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Neuer Handball-Bundestrainer : Große Fußstapfen für Prokop

  • -Aktualisiert am

Trotz spätem Ausgleich glücklich: Christian Prokop bei seinem Debüt als Nationaltrainer Bild: dpa

Deutschlands neuer Handball-Bundestrainer startet ohne Sieg. Dennoch sind alle glücklich. Schon jetzt wird klar: Prokop will anders sein als Vorgänger Sigurdsson.

          Die Ergebnisse seiner ersten beiden Spiele als Handball-Bundestrainer waren gleichgültig. Was zählte, war das Signal, das Christian Prokop an seine hochbelasteten Spieler und deren im Champions-League-Stress steckenden Klubs sendete: Ich sehe eure Sorgen! Mitte vergangener Woche hatte Prokop sieben Profis für die beiden unwichtigen Test-Länderspiele gegen Schweden freigegeben.

          In der kontinentalen Meisterklasse stehen die Achtelfinalpartien an. Und deswegen durften die Kieler Andreas Wolff, Rune Dahmke und Patrick Wiencek genauso pausieren wie Patrick Groetzki und Hendrik Pekeler von den Rhein-Neckar Löwen sowie Kielces Tobias Reichmann und Nationalmannschafts-Kapitän Uwe Gensheimer aus Paris. Prokops Rücksicht kam bei Klubs wie Spielern sehr gut an. Wer in der Saison bis zu 80 Partien mit vollem Einsatz absolvieren muss, kann auf Testspiele mit beschränktem Wert gut verzichten. Schade nur, dass Prokops Einstand deshalb danebenging – betrachtet man allein die Resultate: nach dem 25:27 am Samstag in Göteborg spielten die neuformierten Deutschen am Sonntagabend in Hamburg 25:25 gegen Schweden.

          Prokop hat seinen Antrittsbesuch vor beeindruckender Kulisse und bei großem Medieninteresse hinter sich gebracht. Nervös wirkte er dabei nicht, eher zupackend, begeisterungsfähig. Und zuversichtlich. Wichtige erste Erfahrungen waren das für seinen Job beim Deutschen Handballbund (DHB), der im Idealfall bis 2022 läuft und mit dem WM-Titel 2019 und Olympia-Gold ein Jahr später garniert werden soll. „Es sind große Fußstapfen, in die ich trete“, sagt der Nachfolger Dagur Sigurdssons.

          Test ohne Erkenntnisgewinn

          Sportlich gesehen konnte er keinen Nutzen aus den beiden Partien ziehen – zwar ist die Gruppe deutscher Nationalspieler dank guter Nachwuchsarbeit in den Klubs und im Verband groß. Doch wenn neun Stammkräfte fehlen – Torwart Silvio Heinevetter und Kreisläufer Jannik Kohlbacher waren erkrankt –, entsteht zwangsläufig eine DHB-Auswahl, die so nie wieder zusammenspielen wird. Zudem wird der 38 Jahre alte Prokop Fingerspitzengefühl aufbringen müssen, wenn er den Kader für das EM-Qualifikationsspiel gegen die starken Slowenen am 3. Mai benennt. „Es wird eine große Herausforderung, wenn die anderen wieder dabei sind“, sagte er. Etwas anders formuliert: So richtig geht es für ihn erst im Mai los, wenn die Stars zurückkommen und es um etwas geht.

          Zu einem Sieg konnte Prokop seine Faust zwar noch nicht strecken, dennoch war das Debüt angesichts der zahlreichen Fehlenden ansehnlich.
          Zu einem Sieg konnte Prokop seine Faust zwar noch nicht strecken, dennoch war das Debüt angesichts der zahlreichen Fehlenden ansehnlich. : Bild: dpa

          Die Matches gegen Schweden waren vor zwei Jahren vereinbart worden. Damals ahnte niemand den Handball-Höhenflug unter Sigurdsson, den Prokop nun fortsetzen soll. Insofern war der Termin inmitten der heißen Phase nur unglücklich, nicht von Verband und Liga selbst verschuldet. DHB-Präsident Andreas Michelmann und sein „Vize“ Bob Hanning wussten natürlich, dass sie Prokop trotzdem einen Stotter-Start verschafft hatten, und hielten sich mit Kritik zurück – wie sollte es anders sein, sie haben lange um ihren Wunschtrainer gekämpft und seinem Klub SC DHfK Leipzig eine satte Ablöse gezahlt.

          „Man merkt, dass es passt“, sagte Hanning, „das war eine gute Woche.“ Michelmann lobte den Einsatz des No-Name-Teams und betonte, man habe den richtigen Trainer gefunden. Noch bis zum Saisonende wird Prokop die Leipziger trainieren. Dann kann er sich voll auf die erste Auswahl beim DHB konzentrieren. Ersetzen soll ihn beim SC übrigens Frauen-Bundestrainer Michael Biegler. Das ist ein offenes Geheimnis. Bieglers „Ladies“, im Dezember Gastgeberinnen bei der WM, probten ebenfalls und verloren beide Spiele gegen Schweden. Der erfahrene Coach soll Leipzig bis zum Dezember neben dem DHB-Team betreuen und ab 2018 dann ausschließlich. Kurios, wie viel sich im deutschen Handball gerade um Leipzig dreht.

          Kommunikativer, anweisender als Sigurdsson

          Anders war schon jetzt vieles. Prokop ist gesprächiger als Sigurdsson. Er will auch mehr vorbereiten und vorgeben, als der Isländer es tat. Sigurdsson hatte die Kommunikation mit der Mannschaft auf ein Minimum beschränkt. Sich von ihm und seiner Art abzusetzen war ein Hauptanliegen Prokops in den Hamburger Tagen. „Man kann den Druck nicht wegdiskutieren, der auf mir lastet“, sagte er und wehrte sich dagegen, als Novize abgestempelt zu werden: „Ich bin seit 14 Jahren Trainer. Ich bin kein Neuling mehr.“

          Verändern will Prokop die deutsche Abwehr. Sigurdsson hatte auf das bewährte 6:0-System mit Abwehrchef Finn Lemke gesetzt. Unter Prokop soll die Defensive mutiger, variabler, offensiver agieren. Im Angriff setzt er auf noch mehr Systeme und Varianten. Von „mächtig viel Input in kurzer Zeit“ berichtete Spielmacher Niklas Pieczkowski, der bei Prokop in Leipzig spielt – und nun auch im DHB-Dress.

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          Quelle: F.A.Z.

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