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Olympia-Aus für Rath Totilas bleibt im Stall

 ·  Die olympischen Entscheidungen gehen in London ohne Matthias Rath und seinen „Wunderhengst“ Totilas über das Dressurgeviert. Ein Start bei den Spielen wäre für den am Pfeiffer’schen Drüsenfieber erkrankten Rath zu riskant.

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© dapd Goodbye London: Matthias Rath wird bei den Spielen nicht starten

Der Spuk ist vorbei: Totilas und sein Reiter Matthias Alexander Rath werden bei den Olympischen Spielen in London nicht an den Start gehen. Am Donnerstagabend bestätigte die Deutsche Reiterliche Vereinigung in Aachen, dass der 27 Jahre alte Dressurreiter aus Kronberg nicht in der Lage ist, sein Pferd in einer Prüfung vorzustellen.

Rath ist am Pfeiffer’schen Drüsenfieber erkrankt und hatte deswegen bereits auf den Start beim CHIO in Aachen verzichten müssen. Nach einer vorübergehenden Besserung hat sich sein Gesundheitszustand offenbar so verschlechtert, dass körperliche Anstrengungen vorerst nicht möglich sind.

Der deutsche Mannschaftsarzt Manfred Giensch (Hamburg) korrigierte am Abend alle optimistischen Meldungen des Tages, der von Diskussionen und Spekulationen rund um Raths Erkrankung geprägt war: „Die heutige Auswertung seiner Blutwerte lassen auch in absehbarer Zeit keine körperliche Belastung zu. Eine weitere Vorbereitung auf die Olympischen Spiele und ein möglicher Start in London wären mit einem zu hohen gesundheitlichen Risiko verbunden.“

Rath muss das Bett hüten

Mit anderen Worten: Totilas bleibt im Stall - und Rath muss das Bett hüten. Damit wird es den selbst erklärten Gold-Rettern aus Kronberg nicht möglich sein, ihre Mission fortzusetzen. Ziel war es ursprünglich gewesen, bei den Olympischen Spielen die alte Vorherrschaft der deutschen Dressurreiter wieder herzustellen und zwei Goldmedaillen zu sichern.

Ann Kathrin Linsenhoff, die Mitbesitzerin des aus Holland stammenden Millionen-Pferdes, hatte mit ihrer Investition die Absicht verfolgt, die Familien-Medaillen-Sammlung zu erweitern: Gold in drei Generationen, nach ihrer Mutter Liselott Linsenhoff 1972 und ihr selbst 1988. Allerdings hatte das Unternehmen von Anfang an unter einem schlechten Stern gestanden: Verletzungen des Hengstes, Disziplinprobleme, enttäuschende Ergebnisse und schließlich Raths Erkrankung störten massiv das Projekt.

„So etwas gibt es öfter im Leben“, sagte Paul Schockemöhle, der mit den Zucht-Rechten an dem Hengst bereits Geld verdient hat. „Wir müssen realistisch sein, die Sache abhaken - und fertig.“ Schockemöhle traf die Meldung nicht unvorbereitet. „Wir waren laufend in Kontakt. Seit heute Morgen war absehbar, was passieren würde.“

Rath habe sich am Donnerstag aufs Pferd gesetzt, um sich auf den für diesen Freitag geplanten Inspektionsbesuch des Dressur-Ausschusses, der Nominierungskommission des deutschen Verbandes, vorzubereiten. „Er ist geritten, aber danach ging es ihm eher schlechter als besser“, sagte Schockemöhle. Der Ausschuss hatte von Rath verlangt, dass er sich in den Sattel setzen und die wichtigsten Grand-Prix-Lektionen vorreiten müsse, um für Olympia nominiert zu werden. Am Sonntagabend wird die Mannschaft benannt.

In einer offiziellen Mitteilung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung lässt sich Rath nun so zitieren: „Es wäre für meine eigene Gesundheit und auch meinen Teamkollegen gegenüber unverantwortlich, wenn ich in diesem Gesundheitszustand nominiert würde.“ Hinter Raths wechselnden Bulletins verblasste an diesem Donnerstag der Sieg der deutschen Dressur-Equipe im Aachener Nationenpreis. Mit 79,702 Prozentpunkten gelang Kristina Sprehe (Dinklage) mit Desperados die beste Einzelleistung des Tages vor Helen Langehanenberg (Havixbeck) mit Damon Hill (78,426) - die jüngst bei den deutschen Meisterschaften Rath und Totilas in zwei Prüfungen übertrumpft hat.

Erhebliche Schwächung der Dressur-Equipe

Zusammen mit Anabel Balkenhol auf Dablino und Dorothee Schneider mit Diva Royal (74,244) als Streichresultat gewannen sie den Olympiatest, der allerdings so recht keiner war: Die meisten Medaillenkonkurrenten sind dem CHIO dieses Jahr fern geblieben. Sonst hätte sich wohl gezeigt, dass der Ausfall von Rath und Totilas eine erhebliche Schwächung des Teams bedeutet. „Sie brauchen sich nur die Prozente anzuschauen, dann wissen Sie, welchen Stellenwert Totilas für unser Team hatte“, sagte Bundestrainer Jonny Hilberath.

Es wird damit gerechnet, dass für einen olympischen Medaillengewinn drei Paare in der Lage sein müssen, Noten von mehr als 80 Prozentpunkten zu erreichen. Nun fehlt eines. Hilberath gibt sich aber kämpferisch: „Wir werden reiten, was das Zeug hält.“

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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