05.07.2007 · Sotschi jubelt, Salzburg und Pyeongchang trauern und München macht sich für 2018 bereit. Die Olympischen Winterspiele 2014 sind nach Russland vergeben worden, wo sie vom 7. bis 23. Februar 2014 zum ersten Mal stattfinden werden. Evi Simeoni berichtet aus Guatemala-City.
Von Evi Simeoni, Guatemala-CityWladimir Putin hat bekommen, was er wollte: Die Olympischen Winterspiele 2014 werden in Sotschi am Schwarzen Meer stattfinden. In der Nacht zum Donnerstag gaben die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees bei ihrer Vollversammlung in Guatemala-City dem russischen Bewerber den Vorzug vor Pyeongchang (Südkorea) und Salzburg zusammen mit dem bayrischen Königssee, das den Eiskanal zu den Wettkampfstätten beitragen sollte.
Mit 51:47 Stimmen erhielt der russische Bewerber in der zweiten Runde den Zuschlag - Salzburg war bereits im ersten Wahlgang mit dem achtbaren Ergebnis von 25 Stimmen ausgeschieden. Und doch fühlten sich die Österreicher, die zum vierten Mal in Folge mit einer Bewerbung gescheitert waren, schwer geschlagen. „Wenn das eine Grundsatzentscheidung ist“, befand Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, „und kleine Länder in Zukunft keine Chance mehr haben, dann ist das eine völlig falsche Entscheidung und gegen die olympische Idee.“
Lediglich virtuelle Wettkampfstätten
Mit Sotschi bevorzugte das IOC einen Bewerber, der bisher lediglich auf virtuelle Wettkampfstätten, allerdings auf einen jungen und expandierenden Markt verweisen kann (Siehe auch: ). Mit zwölf Milliarden Dollar will Russland am Schwarzen Meer ein brandneues Wintersportzentrum errichten, rund 1,5 Milliarden beträgt das operative Budget für die Spiele. Der russische Präsident, der seit Montag in Guatemala-City für Sotschi geworben hatte, aber bereits im Flugzeug nach Moskau saß, als das Ergebnis bekannt gegeben wurde, hatte immer wieder versichert, dass die Bauten rechtzeitig zu den Spielen vom 7. bis 23. Februar fertig gestellt würden.
Auch Pyeongchang, das zum zweiten Mal mit einer Bewerbung knapp verlor, hatte dem olympischen Wintersport eine Zukunftsvision geboten - und die Expansion in den kaum erschlossenen asiatischen Markt. Welche Schlüsse Deutschland, besonders München aus diesem Wahlergebnis schließen muss (Siehe auch: ), ließ Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und IOC-Vizepräsident, am Abend der Wahl aber noch offen. „Das ist vielleicht der Beginn einer neuen Epoche. Man muss abwarten, inwieweit das in Guatemala eine Richtungsentscheidung war“, sagte der Tauberbischofsheimer.
„Budget im üblichen Bereich“
Mit dem Scheitern Salzburgs steigt aber die Wahrscheinlichkeit, dass sich der DOSB mit München um die Ausrichtung der Winterspiele 2018 bewirbt. Am 24. Juli sollen erste Gespräche zu diesem Thema zwischen DOSB und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) geführt werden.
Mit einer engagierten Rede vor der IOC-Vollversammlung hatte Wladimir Putin sich noch einmal für die russische Bewerbung stark gemacht. „Wir haben die enthusiastische Zustimmung von ganz Russland“, erklärte er. Mit welcher Hingabe er sich einbrachte, zeigt die Tatsache, dass Putin erst englisch, und dann sogar noch französisch sprach - ein höchst seltenes Zugeständnis an seine Zuhörer. Außerdem gab Putin sogar eine Garantie ab, dass es 2014 in Sotschi echten Schnee geben werde (Siehe auch: ).
Durch den Zerfall der Sowjetunion, betonte Putin, hätten die russischen Wintersportler, die traditionell die Olympischen Winterspiele dominieren, sämtliche Trainingsstätten verloren. Schon vorher hatte er erklärt, man werde ohnehin in Sotschi investieren, auch, um den Wintertourismus dort zu etablieren. Die zwölf Milliarden Dollar Kosten belasten also nicht das Gewissen des IOC, das immer wieder betont, es wolle den olympischen Gigantismus eindämmen. „Das operative Budget mit 1,5 Milliarden liegt völlig im üblichen Bereich“, betonte IOC-Präsident Jacques Rogge.
„Da blutet einem als Athlet das Herz“
Gegen die futuristischen Präsentationen von Sotschi und Pyeongchang, das sogar den italienischen Ski-Star Alberto Tomba für seinen Werbefilm gewonnen hatte, mussten die die Salzburger mit ihren traditionellen und erprobten Wettkampfstätten zwangsläufig ein bisschen gestrig wirken. Da half es auch nichts, dass die Österreicher bei ihrer Präsentation auf Mozart verzichteten und auf Rockmusik der Pop-Gruppe Queen setzten.
Zu kostspieliger Lobby-Arbeit in wintersportlichen Entwicklungsländern, wie sie Pyeongchang betrieben hat, sah man sich genauso wenig in der Lage wie zu protziger Selbstdarstellung am Ort des Geschehens - Sotschi errichtete im tropischen Klima des bitterarmen Guatemala zu Repräsentationszwecken eine Eisbahn. Der ehemalige Rodelstar Georg Hackl, für Königssee an Salzburgs Seite, sah das Wettbieten um die Winterspiele mit Schaudern. „Der heutige Tag war eine Weichenstellung“, sagte er, „da blutet einem als Athlet das Herz.“
Gute Entscheidung!
Emre Ertürk (HSCD)
- 05.07.2007, 12:41 Uhr