19.02.2007 · Die Auswahl der Western Conference um Dirk Nowitzki hat das All-Star-Game der NBA in Las Vegas mit 153:132 gewonnen. Dirk Nowitzki erzielte in seinen 16 Minuten Spielzeit neun Punkte. Erfolgreichster Werfer und wertvollster Spieler war Kobe Bryant.
Von Jürgen KalwaDie Veranstaltungsreihe begann vor mehr als einem halben Jahrhundert in schlecht ausgeleuchteten Hallen, in einer Zeit, als Basketball noch nicht von athletischen Entertainern betrieben wurde, die am liebsten bei jedem Sprung zum Korb einen donnernden Windmühlen-Dunk vorführen oder eine Vorlage zum Alley Oop verwandeln. 56 Jahre später muss eine Stadt schon etwas bieten, um mit den Showeinlagen der Spieler auf dem Platz mitzuhalten.
Vorhang auf für Las Vegas, wo Siegfried und Roy die Honneurs machten, der Schmalzbariton Wayne Newton „Viva Las Vegas“ sang und Showgirls auf hochhackigen Schuhen mit dem Allerwertesten wackelten. Und das alles nur im Vorprogramm. Denn Christina Aguilera und Toni Braxton sangen etwas später - in der Halbzeit. So rückte spätestens zu diesem Zeitpunkt beim 56. All-Star-Wochenende der NBA der Sport endgültig in den Hintergrund. Dass die Auswahl der Western Conference mit Dirk Nowitzki die Eastern Conference mit der immensen Punktzahl von 153:132 abfertigte und Kobe Bryant die Auszeichnung „Most Valuable Player“ erhielt, war zwar bemerkenswert. Aber vor allem deshalb, weil das Publikum die vielen attraktiven Darbietungen der Profis mit vergleichsweise wenig Lärm quittierte.
Eintrittskarten für 20.000 Dollar
Jedes reguläre Spiel zweier besserer NBA-Mannschaften hat mehr Atmosphäre. Aber dort sitzen nicht so berühmte Rapper wie der Basketballklub-Mitbesitzer Jay-Z und seine ebenso berühmte Gefährtin Beyonce in der ersten Reihe, ist auch Prince nicht unter den Zuschauern. Und auch nicht Tony Parkers Verlobte Eva Longoria, die man aus der Fernsehserie „Desperate Housewives“ kennt. Mit anderen Worten: Dort geht es um etwas. In Las Vegas, wo man Glamour schätzt und der Schwarzmarktpreis für die Eintrittskarten auf 20 000 Dollar kletterte, war dabei sein schon alles.
Weshalb wohl auch jeder froh war, dass ein ganz bestimmter Mann aufgrund eines Hausverbots des autokratischen Liga-Chefs David Stern nicht gekommen war. Der Mann heißt Tim Hardaway, war in seiner aktiven Zeit mehrmals zum All Star gewählt worden und ging am Mittwoch endgültig in die NBA-Geschichte ein: als der erste Spieler, der offen und ohne Vorbehalte in einem Radiointerview erklärte: „Ich hasse Schwule.“ Seine Ansichten zu Basketballprofis wie John Amaechi, der unlängst öffentlich zugegeben hatte, homosexuell zu sein, hatten tagelang die Basketball-Berichterstattung beherrscht - und hätten vermutlich auch die Festivitäten von Las Vegas in ein grelles Licht getaucht, auch wenn Hardaway sich inzwischen dafür entschuldigt hat. Denn die mehr als 1000 angereisten Medienleute wären sicher froh um jede knallharte Schlagzeile gewesen. Aber mit Hardaway in einem Schmollwinkel weit weg vom Schuss, da gaben sie sich doch lieber den Showeinlagen hin.
Zukunft in der die dritte Dimension
Die konnten geladene Gäste übrigens in einem eigens hergerichteten Kinosaal in einem Kasino ein paar Straßen weiter im Rahmen einer Weltpremiere in 3-D-Format sehen. Die NBA, die in den Vereinigten Staaten schon einen Fernsehkanal im Kabelfernsehen betreibt, will offensichtlich in Zukunft die dritte Dimension nutzen, um noch mehr Publikum ganz nah an das rasante Spiel zu bringen. Die Basis dafür ist eine Technik, die nicht länger auf das herkömmliche 3-D-System auf Filmbasis angewiesen ist, sondern ihre Bilder digital und in High Definition aufnimmt. Die doppelte Zeilenzahl jedes Bildes sorgt dafür, dass die visuelle Qualität auch auf größeren Projektionsflächen nicht verlorengeht.
Obendrein lässt dieses System Live-Übertragungen zu. Das ist wichtig, wenn demnächst ein Plan umgesetzt wird, um neue Zuschauerschichten anzulocken: Es soll bei Auswärtsspielen einer Mannschaft in ihrer Halle zu Hause Public Viewing geben. Nicht kostenlos, versteht sich. Für solche Attraktionen verlangt die NBA Eintritt.