorbereitungen für die Olympischen Spiele in Festlandchina zu beteiligen. Die vor wenigen Wochen eingesetzte neue Stadtregierung in Hongkong, die als Peking ergeben gilt, wird sich nun die Vergabe der Reiterwettbewerbe als ersten großen Erfolg auf die Fahnen schreiben. Sie wird als Beweis gewertet, daß Hongkong auf die Hilfe aus Peking zählen kann, und dient auch dazu, die Bevölkerung von allzu harscher Kritik an Pekings Politik abzuhalten.

Aus sportlicher Sicht dürfte Hongkong alles andere als ein Gewinn sein: Zwar gibt es in Hongkong ein begeistertes Millionenpublikum für Pferderennen, das höchste Wetteinsätze riskiert. Doch ist die heutige Pferderennbahn von Hochhäusern umgeben. Das Thermometer kann Mitte August, wenn die Spiele stattfinden, leicht auf vierzig Grad steigen.

Die Luftfeuchtigkeit ist dabei so hoch, daß Kenner von einer Gefährdung für die Tiere ausgehen. Sorge bereitet auch, daß in Hongkong im Frühjahr 2003 die Lungenkrankheit Sars über Wochen wütete, ohne daß die Behörden ihrer Herr geworden wären. Das IOC kündigte an, nun eine großangelegte Studie aufzunehmen, um die Wind- und Wetterbedingungen zu prüfen. Danach erst solle der Ablauf der Wettkämpfe festgelegt werden.

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

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