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NBA Lieber gut abwehren als mehr angreifen

22.03.2005 ·  Der Trainerwechsel bei den Dallas Mavericks vor den Play-offs in der NBA scheint sich bezahlt zu machen. Die Texaner zeigten beim Sieg gegen die New Orleans Hornets ihre beste Saisonleistung.

Von Jürgen Kalwa, New York
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Wenn man als Basketballspieler ganze 1,79 Meter mißt, wird man unter den besten Spielern der Welt allzu leicht übersehen. Als Profi in der National Basketball Association ist Avery Johnson das eine ganze Weile so ergangen. Zehn lange Jahre saß er meistens auf der Bank. Oder im Flugzeug auf dem Weg zu einem anderen Team. Oder zu Hause auf der Couch vor dem Fernseher in der Hoffnung auf einen neuen Vertrag.

Spätestens seit Freitag muß sich der mittlerweile 39 Jahre alte Johnson keine Sorgen mehr machen, daß ihn jemand wegen seiner Körpermaße ignoriert. Seither ist der „kleine General“, wie er in seiner besten Zeit als Aufbauspieler in der Meistermannschaft der San Antonio Spurs genannt wurde, ein Feldherr mit allen Insignien. Sein offizieller Titel: Trainer der Dallas Mavericks. Sein Auftrag: die Mannschaft mit dem Würzburger Ausnahmetalent Dirk Nowitzki fit für die Play-offs zu machen, in denen das Team in den letzten Jahren meistens kläglich einbrach.

„Ein paar Dinge ändern“

Der ehemalige Aufbauspieler hatte nicht viel Zeit, seinen ersten Sieg in der ersten Begegnung seiner Cheftrainerkarriere am Samstag gegen die Charlotte Bobcats zu feiern. Ein spätes Abendessen mit seiner Frau Cassandra - das war alles. Für Sonntag nachmittag stand bereits eine ausgiebige Arbeitseinheit mit Videovorführungen auf dem Programm. „An unserem Spielsystem ist nichts falsch“, beschwichtigte er hinterher. „Wir müssen schlichtweg ein paar Dinge ändern. Subtile Dinge, die hoffentlich große Veränderungen nach sich ziehen.“

Ganz so subtil mag Dirk Nowitzki die „Dinge“ nicht empfunden haben. Denn ausgerechnet er, der Co-Captain und erfolgreichste Korbschütze der Mannschaft, bekam als erster zu spüren, auf welche Weise Johnson die Spieler zur Ordnung ruft: indem er sie nach einem kleinen Fehler, wie sie im Laufe eines Basketballmatches zigmal passieren, gnadenlos auf die Bank setzt. Und sei es 30 Sekunden nach Beginn der zweiten Halbzeit.

Nowitzki mit Langmut und Demut

Der Sechsundzwanzigjährige gab hinterher zu: „Ich habe meine Defensivaufgabe nicht erfüllt.“ Er hatte seinen Gegenspieler „zu nah herangelassen, und der hatte prompt einen Korb erzielt“. Während Nowitzki, ein Mensch, der mit zwei Mut-Komponenten gesegnet ist, die unter amerikanischen Profis Mangelware sind - Langmut und Demut -, 33 Punkte zum Sieg der Mavericks beisteuerte, zieht sein Kollege Michael Finley es vor, den überraschenden Trainerwechsel mitten in der Saison mit Schmollen zu kommentieren.

Am Samstag verschwand er durch die Hintertür aus der Umkleidekabine, in der Reporter vergeblich auf ihn warteten. Am Sonntag vor dem Training marschierte er einfach an den wartenden Journalisten vorbei.

Welche Gedanken Finley plagen, den letzten Maverick aus der Zeit vor Don Nelson, der 1997 die desolateste Mannschaft der NBA übernahm, sie radikal umformte und 1998 seine Karriere mit der Verpflichtung eines unbekannten Neulings aus Deutschland aufs Spiel setzte, ist schwer zu ermessen.

Schnelles Spiel, verwirrende Attacken

Der Zweiunddreißigjährige, zweifacher All-Star und Mitglied der amerikanischen Mannschaft, die sich 2002 bei der WM in Indianapolis blamierte, profitiert mit einem Jahresgehalt von 13 Millionen Dollar weit mehr von den Mavericks als das Team von ihm. Anstatt sich nach dem Verlust des kreativen Ballverteilers Steve Nash stärker in den Mittelpunkt zu spielen, nahm der Shooting Guard verletzungsbedingt mehrfach eine Auszeit.

Das hatte Nelson, ein Liebhaber von schnellem Spiel mit verwirrenden, aggressiven Attacken, noch kurz vor seinem Rücktritt dazu gebracht, sich Finley vorzuknöpfen: „Du bist da draußen für dein eigenes Wohlergehen verantwortlich“, hatte er Finley gesagt, „du mußt mit mehr Autorität auftreten.“

Den Willen aufzwingen

Pech für Finley: Mehr Vorwärtsdrang und mehr Würfe auf den Korb sind unter dem Regiment von Nelson-Nachfolger Avery Johnson nicht die entscheidenden Kriterien dafür, wie gut oder wie schlecht ein Spieler behandelt wird. Nun zählt Abwehrarbeit. Nowitzki signalisierte schon, daß er die erste Lektion verstanden hat.

„Unser Ziel muß sein, der anderen Mannschaft unseren Willen aufzuzwingen. Wir dürfen uns nicht durch die nächsten Begegnungen treiben lassen und glauben, wir könnten Mitte April einfach den Hahn aufdrehen. So funktioniert das nicht in dieser Liga.“

Die ersten beiden Spiele und damit auch die ersten beiden Siege unter Johnson gegen die Charlotte Bobcats und am Montag gegen die New Orleans Hornets lieferten allerdings noch keinen Maßstab, um den vermeintlichen neuen Schwung zu ermitteln. Die zwei Klubs gehören zu den schlechtesten in der NBA.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. März 2005
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