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NHL Chicago Blackhawks gewinnen Stanley-Cup

 ·  Boston führt im sechsten NHL-Finalspiel kurz vor Schluss mit 2:1 - alles sieht nach einem Entscheidungsspiel aus. Doch dann kassieren Seidenberg und sein Team zwei Tore binnen 17 Sekunden.

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© dpa Vergrößern Stanley-Cup-Sieger: Jonathan Toews, Kapitän der Chicago Blackhawks

Grausame 17 Sekunden für Eishockey-Star Dennis Seidenberg kurz vor Schluss: Als die Chicago Blackhawks auf dem Eis ihre Meister-Sause begannen, waren der deutsche Nationalspieler und seine Teamkollegen der Boston Bruins längst in ihrer Kabine verschwunden und trauerten dem leichtfertig verpassten Entscheidungsspiel hinterher. Keiner wollte nach dem Doppelschlag-Schocker kurz vor Schluss mitansehen, wie Blackhawks-Kapitän Jonathan Toews von Liga-Boss Gary Bettman den Stanley Cup überreicht bekam und ihn anschließend jubelnd in die Höhe reckte.

„Das ist eine ganz bittere Pille“, meinte ein sichtlich enttäuschter Seidenberg nach der entscheidenden 2:3-Niederlage in der Finalserie der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga NHL. Wie der Nationalspieler rangen alle in der Bruins-Kabine nach Worten, versuchten zu beschreiben, was da kurz zuvor auf dem Eis des TD Bank Garden passiert war. Torhüter Tuukka Rask sprach von einem „Schock“, Trainer Claude Julien von „einer der schwersten Niederlagen“.

Führung bis 76 Sekunden vor Schluss

Seine Bruins lagen in der Best-Of-Seven-Serie mit 2:3 hinten, mussten daher diese sechste Partie unbedingt gewinnen und hatten durch Tore von Chris Kelly (8. Minute) und Milan Lucic (53.) sowie einem Gegentreffer von Jonathan Toews (25.) bis 76 Sekunden vor Schluss auch mit 2:1 geführt. Selbst Chicagos Patrick Kane, der zum wertvollsten Spieler der Playoffs gewählt wurde, hob später hervor, dass er sich bereits auf ein siebtes Spiel am Mittwoch in Chicago eingestellt hatte.

Doch dann brachte Kane den Puck tief in Bostons Zone, konnte von Seidenberg an der Bande nicht entscheidend gestört werden. Über Duncan Keith und Toews kam die Hartgummischeibe zentral vor das Bostoner Tor, wo Bryan Bickel aus einem Meter mühelos zum 2:2 einschob. „Innerlich bereitest du dich dann auf die Verlängerung vor. Aber nur 17 Sekunden später schießen wir das 3:2. Das ist einfach unglaublich. Die Aufs und Abs waren Wahnsinn“, meinte Kane.

Dave Bolland avancierte mit seinem Treffer zu Chicagos Stanley-Cup-Helden. Nachdem Johnny Oduyas Schlagschuss von Michal Frolik abgelenkt wurde und an den Pfosten klatschte, drückte Bolland den Puck über die Linie. Sein Treffer nach 59:01 Minuten war das späteste Stanley-Cup-Siegtor in der regulären Spielzeit. Bolland war anschließend emotional so überwältigt, dass er die Schlussminute auf der Bank verfolgte. „Der Trainer wollte mich wieder auf’s Eis schicken, aber ich habe ihm gesagt, dass ich zu nervös sei und er mich doch draußen lassen solle“, erzählte der Stürmer.

Wie bei Manchester gegen München

Angesichts des denkwürdigen Doppelschlages fühlte sich der Slowake Michal Handzus spontan an das Champions-League-Finale von 1999 zwischen Bayern München und Manchester United erinnert. „Zwei Tore innerhalb einer Minute so kurz vor Schluss, so was habe ich mal beim Fußball gesehen. Aber nicht im Eishockey und schon gar nicht in einem so wichtigen Spiel“, bemerkte Handzus.

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