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Novak Djokovic Keine Angst vor nichts

03.07.2011 ·  Es schien ausgemacht, dass Novak Djokovic der ewige Kronprinz hinter Rafael Nadal und Roger Federer bleiben würde. Nun sichert er sich Platz eins der Weltrangliste - und will am Sonntag gegen Nadal auch noch in Wimbledon gewinnen.

Von Peter Penders, London
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Dass Novak Djokovic in diesem Jahr ganz hoch hinaus will und vielleicht nur noch der Himmel seine Grenze ist, war spätestens schon im Frühjahr kein Geheimnis mehr. Sein Schlägerhersteller Head zeigte da einen neuen Werbeclip, im dem der Serbe auf dem oberen Flügel eines alten Doppeldeckers festgeschnallt wird und dort mit einem Partner in luftiger Höhe ein paar Bälle schlägt. Diese Trickszene hatte eine Botschaft, die jeder verstehen konnte: Dieser Djokovic hat vor nichts mehr Angst. Und ein glänzender Schauspieler ist er ohnehin, das wusste die Tennisszene schon, seit er einst als Imitator großer Stars die Zuschauer bestens unterhalten hatte.

Am Freitag war „Nole“, wie der Serbe überall gerufen wird, endgültig ganz oben angekommen. „Das ist einer der wichtigsten Tage in meinem Leben“, sagte er, und vermutlich wird soviel auf einmal auch nicht mehr so schnell zusammenkommen. Denn mit seinem Halbfinalsieg über den unberechenbaren Federer-Bezwinger Jo-Wilfried Tsonga erfüllte sich Djokovic nicht nur den Kindheitstraum von einem Wimbledon-Finale, er wird am Montag auch unabhängig vom Ausgang dieses Endspiels gegen den Titelverteidiger und bisherigen Branchenführer Rafael Nadal (FAZ.NET-Wimbledon-Liveticker) auf den ersten Platz der Weltrangliste vorrücken. „Das ist einer der Momente, die man mit Worten nicht beschreiben kann“, sagte der Serbe.

Es gab schließlich Zeiten, da schien es ausgemacht, dass Djokovic der ewige Kronprinz hinter Rafael Nadal und Roger Federer oder hinter Roger Federer und Rafael Nadal bleiben würde. An beiden war für ihn zunächst kein Vorbeikommen, mochte er im Januar 2008 auch mit seinem Sieg bei den Australian Open alle überrascht haben. Da aber litt Federer bei seiner Halbfinalniederlage gegen Djokovic schon unter den Folgen einer später diagnostizierten Drüsenerkrankung, und Nadal war an einem wie im Rausch aufspielenden Tsonga gescheitert. „Es war sehr schwierig danach, denn ich habe die wichtigen Spiele gegen die beiden bei großen Turnieren immer verloren“, sagt Djokovic.

„Der Sport kann da vieles verändern“

Nicht dass ihm die Klasse fehlte, um mit den beiden Protagonisten mithalten zu können. Djokovic mangelte es vor allen an der körperlichen Robustheit, um in diesen Partien auf höchstem Niveau sein Level über mehrere Stunden halten zu können. „Ich gebe zu, ich habe deswegen manchmal an mir gezweifelt, aber letztlich war der Glaube daran, dass meine Zeit kommen würde, doch immer stärker“, sagt der mittlerweile 24 Jahre alte Serbe.

Ausgerechnet der Wettbewerb, den viele Stars mitunter meiden, weil er ihnen zu viel Energie raubt, bewirkte bei Djokovic das komplette Gegenteil. Niemand konnte stolzer sein, als er es war an diesem Dezembertag im vergangenen Jahr in Belgrad. Serbien hatte im Finale gegen Frankreich erstmals den Davis Cup gewonnen, noch dazu vor eigenem Publikum. Die Erwartungen waren immens gewesen, aber das Team und vor allem Djokovic hatten diesem Druck stand gehalten. „Viele können sich gar nicht vorstellen, was dieser Sieg für unser Land bedeutet hat. Wir hatten diesen schrecklichen Krieg, wir haben harte Zeiten hinter uns und noch immer nicht überwunden, und wir haben ein schlechtes Image. Der Sport kann da vieles verändern“, sagte Djokovic, der in allen Davis-Cup-Partien unbesiegt geblieben war.

Obwohl seine Saison länger gedauert hatte, war er danach körperlich stärker denn je in das neue Jahr gegangen. Der Adrenalinschub von Belgrad wirkte lange nach, die letzten Zweifel, ob er auf der ganz großen Bühne mit Nadal oder Federer würde mithalten können, waren verschwunden. Er holte sich in Melbourne seinen zweiten Grand-Slam-Titel, und wo er danach auch hinfuhr, er reiste stets mit dem Siegerpokal wieder ab. „Was er in den vergangenen sechs Monaten geleistet hat, ist für alle beeindruckend. Ich hatte ein gutes erstes Halbjahr, aber seines war phänomenal. Man kann ihm dazu nur gratulieren“, sagt Nadal, der in vier Endspielen gegen Djokovic antrat – und viermal verlor.

„Nummer eins das Ziel, Wimbledon der Traum“

„Ich bin so gut geworden, weil die beiden anderen so gut waren“, sagt Djokovic. „Die beiden waren so konstant erfolgreich. Sie geben einem nicht viele Chancen, zu ihnen aufzuschließen.“ Nun ist er an ihnen sogar vorbeigezogen, und dazu war eine Siegesserie der besonderen Art nötig, die der Serbe mit einem Lächeln beschreibt. „Ich musste nicht viel mehr tun, als in sieben Monaten nur ein einziges Spiel zu verlieren.“ Doch auch diese Partie, das Ende seiner Siegesserie von 43 Spielen im Halbfinale der French Open gegen Roger Federer, hinterließ Spuren im Pariser Sand: Etwas Besseres war auf dem Court Philippe Chatrier vermutlich noch nie dargeboten worden.

Seit Djokovic wegen einer festgestellten Glutenunverträglichkeit seine Ernährung umgestellt hat, ist er noch drahtiger geworden, bewegt sich besser und schneller als so gut wie alle Konkurrenten über den Platz. Nur Nadal kann in dieser Beziehung noch mithalten, und deswegen wird das Endspiel an diesem Sonntag eine Auseinandersetzung der ganz besonderen Güteklasse. „Ich bin bereit“, sagt Djokovic, doch für ihn geht es nicht darum, beweisen zu müssen, dass er es verdient, Nadal von Platz eins zu verdrängen. „Es war immer mein Ziel, die Nummer eins der Welt zu werden“, sagt er, „aber in Wimbledon zu gewinnen, das war immer mein Traum.“

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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