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Nowitzki im Interview „Ich will den Meisterschaftsring haben“

07.11.2006 ·  Dirk Nowitzki im F.A.Z.-Interview über den mißlungenen Saisonstart der Dallas Mavericks in der NBA, die neue Rolle als Gejagte, die Parallele zu Bayern München und seine Stellung in der Mannschaft.

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Dirk Nowitzki im F.A.Z.-Interview über den mißlungenen Saisonstart der Dallas Mavericks und die neue Rolle als Gejagte.

Drei Niederlagen in drei Spielen, darunter die traurige Vorstellung in Houston. Wie sehr schmerzt dieser Fehlstart in die neue NBA-Saison?

Gerade gegen die Houston Rockets war unser Auftritt am Schluß schon sehr peinlich. Aber in einer langen Saison sind immer ein paar derartige Schlappen dabei. Auch in der vergangenen Spielzeit, als wir ins Finale gekommen sind, erinnere ich mich bei den 22 Niederlagen an Begegnungen, in denen bei uns einfach nichts lief. Und dann verlierst du schon mal mit 25 oder 30 Punkten. Das war leider jetzt in Houston wieder der Fall.

Wie kann man auf einen derart schwachen Saisonstart reagieren? Härter trainieren?

Nein, das geht nicht. Wir haben diese Woche gleich vier Spiele. Da werden wir uns viele Filme mit unseren Fehlern anschauen, Videos analysieren, um uns so zu verbessern. Ich glaube nicht, daß man zu diesem Zeitpunkt mit einem Straftraining etwas besser machen kann. Das geht bei so vielen Begegnungen nicht. Die ersten Saisonspiele haben gezeigt, daß wir noch einen langen Weg vor uns haben. Ich glaube, es ist ein Riesenunterschied zu der vorigen Saison, als wir die Jäger waren. Jetzt sind wir die Gejagten.

Woran macht sich das konkret auf dem Spielfeld bemerkbar?

Ich glaube, alle Mannschaften spielen einfach jetzt besser gegen uns, sie sind motivierter. Es ist wie in der Fußball-Bundesliga, wenn Bayern München antritt. Da ist jeder noch mal eine Nummer angespannter, und man freut sich, wenn man den Favoriten schlägt. Deshalb wird es ein sehr schweres Jahr. Überall auswärts werden die Zuschauer gegen uns brüllen, um die Heimmannschaft zum Sieg zu führen.

Das Problem der Mavericks war bislang immer die Defensivarbeit. Nach einer enormen Steigerung in der vergangenen Saison scheint jetzt der alte Schlendrian wieder zurückgekehrt zu sein. Welche Gründe hat das?

Als Mannschaft muß man an einem Strang ziehen. Das haben wir letzte Saison sehr gut gemacht, in den richtigen Phasen haben wir gut verteidigt. Das müssen wir dieses Jahr auch lernen. Wir haben einige neue Spieler, die sich an das System erst noch gewöhnen müssen. Devean George ist leider die ersten Partien mit einer Lebensmittelvergiftung ausgefallen, und er ist mit Sicherheit eine Verstärkung für uns. Insgesamt glaube ich schon, daß wir von der Tiefe her eine der besten Mannschaften der Liga sind. Am Schluß werden wir hoffentlich wieder mit oben dabeisein. Aber es ist im Moment halt schwer zu sehen.

Es war ein anstrengender Sommer für Sie. Finalteilnahme in der NBA, danach die Weltmeisterschaft mit der deutschen Nationalmannschaft in Japan. In welcher körperlichen Verfassung fühlen Sie sich momentan?

Das Wichtige war für mich der September. Da konnte ich nach der WM in Japan noch einmal zwei, drei Wochen relaxen. Ich war daheim in Würzburg und habe mich von meiner Mutter verwöhnen lassen. Und es war auch unheimlich wichtig, daß ich vom Basketball einmal abschalten konnte. Ende September habe ich dann wieder leicht trainiert, bin nach Dallas geflogen, um die volle Vorbereitung mitzumachen. Der Oktober zieht sich immer – bedingt durch die Trainingscamps – sehr in die Länge. Ich habe mich sehr gefreut, daß die Saison vergangene Woche endlich wieder losging.

