22.06.2010 · München darf sich Olympia-Kandidaten-Stadt nennen. Der Weg zu Winterspielen 2018 auf deutschem Boden ist aber noch weit. Es steht zudem mehr auf dem teuren Spiel.
Von Anno HeckerAm Dienstag haben sie gejubelt auf dem Marienplatz in München. Weil die bayerische Metropole sich nun Kandidaten-Stadt nennen darf. Ganz offiziell ausgewählt vom Internationalen Olympischen Komitee für die Bewerbung um die Winterspiele 2018. Deutschland hat nun wieder einen Titel. Aber leider noch nichts gewonnen. Denn, Hand aufs Herz: Alles andere als eine Erhebung in den Kreis der Kandidaten wäre eine Blamage gewesen. Seit der Solo-Bewerbung von Los Angeles für die Sommerspiele von 1984 hat es nicht mehr so wenige Konkurrenten um die Ausrichtung des olympischen Spektakels gegeben.
Es ist also keine besondere Auszeichnung, mit Pyeongchang und dem Wackelkandidaten Annecy für das eigentliche Rennen zugelassen worden zu sein. Während vor vier Jahren noch vier der sieben Bewerber für 2014 gestrichen wurden, blieb nun keiner sitzen. Das ist erstaunlich angesichts des konfusen französischen Planes. Und sagt viel über die Qualität der jüngsten Auswahl. Niemand hat Grund, zu jubeln.
Trotzdem wird die vage Aussicht auf Olympische Winterspiele in München, Garmisch-Partenkirchen und am Königssee den gemeinen Sportfreund nochmals entzücken. Solch gigantische Sportprojekte, das hat die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 bewiesen, können einen unbezahlbaren Wert für ein Land haben. Die mitreißende Wirkung des deutschen Sommerfestes sprach sich weltweit herum. Die Deutschen vernahmen es nicht ohne Stolz. Doch solche Volksfeste haben ihren Preis.
Forderungen nach Transparenz
Auch für München 2018 wird der Steuerzahler in die eigene Tasche greifen müssen; nicht nur, um einen sowieso geplanten Straßenbau vielleicht ein paar Jahre früher zu finanzieren. Bislang aber haben es die potentiellen Olympiamacher aus taktischen Gründen vermieden oder vielleicht nicht verstanden, eine offene Rechnung zu präsentieren. Das weckt Misstrauen, fördert den Standard-Vorwurf, nach dem Fest eine üble Quittung präsentiert zu bekommen.
Forderungen nach Transparenz, die Auseinandersetzung mit den Grünen Bayerns, mit Umweltschützern und Grundstücksbesitzern müssen der Bewerbung nicht schaden. Es hängt allein von der Arbeit des Organisationskomitees ab, ob sich die teils begründeten Widersprüche in eine krasse, ansteckende Ablehnung oder in eine Stärkung der Bewerbung verwandeln. Angesichts der grundsätzlichen Zustimmung in der Bevölkerung und im Bundestag ist die Verantwortung der Olympia GmbH nun noch einmal gewachsen.
Denn sie hat kurzfristig die einmalige Chance, den deutschen Wintersport vor einschneidenden Folgen des größten Sparprogramms in der Geschichte der Bundesrepublik zu bewahren. Ein Sieg über die favorisierten Südkoreaner würde Tür und Tor öffnen. Eine Niederlage aber bremste die dringend notwendige Modernisierung des deutschen Wintersports gewaltig. Es steht also mehr auf dem Spiel als der Zuschlag für ein zweiwöchiges Sportfest.