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NBA 6,8 Millionen Dollar für einen Zuschauer

15.07.2009 ·  Keine Hilfe für Dirk Nowitzki: Der polnische Center Marcin Gortat muss in Orlando bleiben und die Dallas Mavericks scheinen beim Wechselspiel in der nordamerikanischen Basketball-Liga NBA wieder einmal nicht richtig zum Zuge zu kommen.

Von Jürgen Kalwa, New York
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Polens bester Basketballspieler hat am Anfang der Woche erlebt, dass es nicht immer dem eigenen Fortkommen dient, wenn man in der stärksten Liga der Welt unter Vertrag steht. Die Gage mag zwar üppig sein, aber man wird leicht zum Spielball der Interessen. Wie man als Wanderarbeiter im internationalen Sport mit solchen Verhältnissen zurechtkommt, wird Marcin Gortat allerdings erst im kommenden Winter herausfinden. Dann, wenn er wie gewohnt von seinem Stammplatz aus das Treiben seiner Kollegen bei den Orlando Magic verfolgt – der Stuhlreihe am Rande des Spielfeldes.

Als der 25 Jahre alte Profi 2007 nach drei Jahren Basketball-Bundesliga bei RheinEnergie Köln in die Vereinigten Staaten wechselte, dürfte er nicht damit gerechnet haben, dass die NBA für einen Spieler wie ihn zu einer Karrierefalle werden könnte. Denn er hatte in Florida – obwohl in Deutschland von Fachblättern wie dem Magazin „Five“ als „hyperaktiver Athletikcenter“ verspottet – jede Gelegenheit genutzt, um sich als Einwechselspieler für Dwight Howard, den überragenden Mann im Team, zu empfehlen. Auch in den Play-offs in diesem Frühjahr, in denen Orlando überraschend die Finalserie gegen die Los Angeles Lakers erreichte, punktete er. So wunderte sich niemand, dass sein Agent vor ein paar Tagen eine Vereinbarung mit den Dallas Mavericks erzielen konnte. Gortat sollte einen Fünf-Jahres-Vertrag erhalten. Und ein Gehalt von jährlich 6,8 Millionen Dollar.

Orlando torpediert Gortats Hoffnungen

Ein enormer Sprung von den 700.000 Dollar, die er zuletzt verdient hatte. Das Team von Dirk Nowitzki ist auf der Center-Position seit Jahren schlecht besetzt und kann einen Mann gut gebrauchen, der unter dem Korb nicht nur drängelt und foult, sondern aus der Halbdistanz sicher seine Würfe verwandelt. Das Mavericks-Management musste allerdings tief in die Tasche greifen. Denn Gortat wurde von allen drei texanischen Klubs gleichzeitig umworben – am stärksten von den Houston Rockets, dessen prominenter chinesischer Center Yao Ming sich vor ein paar Wochen den Fuß gebrochen hat.

Doch am Montag torpedierte Orlando alle Hoffnungen und machte von seinem tarifvertraglichen Recht Gebrauch und zwang den Polen, der als sogenannter „restricted free agent“ („eingeschränkt ungebunden“) nicht nach Gutdünken die Mannschaft wechseln kann, zu bleiben. Die einzige Bedingung: Orlando muss Gortat die gleiche Summe zahlen, die er in Dallas verdient hätte. Der 2,11 Meter große Gortat, der in Dallas endlich aus seiner Ersatzspielerrolle herausgefunden hätte, sei „sehr, sehr enttäuscht“ gewesen, berichtete sein Agent.

O'Neal in Cleveland, Artest in LA, Wallace in Boston

In Dallas ließ man sich derlei Gefühle nicht anmerken. Im Stile des ehemaligen Verteidigungsministers Donald Rumsfeld erklärte Team-Manager Donnie Nelson markig: „Wir sind bereit, mit dem in den Krieg zu ziehen, was wir haben.“ Der Klub, der zunächst den alternden Aufbauspieler Jason Kidd für weitere drei Jahre an sich gebunden hatte und in einem geschickten Tausch-Manöver den vielseitigen und sprungstarken Shawn Marion aus Toronto verpflichtete, will sich aber weiter nach Verstärkungen umschauen. Das hatte auch Dirk Nowitziki gefordert.

Es wird allerdings von Tag zu Tag schwieriger, die Wünsche des Deutschen zu erfüllen. Denn der Markt, auf dem in diesen Wochen ein selten intensiver Tanz um Verträge und Spieler der mittleren Gütekategorie stattfand, wird mit jeder Verpflichtung kleiner und verliert an Qualität. Die besten Profis sind längst aus dem Verkaufspiel. Den prominentesten Wechsel inszenierten die Cavaliers. Sie haben den einst alle überragenden Center Shaquille O’Neal von Phoenix nach Cleveland gelockt, wo er ihrem Jungstar LeBron James den Weg zum Triumph freiräumen soll. Denn dessen Fähigkeiten reichen nicht, um die Mannschaft im Alleingang zum Titelgewinn zu führen. Ron Artest, zuletzt in Houston Dreh- und Angelpunkt, landete für das gleiche Gehalt, das Gortat nun bekommt, beim neuen Meister Los Angeles Lakers. Rasheed Wallace, dessen Verpflichtung einst in Detroit den Ausschlag für den Titelgewinn der Pistons gegeben hatte, spielt nun für die Boston Celtics, den Champion von 2008. Meisterschaftsaspirant Orlando gönnte sich unterdessen den trickreichen, gefährlichen Vince Carter, der zuletzt bei den New Jersey Nets kaum Wirkung entfalten konnte. Allenfalls noch zu haben: der einst als große Nummer gefeierte Ballzauberer Allen Iverson. Der wird zum Ende seiner Karriere nur noch bei Kellerkindern wie den Los Angeles Clippers reüssieren.

Mehr als der typische Aktionismus

Hinter dem nervösen Hin und Her steckt nach Meinung vieler NBA-Experten mehr als nur der typische Aktionismus zwischen den Spielzeiten. Das liegt zum einen daran, dass die Draft – das Auswahlverfahren – in diesem Jahr keine Spieler in die Liga spülte, von denen man besonders große Stücke erwartet. Der weit wichtigere Grund allerdings dürfte sein, dass sich viele Teams für den Sommer 2010 in Stellung bringen, wenn auf einen Schlag gleich mehrere hochkarätige Spieler wie LeBron James, Dirk Nowitzki, Dwayne Wade (Miami Heat), Manu Ginobli (San Antonio Spurs) ihre Verträge frei mit einem Klub ihrer Wahl aushandeln können und bei einem Wechsel das Kräftegleichgewicht in der Liga kippen könnten.

Einige Klubs mit langfristigen Ambitionen versuchen in diesem Sommer denn auch nichts anderes, als möglichst viel Spielraum unter der Gehaltslinie namens „Salary Cap“ freizuschaufeln, um demnächst mit viel Geld den ein oder anderen attraktiven Namen ködern zu können. Manche suchten nach Verstärkung, um den begehrten Top-Stars vorab zu signalisieren: Wir sind attraktiv und bereit zu investieren. Wer das Rennen macht, ist allerdings ungewiss. Die Liga leidet aufgrund der Wirtschaftskrise unter Einnahmeschwund und musste erstmals in ihrer Geschichte den Salary Cap reduzieren. Geschäftsführer David Stern kündigte bereits an, dass die Gehaltsobergrenzen 2010 drastisch weiterfallen werden.

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