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Olympia 2018 Zweifel über München

 ·  Von diesem Montag an begutachtet das IOC vor Ort die Münchner Bewerbung. Zudem zwingen Olympiagegner die Befürworter zu einem hässlichen politischen und juristischen Schlagabtausch. Ein Bürgervotum soll Klarheit bringen.

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Für Eva hüllt sich München in sein schönstes Kostüm. Der Marienplatz ist aufgeputzt mit Fahnen und Transparenten - die Evaluierungskommission kann kommen. Elf Inspektoren des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) unter Führung der Schwedin Gunilla Lindberg werden der deutschen Bewerbung für die Winterspiele 2018 von Montag an eine Woche lang auf den Zahn fühlen. Die Bewerber signalisieren Vorfreude.

Die Gegner Olympias allerdings wollen dafür sorgen, das die Inspektoren auf einen höchst empfindlichen Nerv treffen. Das Bürgerbegehren, das am vergangenen Dienstag in Garmisch-Partenkirchen angeschoben wurde, kam zum denkbar ungünstigsten Termin. Unabsichtlich, wie Ludwig Hartmann, Landtagsabgeordneter der Grünen, für die Olympiagegner behauptet. „Bewusst gewählt“, behauptet Thomas Schmid, der erste Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen. Dort sind - auf Schanzen und Pisten - etwa 50 olympische Schneewettbewerbe geplant.

Zurzeit werden in der Marktgemeinde Unterschriften gesammelt - etwa 1700 sind nötig, was acht Prozent der Einwohner entspricht - scheinbar, um einen Bürgerentscheid zu erzwingen, der Olympia aushebeln soll. Vieles deutet allerdings darauf hin, dass die Olympiagegner gar nicht auf eine Abstimmung aus sind, die sie nach Ansicht Schmids und der Bewerbungsgesellschaft sowieso verlören, sondern auf Zeitgewinn.

„Sie scheuen ihn sogar wie der Teufel das Weihwasser“

Sie wollen, so scheint es, die Bewerbung mit dem riesigen Handicap eines offenen Bürgervotums zur Entscheidung am 6. Juli nach Durban reisen lassen. Sollten sie das schaffen, wäre das Rennen für München schon vor der Wahl verloren. Unter Vorbehalt vergibt das IOC keine Olympischen Spiele. Damit würden es 1700 Bürger - unter Leitung gewitzter Paragraphenreiter und ohne Abstimmung - schaffen, die Winterspiele in Deutschland zu torpedieren. Mitte der Woche blickten die Bewerber deshalb schaudernd in den Abgrund. Sollte dies bereits das Ende ihrer Bemühungen sein?

„Dass die Olympiagegner in Wahrheit keinen Bürgerentscheid wollen, steht für mich schon seit Jahren fest“, sagt Münchens Oberbürgermeister Christian Ude. „Weil sie wissen, dass sie keine Mehrheit bekommen würden, scheuen sie ihn sogar wie der Teufel das Weihwasser. Stattdessen wollen sie den Eindruck erwecken, über der Olympiabewerbung schwebe ein Damoklesschwert.“ Schon die Fragestellung des Bürgerbegehrens lässt diesen Schluss zu.

Generell sind die Olympiagegner, in vorderster Front der Förster und Naturschützer Axel Doering, der Meinung, dass Garmisch für Olympia zu klein ist und die finanziellen und ökologischen Risiken zu groß seien. Aufgrund des fortgeschrittenen Entscheidungsprozesses, in dessen Verlauf der Gemeinderat dem IOC bereits die nötigen Garantien abgegeben hat, geriet die Fragestellung des Bürgerbegehrens allerdings hochkompliziert. Es läuft darauf hinaus, dass ein Gutachter feststellen soll, ob die Verträge mit dem IOC rechtens sind.

