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Olympia 2018 Im nationalen Interesse

10.06.2009 ·  In der Finanzkrise bröckelte so manches Versprechen aus der Wirtschaft für die Münchner Olympiaträume. Immerhin steht die Bundesregierung hinter der Bewerbung - will aber kein Geld geben.

Von Elisabeth Schlammerl, München
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Den Weg zur Schaltzentrale der Münchner Olympiabewerbung zu finden, ist eine Herausforderung. Da hilft kein Navigationsgerät und kein Stadtplan, denn die Straße im Nordwesten Münchens ist neu und deshalb noch nirgendwo verzeichnet. An dem großen, erst Anfang des Jahres fertiggestellten Gebäude gibt es weder ein Schild noch einen Hinweis darauf, dass einer der Mieter die Bewerbungsgesellschaft München 2018 ist. Die Tür zu den Büros im vierten Stock steht meist offen, und statt einer Empfangsdame übernehmen die beiden Geschäftsführer Richard Adam und Bernhard Schwank manchmal persönlich die Begrüßung der noch seltenen Gäste.

Die Wände sind kahl, die Einrichtung karg - es wirkt alles noch ein bisschen provisorisch. Aber der Schein trügt, über dieses Stadium ist man längst hinaus, spätestens seit dem 12. Februar. Da wurde Schwank zum zweiten Geschäftsführer bestellt, auf Betreiben des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), weil sich der in der Sportwelt gut vernetzte Wilfrid Spronk aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hatte. Der Nominierung des ehemaligen Leistungssportdirektors des DOSB war allerdings eine Diskussion vorausgegangen. Die Bewerbergesellschaft musste sparen und wollte sich deshalb Schwank eigentlich gar nicht leisten. Doch der DOSB machte deutlich, dass er Herr des Verfahrens ist, nicht die Münchner Politik.

Nicht alle Förderer wollen genannt werden

Die Lage hat sich schnell entspannt. Adam und Schwank haben sich zusammengerauft. Die Arbeitsteilung ist ohnehin klar: Der frühere Tourismusfachmann Adam ist für die Finanzen und das Marketing verantwortlich, der frühere DOSB-Mann Schwank zuständig für „alles rund um den Sport“. Auch finanziell sieht es offenbar nicht mehr so düster aus wie noch vor ein paar Monaten. Der laufende Geschäftsbetrieb sei gesichert, sagt Adam. „Wir haben das, was wir brauchen.“ Für den Bewerbungsprozess um die Olympischen Winterspiele in neun Jahren wurden dreißig Millionen Euro veranschlagt, aber es sei nicht so, „dass alles auf einmal in einen Topf kommt und wir dann anfangen“, sagt Adam.

In der Finanzkrise bröckelten die einst gemachten Versprechen aus der Wirtschaft. Bisher gebe es die Zusage für rund zehn Millionen Euro, aber „die Förderer werden zunehmend mehr“, so Adam. Dass zum Kreis der Sponsoren auch BMW gehören wird, hat Münchens Oberbürgermeister Christian Ude schon verraten. Das Unternehmen hat für nächste Woche in die „BMW-Welt“ (passende Anschrift: Am Olympiapark 1) eingeladen, der Vorstandsvorsitzende Norbert Reithofer will dann zusammen mit Ude und dem bayrischen Ministerpräsenten Horst Seehofer über Art und Umfang des olympischen Engagements des Automobil-Herstellers Auskunft geben.

Nicht alle Förderer wollen genannt werden. „Manche Dinge“, sagt Adam, „sind im Moment schwer vermittelbar“. Zum Beispiel, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Geld auszugeben für eine Sache, von der man nicht einmal weiß, ob sie überhaupt realisiert werden wird. Denn für München geht es erst einmal darum, Kandidatenstadt zu werden. An dieser Hürde ist einst Leipzig gescheitert. Die Entscheidung hierüber fällt im Juli 2010, ein Jahr später wählt die Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees dann den Gastgeber der Winterspiele 2018. Bisher haben neben München die südkoreanische Wintersportstation Pyeongchang und Annecy in Frankreich ihre Bewerbung angekündigt. Bis Oktober nimmt das IOC noch Bewerbungen entgegen.

Einer räumlichen Ausweitung wird keine Chance gegeben

Schwank arbeitet derzeit „unter Hochdruck“, wie er erklärt, am Sportstättenkonzept. Anfang Juli wird er es den Mitgliedern der Bewerbungsgesellschaft vorlegen. Zusammen mit Architekten und Fachgremien aus der ganzen Welt tüftelt er an den Plänen. „Sie müssen den Kriterien der internationalen Verbände genügen, eingepasst sein in bestimmte Nachhaltigkeitskonzepte und unseren eigenen Ansprüchen eines umweltgerechten Konzeptes entsprechen“, sagt Schwank. Ins Detail will der Sportfunktionär - der im nächsten Februar für zwei Wochen einen gar nicht unwichtigen Nebenjob übernimmt, nämlich als Chef de Mission der deutschen Olympiamannschaft bei den Winterspielen in Vancouver - noch nicht gehen. Auf dem Münchner Olympiagelände vom Sommer 1972 sind jedoch eine neue feste Halle geplant sowie zwei temporäre Wettkampfstätten, die nach den Winterspielen wieder abgebaut werden.

Dass es nun plötzlich Widerstände von den Grünen gibt, obwohl sie dem Olympiakonzept einst zugestimmt hatten, behindert die Geschäftsführer angeblich nicht in ihrer Arbeit. „Unsere Aufgabe ist es, das Konzept umzusetzen. Wenn in irgendwelchen Parlamenten Anträge kommen, dies zu überdenken, hat uns das nicht zu interessieren“, sagt Adam. Die Basis der Grünen in München fordert, keine neuen Sportstätten in Garmisch-Partenkirchen zu errichten, sondern die bestehenden in Ruhpolding und in Oberstdorf für Biathlon und die nordischen Wettbewerbe zu nutzen. Die Austragung an nur drei Orten, neben München und Garmisch-Partenkirchen ist noch Berchtesgaden (Bob- und Rodelbahn) vorgesehen, sei für die Bewerbung, sagt Schwank, „am sinnvollsten und tragfähigsten“. Drastischer formuliert: Einer räumlichen Ausweitung wird keinerlei Chance gegeben.

Adam und Schwank glauben, allen Störfeuern gewachsen zu sein, zumal sie kürzlich höchste politische Unterstützung zugesagt bekommen haben: von Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Wir glauben, dass wir für die Olympischen Winterspiele in der Region München extrem gute Chancen haben“, sagte sie in Berlin nach einem Treffen mit potentiellen Sponsoren im Kanzleramt. „Die Bundesregierung steht als Ganzes hinter dieser Bewerbung. Sie ist von nationaler Bedeutung“, versicherte die Regierungschefin erstmals so deutlich. Sie wolle mit Leidenschaft dafür kämpfen, dass Deutschland bei der Entscheidung im Juli 2011 in Durban den Zuschlag bekomme. Eine finanzielle Zusage war damit freilich nicht verbunden. Das Geld für die Bewerbung wird nicht aus Berlin kommen.

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