Die Sorge wächst, dass der deutsche Sport bei den Olympischen Spielen in vielen Ballsportarten nur Zuschauer sein wird. Nur die beiden Hockey-Mannschaften haben sich bisher für die Londoner Spiele im kommenden Sommer qualifiziert. Fußball und Basketball, das steht schon länger fest, bleiben unbesetzt. Nach dem jüngsten, unglücklichen Scheitern der Volleyball-Frauen beim Weltcup in Japan ist für dieses Team zwar noch nicht alles vorbei, doch der Qualifikationspfad wird immer schmaler und steiniger.
Im Volleyball zeichnet sich ebenso wie im Handball ab, dass bis zur letzten Minute gebangt werden muss, ob die Teilnahme gelingt. Für die Handballspieler führt nur der EM-Titel (Männer) oder der WM-Titel (Frauen) direkt nach London. Höher kann die Latte nicht liegen. Als eine Ursache für Qualifikationsdruck und Scheitern sehen Fachleute des deutschen Sports die international gewachsene Konkurrenz. Immer mehr Länder drängen gut vorbereitet in Sportarten, in denen sie vorher nicht so stark waren.
Die Ballsportarten sind für eine Olympia-Delegation von wesentlicher Bedeutung, durch diese Mannschaften entsteht erst ein Gemeinschaftsgefühl, Teamgeist eben. Wenn, nicht unwahrscheinlich, mehr Disziplinen unbesetzt bleiben als Fußball und Basketball, hat das auch Auswirkungen auf die Größe der deutschen Olympia-Auswahl, von der wiederum die Zahl der Betreuer abhängt. Ein Beispiel: Wenn Handball und Volleyball auch noch Leerstellen aus deutscher Sicht bilden, müssen beispielsweise Individualsportarten auf eigentlich fest eingeplante Physiotherapeuten verzichten.
Der harte, in manchen Sportarten ja schon verlorene Kampf um die Startplätze in London macht deutlich, wie schwer es der deutsche Sport haben wird, seine Medaillenerwartungen zu erfüllen und seine Position in der Weltspitze zu behaupten. Es gibt nicht wenige in den Verbänden, die einen Platz unter den besten fünf Ländern in der Medaillenaddition - so hat der Deutsche Olympische Sportbund in seinem "Leitfaden Top Team 2012" das Ziel formuliert - für utopisch halten. 2008 in Peking gab es noch 16 deutsche Olympiasiege und insgesamt 41 Medaillen. Auf mehr kamen nur China, die Vereinigten Staaten, Russland und Großbritannien. Doch die Konkurrenz rückt massiv auf. In Athen 2004 gingen an 74 Länder Medaillen, vier Jahre später partizipierten schon 85. Deutschland wird im globalisierten Sport zunehmend einen schwierigeren Stand haben.