Haben Sie den Juni mit der bitteren Finalniederlage gegen die Miami Heat bereits ganz verarbeitet?

So richtig abhaken werde ich dieses Erlebnis wohl nie in meiner Karriere. Wir hatten eine Riesenmöglichkeit, uns die Trophäe zu holen, und waren so nah dran wie nie vorher. Das ist nach wie vor ein hartes Brot, daran werde ich auch weiterhin noch knabbern. Ich hoffe natürlich, daß wir so schnell wie möglich noch mal ins Finale kommen. Am besten gleich in dieser Saison, damit wir das Ganze aus unserem Gedächtnis streichen können. Wenn ich in meiner Karriere den NBA-Meisterschaftsring nicht mehr holen werde, dann wird das verlorene Finale wohl bis ans Ende meines Lebens in meinem Kopf bleiben.

Die Dallas Mavericks haben weitere Leistungsträger wie Jason Terry und Josh Howard behalten und die Mannschaft gezielt verstärkt. Wie sehen Sie die Chancen, den Titel in dieser Saison nach Dallas zu holen?

Ich denke, alles ist offen. In den vergangenen Jahren waren die San Antonio Spurs immer der große Favorit. Wir haben in den zurückliegenden Play-offs gezeigt, daß die Truppe um Tim Duncan durchaus schlagbar ist. Die haben zwar nach wie vor eine Riesenmannschaft und zählen zu den Favoriten, aber die Miami Heat, Phoenix Suns und L.A. Clippers sind ebenfalls zu beachten. In der Western Conference wird es in jedem Fall ein enges Rennen um die Play-off-Plätze bis ganz zum Schluß geben.

Es gibt in der NBA in dieser Saison einige Veränderungen. Die wichtigste ist wohl der Kunststoffball, der die Lederversion abgelöst hat. Es gibt viel Kritik. Wie lautet Ihr Urteil?

Der neue Ball gefällt mir eigentlich nicht so. Er fühlt sich einfach in der Hand komisch an, nicht so elegant wie der Lederball. Damit habe ich die vergangenen acht Jahre in der NBA gespielt, und natürlich gewöhnt man sich daran. Es ist jetzt schon eine drastische Veränderung, aber wir sind alles Profis und werden uns auch mit dem neuen Spielgerät anfreunden. Wenn man sich die ersten Saisonspiele anschaut, dann ist im Endeffekt kein großer Unterschied zu erkennen.

Sie sind in Ihre neunte NBA-Saison gestartet. Geht man den Job als Routinier anders an?

Eigentlich nicht. Man ist halt erfahrener. Als ich mit zwanzig Jahren in die NBA kam, da war alles neu für mich. Ich wußte nicht so richtig, wie ich mich verhalten sollte. Mittlerweile habe ich natürlich schon alles mitgemacht, habe alles gesehen in der Liga. Man kennt das Drumherum. Das Zusammenspiel mit den Medien ist zum Beispiel aus meiner Sicht sehr viel besser als noch am Anfang. Ich mache das, was ich schon immer getan habe, und gehe mit gutem Beispiel voran, auf dem Spielfeld und außerhalb des Spielfelds. Es ist nicht so, daß ich in der Umkleide groß der Wortführer bin. Das machen andere. Wenn mir aber etwas auffällt, dann bringe ich es schon an und vermittle auch als Kapitän. Aber das Wichtigste ist für mich, daß es nach wie vor noch Spaß macht, jeden Abend auf dem höchsten Level gegen die besten Spieler der Welt anzutreten. Das ist der größte Kick, den ich haben kann.

Haben Sie außer dem Gewinn der Meisterschaft noch weitere Ziele?

Nein, es ist und bleibt die Meisterschaft. Mein Ziel wird sich nicht mehr ändern. Wir sind so nah dran gewesen und haben uns jetzt doch gut verstärkt. Auf der Flügelposition sind wir besser besetzt, wir haben einen dritten Aufbauspieler und mit Austin Croshere einen guten Schützen von außen. Trotz des Fehlstarts – wir werden wieder ganz oben mitspielen und diesmal am Ende hoffentlich die Trophäe in den Händen halten.

Das Gespräch führte Stefan Liwocha.

Quelle: F.A.Z.
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