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NBA in Berlin Lahmer Schaukampf eines Sportimperiums

15.10.2008 ·  NBA-Profis aus New Orleans und Washington spielten in Berlin Basketball. Doch es ging nicht um Sieg und Niederlage, sondern um Präsenz und Marktanteile im Unterhaltungsgewerbe. Die Fans pfiffen auf den lahmen Schaukampf.

Von Michael Reinsch, Berlin
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Es waren zwei Mannschaften aus der nordamerikanischen Basketball-Liga (NBA), die in Berlin spielten; es waren Profis mit einigem Ruhm, die in der neuen O2-Arena von Berlin gegeneinander antraten, unter ihnen Chris Paul aus der siegreichen amerikanischen Olympiamannschaft von Peking.

Doch das sogenannte Pre Season Exhibition Match, das die New Orleans Hornets am Dienstagabend mit 96:80 Punkten gegen die Washingon Wizards gewannen, war kein NBA-Basketball. Es ging nicht um Sieg und Niederlage, sondern um Präsenz und Marktanteile im Unterhaltungsgewerbe. So präsentierten sich auch die Mannschaften auf ihrem Teil der Welttournee, mit der das Sportimperium NBA seinem Jahresumsatz von drei Milliarden Dollar einen substantiellen Zufluss aus Europa und Asien sichern will.

„Ich weiß nicht, ob die Leute gepfiffen und gebuht haben“

Ein Tross von zweihundert Menschen – darunter dreißig Basketballprofis und der Commissioner der Liga, David Stern – vertrat die Liga in Berlin und stieg für vier Tage in einem der besten Hotels der Stadt ab. Das Luxusquartier am Potsdamer Platz war eine deutlichere Aussage über die Bedeutung der NBA als das lahme Spiel am Dienstagabend nahe dem Ostbahnhof.

Ohne die verletzten Gilbert Arenas und Brendan Haywood, Juan Dixon und Nick Young und mit Antawn Jamison im dunklen Anzug auf der Bank statt im Spiel ließen die Wizards, obwohl sie in goldenen Trikots antraten, ausschließlich ihren Gegner glänzen. Mehr als fünf Minuten lang trafen sie keinen einzigen Wurf, und als sie endlich damit begannen, lagen sie schon 0:18 zurück. „Ich weiß nicht, ob die Leute gepfiffen und gebuht haben, weil wir nicht getroffen haben“, sagte Trainer Eddie Jordan über die erste Halbzeit, die mit Unmutsbekundungen und 24:61 Punkten zu Ende ging.

„Ich muss ihm so viel Ruhe verschaffen wie möglich“

Auf der anderen Seite bremste Trainer Byron Scott seinen Spielmacher Paul, der es mit seinen spektakulären Einsätzen allein im ersten und dritten Viertel auf 9 Punkte und 11 Assists brachte. Unter dem Jubel des Publikums warf er mehrmals den Ball einem zum Korb springenden Mannschaftskameraden zu, und dieser vollendet den Alley-Hoop – in einem echten Spiel eine Seltenheit. „Die Saison ist lang. Ich muss ihm so viel Ruhe verschaffen wie möglich“, sagte Scott über die Pausen des Publikumslieblings, die etwa Reservespieler Rasual Butler erlaubte, auf zwanzig Punkte zu kommen.

Wenn die beiden Teams am Freitag in Barcelona gegeneinander spielen, wird David Stern schon in China sein. „Wir besuchen gern Märkte“, sagte er, aus London kommend, in Berlin über seine Reiseziele. An der Themse hatten die New Jersey Nets und Miami Heat in einer Halle der Anschutz-Gruppe gespielt, die auch die Halle in Berlin gebaut hat und betreibt. Gemeinsam werden NBA und Anschutz in China voraussichtlich neun Sport- und Unterhaltungszentren bauen und betreiben, wie sie nun bekanntgaben.

42 NBA-Spieler waren bei Olympia in Peking dabei

Bereits im Januar hat die NBA gemeinsam mit fünf strategischen Partnern, unter ihnen der Fernsehsender ESPN, die NBA China gegründet. Stern wird in Peking eines der Spiele von Milwaukee Bucks und Golden State Warriors besuchen, mit denen seine Liga dort die Nachfrage nach amerikanischem Basketball gleichermaßen befriedigt und weckt.

In der NBA spiele die internationale Elite, sagte Stern in Berlin; 26 Spieler der ersten drei Teams bei den Olympischen Spielen seien NBA-Profis. Insgesamt hätten 42 Spieler aus seiner Liga in Peking mitgespielt, fünf seien Fahnenträger ihrer Olympiamannschaften gewesen, darunter der Deutsche Dirk Nowitzki. „Er soll weiter dafür sorgen, dass so viele deutsche Kids wie möglich Basketball spielen“, sagte Stern.

„Wir haben rechtzeitig Personal und Kosten reduziert“

Wahrscheinlich noch vor den Olympischen Spielen 2012 in London werde die NBA in Europa Punktspiele austragen, kündigte Stern an, wohl in London oder Berlin. Mit der Gründung einer europäischen Liga hat er es dagegen nicht eilig, fürchtet allerdings auch nicht die Konkurrenz europäischer Klubs. „Wir verteilen zwei Milliarden Dollar an die Spieler; das macht 60 Millionen pro Klub“, rechnete Stern vor. „Ich fürchte keine großen Fluchtbewegungen.“

Für die Auswirkungen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise sieht er sein Reich gerüstet. „Wir erwarten keinen Einbruch bei den Einnahmen“, sagte er. „Und wir haben rechtzeitig Personal und Kosten reduziert.“ Gingen die Leute weniger aus, erwartet Stern, verbrächten sie wohl mehr Zeit vor dem Fernsehgerät – und schalteten nach seinen Vorstellungen NBA-Basketball ein. In zwei Wochen beginnt in Amerika die Meisterschaft. Sie wird gewiss spannender als die Welttournee.

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Jahrgang 1958, Korrespondent für Sport in Berlin.

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