13.09.2009 · Am 2. Oktober wird in Kopenhagen festgelegt, wer die Olympischen Spiele 2016 austragen darf. Dabei kann Kandidat Chicago nicht fest mit der Hilfe von Barack Obama rechnen. Zweifelt der amerikanische Präsident etwa an einem Erfolg?
Von Evi SimeoniZweifelt der amerikanische Präsident an einem Erfolg der Bewerbung Chicagos um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2016? Zur Wahl am 2. Oktober durch die Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Kopenhagen jedenfalls will er nach Stand der Dinge nicht erscheinen. Obama teilte IOC-Präsident Jacques Rogge mit, er könne sich wegen des Ringens um die Gesundheitsreform im Moment nicht festlegen. Dafür kündigte das Weiße Haus das Erscheinen seiner Gattin Michelle Obama an in Begleitung seiner – ebenfalls aus Chicago stammenden – Beraterin Valerie Jarrett.
Ein schlechtes Zeichen? Rogge jedenfalls sagte vergangene Woche, die Wahl zwischen Chicago, Rio de Janeiro, Tokio und Madrid werde „durch ein paar Stimmen“ entschieden. Deshalb wird erwartet, dass Brasiliens Präsident Lula und der spanische König ihr Charisma am Ort einbringen werden. Auch ein hochrangiges Mitglied des japanischen Kaiserhauses – vielleicht Kronzprinz Naruhito – soll kommen. Obama formulierte seine Unterstützung für Chicago bisher in vier Videobotschaften und richtete im Weißen Haus ein Büro für Olympia, Paralympics und Jugendsport ein.
Trotz des Rückschlags in der P-Frage hat das Bewerbungskomitee Chicagos seine Chancen verbessert. Die ausbleibende Finanzgarantie der amerikanischen Bundesregierung hatte die Bewerbung lange Zeit grundsätzlich in Frage gestellt. Mit 49:0 Stimmen beschloss am vergangenen Mittwoch der Stadtrat von Chicago eine unbegrenzte Finanzgarantie für die Spiele.
Diese wird im Ausrichtervertrag mit dem IOC unverhandelbar gefordert, allerdings von den jeweiligen Regierungen. Chicago hält dagegen, das Industriezentrum am Michigansee sei ökonomisch gesehen eine Art Nation. „Im Vergleich mit nationalen Ökonomien“, heißt es in einer Mitteilung des Bewerbers, „läge Chicago auf Platz 21.“ Der finanzielle Rückhalt für mögliche Spiele in Chicago umfasst 450 Millionen Dollar vom Organisationskomitee, 250 Millionen Garantie vom Staat Illinois und 1,4 Milliarden durch private Versicherungspolicen. Die Bewerber erklären dieses System gar für zukunftsweisend.