„Der zweite Teil ist momentan aus meiner Sicht unzulässig“

Dass in dem Begehren ein Gutachter namentlich benannt wird und die Zusage gefordert wird, dessen Empfehlungen auch zu folgen, dürfte allerdings für den Gemeinderat, der über die Bürgerbefragung abstimmen muss, inakzeptabel sein. „Der zweite Teil ist momentan aus meiner Sicht unzulässig“, sagt Bürgermeister Schmid. Allerdings erlaubt das Kleingedruckte unter den Unterschriftenlisten den Verfassern des Begehrens, den Text nachträglich noch zu ändern.

„Ich kann ihnen heute nicht sagen, was wir dann hereinbekommen werden.“ Sollte der Gemeinderat das Bürgerbegehren aber ablehnen, wollen die Olympiagegner dagegen klagen. Das würde bedeuten, dass bis zur Wahl am 6. Juli, wo München in Durban gegen Pyeongchang und Annecy antritt, die Garmisch-Partenkirchener Frage offenbliebe, unabhängig von den Erfolgschancen der Olympiagegner vor Gericht. Die Münchner, so sehen das IOC-Kreise, bräuchten in einem solchen Fall in Durban nicht mehr anzutreten - es wäre das Aus.

Bewerber sind in der unattraktiven Verteidigungshaltung

Die Juristen der Bayerischen Staatsregierung, die zu den Gesellschaftern der Bewerbung gehört, sinnen nun auf eine Gegenstrategie. Christian Ude sieht den Weg bereits klar vor sich: „Die Olympia-Befürworter werden umgekehrt für ein rechtzeitiges Bürgervotum sorgen“, sagt er. OlympiJA gegen NOlympia also. Mit einem positiven Ausgang würde das Verfahren der Protestierer überholt, „um das reine Taktieren der Gegner zu beenden“. In der kommenden Woche will die Gesellschafterversammlung die Strategie endgültig festlegen.

Fest steht jetzt allerdings schon, dass die Bewerber den IOC-Prüfern aufwendige Erklärungen werden abgeben müssen. Sie befinden sich wieder einmal in der unattraktiven Verteidigungshaltung. Fest steht auch, dass die Bewerbergesellschaft in diesem Fall auf dem Verhandlungswege nicht weiterkommt. In der Auseinandersetzung mit den rebellischen Garmischer Grundbesitzern setzt sie weiter auf Verständigung. Die Olympiagegner jedoch, die ihre Zentrale nicht am Ort, sondern bei den selbst über die Olympiafrage tief gespaltenen Grünen in München haben, zwingen die Bewerber nun zu einem hässlichen politischen und juristischen Schlagabtausch.

München wird strahlen für Eva - aber der Zweifel lauert

Die IOC-Prüfer, die bewerten sollen, ob ein Bewerber überhaupt olympiatauglich ist, werden also viel lernen müssen über das Gemeinderecht in Bayern. Ludwig Hartmann und seine Mitstreiter werden ihnen dabei helfen. Am Dienstag werden sie mit der Evaluierungskommission in deren Hotel zu einem Gespräch zusammentreffen. Es ist anzunehmen, dass das Treffen mit den Olympiern im Rahmen der allgemeinen Höflichkeit abgehalten wird. Auf dem Marienplatz hingegen sollen andere Töne angeschlagen werden. 40 Olympiagegner wollen eine „IOC-go-home“-Aktion abhalten.

Bevor sie dieser Aufforderung Folge leistet, wird die Kommission aber hinter verschlossenen Türen einer ganze Reihe von Vorträgen lauschen und die vorgesehenen Wettkampfstätten im Münchner Olympiapark, in Königssee, Garmisch und auf dem Gestüt Schwaiganger besichtigen. Am Donnerstagabend werden sie sich von Bundeskanzlerin Angela Merkel bewirten und umwerben lassen, und auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer werden ihre Aufwartung machen. München wird strahlen für Eva - der Zweifel aber lauert im Hinterhalt.

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Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

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