22.02.2008 · Fast wäre Moskau statt Singapur Schauplatz der Olympischen Jugendspiele 2010 geworden. Nur fünf Umfaller haben gefehlt zu weiteren Einbußen der Restglaubwürdigkeit des IOC. Aber auch im asiatischen Stadtstaat dienen die Spiele einer Image-Kampagne.
Von Evi SimeoniMal ehrlich: Hätte jemand dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) zugetraut, dass es auch noch seine ersten Olympischen Jugendspiele 2010 nach Moskau vergibt? Dass sich die vermeintliche gesellschaftliche Elite der Olympier sieben Monate nach der peinlichen Vergabe der Winterspiele 2014 an Sotschi schon wieder der Verführungskraft der Gasprom-Milliarden hingibt? Ja, natürlich war das den IOC-Mitgliedern zuzutrauen.
Die hypnotischen Methoden von Guatemala City, wo die russischen Bewerber alle Wodka-und-Kaviar-Register zogen und am Ende Präsident Wladimir Putin mit seinem charismatischen Erscheinen den Ausschlag gab, wirken überall. Und es haben auch diesmal nur fünf Umfaller gefehlt zu weiteren Einbußen in der Restglaubwürdigkeit: 44 IOC-Mitglieder haben in der Endrunde, in der es zum Duell Moskaus mit Singapur kam, für die russische Metropole gestimmt, nur neun Stimmen mehr erhielt der asiatische Stadtstaat.
Russlands Oligarchen können nicht alles haben
Nicht, dass man Singapur nun als uneigennützigen Gegenspieler der maßlosen Sport-Aufkäufer aus dem Osten hinstellen müsste. Dort dienen die Spiele der Vierzehn- bis Achtzehnjährigen ganz unverhohlen einer Image-Kampagne. Und der expandierende asiatische Markt ist ein exzellentes Argument für Sponsoren.
Und doch ist es nach der Entscheidung vom Donnerstag beruhigend, zu wissen, dass die russischen Oligarchen doch nicht alles sein und haben können. Sie können nicht innerhalb von sieben Monaten in Guatemala City, der Hauptstadt eines der ärmsten Länder der Welt, gegenüber dem IOC-Hotel eine veritable Eisbahn aufbauen und dort Champagner und Luxusfrauen auffahren lassen.
Fairplay, Miteinander und Austausch der Kulturen
Und dann so tun, als böten sie dem olympischen Sport in ihrer Metropole den idealen Resonanzboden für seine ethisch-moralische Rückbesinnung, als fände IOC-Präsident Jacques Rogge dort den passenden Aufenthaltsort für seine Lieblingskinder.
Die Jugendlichen, die die olympischen Werte wieder mit Leben erfüllen sollen und die bei den Jugendspielen die pädagogisch wertvolle Erfahrung machen sollen, dass Fairplay, Miteinander und der Austausch der Kulturen wichtiger sind als Siege und als materielle Güter. Eine schöne Schule, die das IOC da baut. Vielleicht sollte es einige seiner Mitglieder erst einmal selbst dort anmelden?