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Ole Bischof im Gespräch „Ich bin durch das Nadelöhr gekommen“

Judo-Olympiasieger Ole Bischof spricht sich für eine gezieltere Unterstützung deutscher Spitzensportler aus. Er selbst ist einer der wenigen, die ihr höchstes sportliches Ziel erreicht haben und denen der Umstieg ins Berufsleben geglückt ist.

© dpa Peking 2008: Auf einmal steht da ein Deutscher und gewinnt das Ding

Nach 14 Jahren Judo auf höchstem Niveau und vielen Semestern an der Uni hat Olympiasieger Ole Bischof eine neue Karriere als Volkswirt begonnen. Kurz nach seinem Einstieg bei der Beraterfirma PriceWaterhouseCoopers spricht der 33-Jährige über den Weg zum Erfolg.

Wie fühlen Sie sich als Lehrling nach den vielen Jahren als Meister?

Es ist hart. Alles ist neu. Ich bekomme viele Informationen, kann mir gar nicht alles merken. Es ist eine ganz andere Form der Belastung.

Haben Sie den Rücktritt vom Sport schon bereut, oder sind Sie froh, im neuen Leben auch gefordert zu sein?

Ich hatte mir viele Gedanken darüber gemacht, wann ich aufhöre, wie ich’s mache, ob ich es überhaupt mache - oder ob ich meinen Rücktritt noch ein, zwei Jahre verschleppe. Aber das wäre nicht mein Stil gewesen. 2008 nach dem Olympiagold war ich noch nicht so weit. Jetzt, nach Silber 2012, war ich bereit. Ich wollte einen klaren Cut machen, und ich denke, es war der perfekte Zeitpunkt, jetzt ins Berufsleben zu wechseln.

Hatten Sie während Ihrer Studien- und Sportlerzeit Angst, den Absprung zu verpassen, dass Sie eventuell zu alt werden?

Meine Mutter mehr als ich. Sie war sehr besorgt, aber ich auch manchmal. Man muss es so sehen: Ich bin einer der wenigen Sportler, die durch das legendäre Nadelöhr durchgekommen sind. Viele trainieren ähnlich viel, aber bei denen klappt es im entscheidenden Moment nicht. Und dann gibt es Probleme.

Ole Bischof © dpa Vergrößern Ole Bischof: „Wir müssen aufpassen, dass die Vielfalt des Sports erhalten bleibt“

Haben Sie Ihr Risiko alleine getragen?

Ich habe die Gewinne sozialisiert, aber die Risiken waren individualisiert. Also, natürlich habe ich den Erfolg für mich gehabt, aber ich habe ihn auch geteilt mit vielen Menschen. Nur das Risiko, das lag ganz alleine bei mir.

Gab es Unterstützung durch die Uni?

Ich habe in Köln an einer Massenuni studiert mit 60 000 Studenten. Da hat keiner gefragt, ob ein Klausurtermin nicht passt wegen eines Trainingslagers. Aber nach meinem Olympiasieg gab es eine Einladung vom Rektor zum Essen.

Wie waren Sie abgesichert während des Studiums?

Lange Zeit nur durch die Sporthilfe. Erst nach dem Olympiasieg 2008 war es ein Selbstläufer. Da kamen dann gute Sponsoren. Und auch durch meine Vorträge, die ich bei Firmen gehalten habe, konnte ich mich sehr gut finanzieren. Aber die Sporthilfe hat mir den Anschub gegeben. Sie hat mich seit 1998 unterstützt, und da ist gerade am Anfang Geld geflossen, das mir sehr geholfen hat. Sonst hätte ich eben abends noch in der Bar kellnern müssen.

22224865 © David Fnych Vergrößern Judokämpfer Bischof (in blau): Eine Geschichte, um Mut zu geben und Kampfgeist zu wecken

War das akzeptabel? Oder sollten Sportler eine höhere Grundsicherung bekommen?

Aus meiner Perspektive lief alles gut. Aber wenn man den Sport als Ganzes anguckt, sollte man sehen, dass möglichst wenig Verlust an den Seiten entsteht. Und ich bin der festen Überzeugung, dass wir mehr Erfolg hätten, wenn wir eingreifen würden. Das System ist schon gut, aber es bedarf noch der Verbesserung.

An welcher Stelle?

Im Judo zum Beispiel ist es ein Riesenunterschied, ob man U23 kämpft oder bei den Männern. Da gibt es noch mal eine Entwicklungsstufe. Nur weil einer bei den Junioren gut war, ist er noch längst nicht bei den Männern gut genug, den Sprung zu schaffen. Da gibt es eine Phase von drei, vier Jahren, in der es hart ist. In dieser Phase müsste mehr unterstützt werden, damit die Talente dran bleiben.

Mehr zum Thema

Warum sollte eine Gesellschaft einen Sportler unterstützen? Wo ist der Nutzen für alle, wenn Sie Judo zu Ihrem Beruf machen wollen?

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