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Novak Djokovic Glutenfreier Gladiator

 ·  Keiner schlägt Novak: Djokovic bezwingt in Rom Nadal zum zweiten Mal in nur acht Tagen. Der Serbe bleibt unbesiegt in diesem Jahr und wird nun als Favorit der French Open gehandelt.

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Vor ein paar Wochen wurde Novak Djokovic bei einem Fototermin in Kalifornien in eine römische Rüstung gesteckt, und er machte darin eine ziemlich gute Figur. Aber mittlerweile ist klar, dass er keinen Schutz aus Metallplatten braucht, um wie ein Gladiator auszusehen. Es war einfach kolossal, wie er am Wochenende im Foro Italico zu Rom zunächst den Schotten Andy Murray in einem grandiosen Spiel niederrang und nur 20 Stunden später zum zweitenmal innerhalb von acht Tagen gegen Rafael Nadal gewann (6:4, 6:4). Der Triumph im Finale der Internazionali d’Italia war der 37. Sieg nacheinander des Serben in diesem Jahr beim insgesamt siebten Titelgewinn. Und Nadal sprach aus, was offensichtlich ist: „Er spielt seit Monaten in einer eigenen Liga.“

Gab es tatsächlich mal eine Zeit, in der Djokovic den Ruf hatte, nicht genug Biss zu haben, im Wettbewerb mit Federer und Nadal nicht dauerhaft stark genug zu sein? Man kann es sich kaum noch vorstellen. Nicht er steckt in einer Rüstung, sondern die Rüstung steckt in ihm; es ist die Wirkung jenes Selbstbewusstseins, das mit jedem Sieg ein bisschen größer wird. Viermal stand er am Ende der drei mitreißenden Stunden gegen Murray am Rande einer Niederlage, als dem Schotten jeweils nur noch zwei Punkte zum Sieg fehlten.

Aber Djokovic wich in keiner Situation nur einen Millimeter zurück, obwohl er sichtlich angeschlagen war, und er gewann zur Begeisterung des Publikums im Tiebreak des dritten Satzes. Und alle dachten, dass er nach dieser Anstrengung nicht mehr Kraft genug für eine abermalige Begegnung mit dem vergleichsweise ausgeruhten Nadal haben würde, der schon Stunden zuvor gewonnen hatte.

Von wegen. Wie schon eine Woche zuvor beim Sieg im Finale von Madrid war Djokovic nicht zu bremsen. In der Defensive gehörte er in den vergangenen Jahren dank seiner großartigen Beinarbeit schon immer zu den Besten, aber mittlerweile wechselt er scheinbar mühelos in wenigen Sekunden von der Defensive in die Offensive und riskiert fast aus jeder Lage einen Schuss. Seine Vorhand ist um Klassen besser als früher, mit dem Aufschlag macht er mehr Druck, und er ist durch nichts und niemanden zu erschüttern. Nadal war es, der bisweilen Frust und Enttäuschung zu erkennen gab, Djokovic strotzte selbst mit reduzierter Kraft vor Energie.

Pizza, Pasta, Brot sind gestrichen

Wenn das alles mit der umgestellten Ernährung zu tun hat – der inzwischen ins Team integrierte Doktor Igor Cetojevic fand heraus, dass Djokovic allergisch auf Gluten reagiert, woraufhin Pizza, Pasta und Brot aus dessen Speiseplan gestrichen wurden –, dann sollte man sich überlegen, es auch mal ohne Gluten zu probieren. Er habe zwar Gewicht verloren und fühle sich leichter und beweglicher mit der veränderten Ernährung, sagte er dazu in Rom, aber das allein sei nicht die Erklärung für seine unglaubliche Serie in diesem Jahr. „Ich bin als Mensch und Spieler erwachsen geworden. Das Puzzle passt jetzt zusammen.“

Seit seiner letzten Niederlage Ende November im Halbfinale der ATP World Tour Finals in London (gegen Roger Federer) ist fast ein halbes Jahr vergangen. Mit dem rauschenden Wochenende Anfang Dezember, an dem er mit seinen Serben in Belgrad den Davis Cup gewann, begann die Serie, die nun bei 39 Siegen insgesamt und bei 37 in diesem Jahr steht. Und nicht nur auf die Zahlen kommt es an. 13 der 37 Spiele gewann er gegen Konkurrenten aus den Top Ten, darunter drei gegen Roger Federer und vier gegen Nadal, auf den amerikanischen Hartplätzen von Indian Wells und Miami und im Sand von Madrid und Rom.

Nadal: „Ich bin die Nummer zwei“

Und daraus ergibt sich eine Konstellation, die vor einem Jahr noch völlig undenkbar erschienen war. Wenn nächsten Sonntag in Paris die French Open beginnen, dann heißt der Favorit diesmal nicht Rafael Nadal, sondern Novak Djokovic, selbst in Anbetracht der Tatsache, dass bei einem Grand-Slam-Turnier auf drei Gewinnsätze gespielt und die Sache damit noch anstrengender wird. „Es gibt einen, der im Moment alles gewinnt“, sagt Nadal. „Ich bin Nummer zwei.“ Djokovic nimmt es zur Kenntnis und widerspricht. „Ja, ich hab jetzt in acht Tagen zwei Spiele gegen Rafa gewonnen, das ist unglaublich und macht mich noch zuversichtlicher für die French Open. Aber er ist der König auf Sand – der Beste, der je auf diesem Boden gespielt hat.“

Aber vielleicht wiederholt sich die alte Geschichte aus dem Jahr 1984. Damals machte sich der Amerikaner John McEnroe ohne eine einzige Niederlage in jenem Jahr auf den Weg nach Paris, und dessen Serie (42 Siege) hielt bis zum Finale. Dann verlor er, als großer Favorit. Im aktuellen Fall preist Nadal den Konkurrenten für dessen Serie, aber er sagt auch: „Das wird nicht ewig so weitergehen, weil es nicht möglich ist.“ Denn Gluten hin, Gladiator her – am Ende siegt immer die Mathematik.

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