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NFL Europe Ein Zuschußgeschäft als Karrieresprungbrett

 ·  Die Europaliga ist ein Sprungbrett für Football-Talente sein, das Kleinverdiener made in Europe zu Großverdienern in der NFL befördert. Doch vor Saisonstart wird über das Ende der NFL Europe spekuliert.

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Die Frage quittierte Mike Jones mit einem Stoßseufzer. Was denn für ihn als Cheftrainer des Football-Profiklubs Frankfurt Galaxy wichtiger wäre, hatte ein Reporter jüngst von ihm wissen wollen: Spieler für die National Football League weiterentwickeln - oder den Titel, die World Bowl; zu gewinnen? "Da müßte ich jetzt eine Münze werfen", sagte der neue Headcoach des Titelverteidigers der NFL Europe League, die an diesem Samstag in ihre neue Saison startet.

Zwei Footballseelen wohnen nicht nur in der Brust des einstigen Offensive Coordinators des Ligakonkurrenten Düsseldorf Rhein Fire, der einen Karriereschritt gemacht hat und am Main Cheftrainer Doug Graber ablöste. Graber hatte einen hochdotierten Job beim NFL-Klub New York Jets dem in Frankfurt vorgezogen. Genau wie es sein Vorgänger Dick Curl getan hatte, der ebenfalls für die Jets arbeitet. Das Mutterunternehmen der Europaliga, die NFL, ist das Maß der Dinge für fast alle, die in der NFL Europe mitarbeiten.

Auch gestande Profis kommen nach Europa

Die Europaliga soll ein Sprungbrett sein, das Kleinverdiener made in Europe zu Großverdienern in der NFL befördert. Dort beziehen selbst Einsteiger für 17 Wochen Spiel- und Trainingsbetrieb ein Mindestgehalt von 200.000 Dollar. So hat der Deutsche Patrick Venzke, der als Verteidiger mit Frankfurt Galaxy in die Saison startet, 2001 bei den Jacksonville Jaguars mehr als 400.000 Dollar verdient, wurde aber in keinem Punktspiel eingesetzt.

In der NFL Europe spielen alle die, die es in der NFL noch nicht geschafft haben. In den Jahren, in denen NFL-Klubs zwangsverpflichtet waren, Spieler nach Europa zu entsenden, gab es etliche Vereine, die eigens für diesem Zweck Personal anheuerten, die Männer in der "Frühlingsliga" spielen ließen - und sie dann wieder feuerten. Diese Pflicht besteht inzwischen nicht mehr. Unter den Spielern, die bei Berlin Thunder, Düsseldorf Rhein Fire, den Cologne Centurions, Frankfurt Galaxy, den Amsterdam Admirals oder den Scottish Clamyores angeheuert haben, finden sich auch gestandene Profis, die schon Spielerfahrung in der NFL haben.

Des Geldes wegen kommt kein Amerikaner

Der Frankfurter Running Back Skip Hicks ist so einer. 26 Jahre alt, 1,83 Meter groß, 104 Kilogramm schwer- ein Kraftpaket. Ausgeliehen worden ist Hicks von den Cincinnati Bengals, vorher hat er für die Washington Redskins gestürmt. Andere Stationen von Hicks: Tennessee Titans, Chicago Bears, Carolina Panthers. Wer Footballprofi werden will, muß sich auf ein Nomadenleben einlassen. Zumindest in den Staaten ist das Schmerzensgeld dafür recht hoch, nicht so in Europa, wo die ohnehin mageren Spielergehälter in dieser Saison aufgrund der von den Ligaeigentümern verordneten Sparmaßnahmen gekürzt wurden.

Des Geldes wegen kommt kein Amerikaner über den Atlantik. Aber der Karriere zuliebe schon. Jake Delhomme, der Anfang Februar als Quarterback mit den Carolina Panthers im Superbowlfinale spielte, war gar nicht gerade begeistert, als er 1998 von seinem damaligen Verein, den New Orleans Saints, nach Europa geschickt wurde. Dort spielte er für die Amsterdam Admirals - als Ersatzmann für Kurt Warner. "Daß er es später einmal zum Superbowl-Champion schaffen würde, habe ich nicht einmal geahnt", sagt Delhomme über seinen Kollegen, der 1999 mit den St. Louis Rams die Trophäe der NFL gewann. "Mein erstes Jahr in Europa war eine Enttäuschung", erzählt Delhomme, der 1999 zu Frankfurt Galaxy kam, und dort gemeinsam mit Pat Barnes den Angriff leitete.

600.000 Dollar schickt jeder NFL-Klub über den Atlantik

Die Karrieren von Männern wie Delhomme und Warner sind inzwischen gute Argumente für Nachwuchsspieler, das Abenteuer Europa zu wagen. Die amerikanische Spielergewerkschaft, die einen Teil der Europaliga finanziert, hat aus naheliegenden Gründen ein gewisses Interesse daran, Jungprofis auch abseits der NFL auf die Sprünge zu helfen. Die anderen Finanziers kalkulieren nicht nur so. Die Eigentümer der 32 NFL-Klubs bezahlen einen großen Teil die Liga in Übersee - und legen seit Jahren drauf. Rund 600.000 Dollar pro Klub sind jährlich fällig, um das Projekt NFL Europe am Leben zu erhalten.

Wie in fast jedem Jahr wird auch 2003 vor dem Start der NFL Europe wieder über die Haltbarkeit der Liga spekuliert, und darüber, ob die Teameigentümer bei ihrer Tagung im Herbst vielleicht doch den Daumen senken könnten, um dem Zuschußgeschäft ein Ende zu bereiten.

TV-Vertrag entscheidet über Zukunft

Paul Tagliabue, der wichtigste Funktionär der NFL, gilt als Freund der Bestrebens, Football in die Welt außerhalb der amerikanischen Grenzen zu tragen. Im Mai kommt Tagliabue nach Deutschland. Schon jetzt kann man sicher sein, daß nach seinem Besuch wieder intensiv spekuliert wird. Bleibt die Liga? Wird sie ein durch und durch deutsches Unternehmen, eine Art "NFL Germany League"? Gibt es gar eine Expansion auf mehr als nur sechs Klubs? Entscheidend sein werden sicher die Verhandlungen über den neuen Fernsehvertrag der NFL. Der alte brachte der Liga über acht Jahre die Rekordsumme von 17,6 Milliarden Dollar ein und machte die NFL zum reichsten Verband der Welt. 2005 läuft der Kontrakt aus. Und daß man in New York nichts anderes als Zuwachsraten erwartet, ist kein Geheimnis.

In der NFL Europe sieht es mit dem Fernsehen etwas dürftiger aus. Erstmals gehen die deutschen Klubs ohne überregionale Berichterstattung im sogenannten Free-TV an den Start der Liga. Das Deutsche Sportfernsehen, das bislang zumindest zeitversetzt vom Ligageschehen berichtete, ist ausgestiegen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Jahrgang 1956, Sportredakteur.

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