05.03.2010 · Das deutsche Not-Quartett hat kaum noch eine Chance im Davis-Cup-Duell in Frankreich. Nach den beiden Einzel-Niederlagen am ersten Tag ist das Achtelfinal-Aus in Toulon kaum noch abzuwenden.
Von Wolfgang Scheffler, ToulonDas deutsche Davis-Cup-Team steht schon nach dem ersten Tag mit dem Rücken zur Wand. Der Augsburger Philipp Kohlschreiber verlor das Auftakteinzel der Erstrundenbegegnung in Toulon gegen den Franzosen Gael Monfils nach 2:44 Stunden 1:6, 4:6 und 6:7 (5:7) – ein bitterer Start für den Außenseiter. Im zweiten Einzel unterlag Benjamin Becker dem französischen Spitzenspieler Jo-Wilfried Tsonga 3:6,
2:6, 7:6 (7:2), 3:6.
Kapitän Patrik Kühnen hatte schon vor dem Duell mit der französischen Weltklassemannschaft alle Hoffnungen auf einen Coup von Kohlschreiber gesetzt, auch wenn die interne Bilanz für Monfils (2:0) und die Weltranglistenpositionen für die Gastgeber sprachen: Monfils Fünfzehnter, Kohlschreiber Dreißigster. Aber während Kohlschreiber in diesen Länderkämpfen häufig über sich hinaus wächst und sich eine eindrucksvolle Einzelbilanz von sieben Siegen bei nur drei Niederlage erspielt hatte, galt der Wahl-Schweizer Monfils als Wackelkandidat in seinem Team. Bei seinem einzigen Einzeleinsatz für die Equipe Tricolore hatte er im Vorjahr enttäuscht, als er gegen den Niederländer Thiemo De Bakker in vier Sätzen verloren – und das auf seinem Lieblingsboden rotem Sand.
Aber im Palais des Sports der Hafenstadt am Mittelmeer war auf dem „mittelschnellen“ Hallenboden bei dem 23-jährigen Sohn eines ehemaligen Fußballprofis aus Guadeloupe nichts von Nervenschwäche zu sehen. Vor allem mit seinem Aufschlag dominierte der 1,93 Meter große Franzose die Partie. Die Statistik machte am Ende den Unterschied zwischen dem schlaksigen Franzosen und dem einen Kopf kleineren Deutschen deutlich. Monfils erspielte sich mit seinen über 200 Kilometer in der Stunde schnellen Aufschlägen jede Menge, wie es im Jargon der Branche heißt, „freie Punkte“. Die Statistik wies am Ende für Monfils 15 Asse und 26 Service-Winner aus. Kohlschreiber Aufschlag blieb dagegen harmlos. Seine Bilanz: fünf Asse, zwölf Service-Winner.
Kohlschreiber nutzt Chancen nicht
Dass Kohlschreiber dennoch in dieser phasenweise hochklassigen Partie Monfils in den Sätzen zwei und drei ein ebenbürtiger Gegner war, spricht für den Kampfesmut und das grandiose Schlagrepertoire des Deutschen, der vor allem mit seiner einhändig geschlagenen Rückhand punktete und mit mutigen Netzattacken beeindruckte. Nachdem er im ersten Satz nur sechs Punkte gegen den Aufschlag des Gegners gewann, kam er mit zunehmender Spielzeit immer besser ins Spiel.
Im zweiten Satz führte er 3:0 und 4:2, im dritten Satz holte er einen 2:4-Rückstand auf, im Tiebreak des dritten Satzes ließ er sich von einem schnellen 0:3-Rückstand nicht entmutigen. Aber am Ende gab das Ergebnis einer alten Tennis-Weisheit Recht: Im Tiebreak ist der bessere Aufschläger im Vorteil.