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New York Knicks Jetzt oder nie

 ·  Die New York Knicks galten in der NBA als überbezahlte Versager. Nun hat Ego-Shooter Carmelo Anthony ruhige Nebenleute - und die einmalige Chance auf eine lange Play-off-Saison.

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© REUTERS Vergrößern Der beste sechste Mann der Liga: J.R. Smith von den New York Knicks (links)

Auf einem Körper mit mehr als hundert Tätowierungen gibt es nur noch wenig Platz für neue Motive, selbst auf dem eines Basketballspielers von 1,98 Meter Länge. Trotzdem hat Earl Joseph Smith III., den alle Welt nur unter den Initialen J. R. kennt, bereits ein Versprechen abgegeben. Der 27-Jährige will sich für den Fall, dass seine Mannschaft den Titel gewinnt, das Emblem des Klubs unter die Haut einträufeln lassen. Es ist nicht die erste überspannte Idee des kreativen, aber cholerischen NBA-Profis, der sich im Laufe der Jahre bis unter die Kinnlade hat dekorieren lassen. Unter anderem trägt er einen Michael Jordan im Flug zum Korb und einen schwarzen Jesus mit Dornenkrone mit sich herum. Bei Smith darf man mit allem rechnen. So wie vor ein paar Tagen in der ersten Play-off-Runde gegen die Boston Celtics, als er so tat, als ob er den Namen seines Gegenspielers Jason Terry nicht kenne. Einen Mann, dem er wenige Tage zuvor den Ellenbogen ins Gesicht geschlagen hatte. Für das Foul war er für eine Begegnung gesperrt worden.

Smith spielt erst seit anderthalb Jahren bei den New York Knicks - seine dritte Station in der Liga, in der er eine Jojo-artige Karriere voller Fehlstarts hingelegt hat. Aber hier, nur ein paar Kilometer von seiner Heimat in New Jersey entfernt, scheint erstmals alles zu passen. Seine Fähigkeiten als Distanzschütze und seine narzisstischen Bedürfnisse machen ihn zum idealen Turbolader, der von der Bank kommt und im Schnitt pro Abend 18,1 Punkte produziert. Eine beeindruckende Bilanz, die ihm vor kurzem die Auszeichnung „Sechster Mann des Jahres“ eintrug. Von den fünf Knicks, die ihm den Platz in der Startaufstellung streitig machen, vermag er an guten Abenden eigentlich jedem das Wasser zu reichen. Außer dem Star der Mannschaft: Carmelo Anthony. Auch der hat - in Brooklyn geboren - in New York ein Heimspiel, nachdem er die ersten sieben Jahre seines Profidaseins in der Basketball-Diaspora in Denver verbrachte. Und auch der trägt Tätowierungen wie eine Tapete, dazu gehört sein Spitzname „Melo“ auf dem linken Arm, gleich über einem Basketball in Flammen.

Stoudemire ist der Joker im Ärmel

Das Problem einer NBA-Mannschaft, in der ein hochbegabter und extrem teurer Egomane wie Anthony im Mittelpunkt steht: die richtige Mischung aus fähigen Nebenleuten zu finden, die nicht viel kosten und dem Ego-Shooter (27,8 Punkte pro Spiel in der abgelaufenen Saison, der beste Wert in der Liga) nicht den Ball streitig machen. Der Versuch zeigt vielversprechende Resultate. Auch dank Smith. Die Knicks haben zum ersten Mal seit 2000 die zweite Runde der Play-offs erreicht. Allerdings lief die erste Begegnung gegen die Indiana Pacers am Sonntag vor eigenem Publikum nicht nach Plan. Anthony, der mit Schmerzen in der Schulter spielte, handelte sich früh zu viele Fouls ein. Die Pacers gewannen mit 102:95 relativ sicher.

Theoretisch haben die Knicks aber eine Art Joker im Ärmel. Das hängt allerdings davon ab, ob der wuchtige Power Forward Amar’e Stoudemire in dieser Woche wieder fit genug sein wird, um in die Best-of-Seven-Serie einsteigen zu können. Stoudemire fehlt seit März wegen eines Eingriffs am Knie und könnte nicht nur Anthony helfen, sondern auch Center Tyson Chandler, der gegen die Pacers unter dem Korb alle Hände voll zu tun hatte und früh mit sechs Fouls ausschied.

Den Titel will niemand versprechen

Chandler ist zusammen mit Aufbauspieler Jason Kidd eines der Versatzstücke der Knicks, die man von der Meistermannschaft der Dallas Mavericks 2011 geerbt hat. Dirk Nowitzkis Team hatte sie ziehen lassen - Chandler verlangte zu viel Geld, Kidd galt mit 40 Jahren als zu alt. Die Strategie der Knicks bestand lange Zeit darin, mit hohen Geboten vielversprechende Spieler nach New York zu locken. Das blähte zeitweilig das Gehaltsbudget für den 15 Mann starken Kader auf mehr als 120 Millionen Dollar auf - die Millionen für renommierte Trainer und deren Abfindungen sowie die Luxussteuer, die an ärmere NBA-Klubs verteilt wird, gar nicht gerechnet. Das Dumme: Es brachte keinerlei sportliche Erfolge. Auch die Verpflichtung von Amar’e Stoudemire 2010 entsprang noch dem alten Denken.

Doch wenig später kamen die Verantwortlichen auf einen anderen Plan. Sie tauschten eigene Spieler gegen die von anderen Teams. Das funktionierte, als Anthony, einer der besten Korbschützen des Landes, in die Stadt kam; und mit Tyson Chandler ein alerter Blocker und Rebounder von der Statur eines Laternenmastes. Diese sogenannten Trades kamen unter anderem auch deshalb zustande, weil das Knicks-Management eine Hypothek auf die Zukunft der Mannschaft aufnahm. Im Tausch gegen die Profis gab es eine ganze Reihe von Draft-Picks her (Zugriffsrechte bei der Auswahl junger Spieler). Alles nach dem Motto: Jetzt oder nie.

Den dadurch entstandenen Erwartungen weicht Carmelo Anthony gerne aus. Vielleicht auch, weil er auf dem Weg zum Titel Miami Heat mit LeBron James schlagen müsste. Das scheint zu viel verlangt. Die Meisterschaft? „Das kann ich nicht versprechen“, sagte er neulich: „Versprechen werden nie gehalten.“ Auch J. R. Smith käme so aus seiner Selbstverpflichtung heraus.

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07.05.2013, 08:46 Uhr

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