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Nadal gewinnt French Open : Spanischer Supermann

  • -Aktualisiert am

Rafael Nadal kennt die Trophäe der French Open so gut wie kein anderer Bild: AFP

Nichts und niemand kann Rafael Nadal im French-Open-Finale von Paris stoppen: Souverän schlägt er Landsmann David Ferrer in drei Sätzen und stellt einen neuen Rekord auf.

          Nichts konnte ihn daran hindern, seinen achten Titel auf dem größten roten Tennisplatz der Welt zu gewinnen. Nicht der schwer bemühte, aber letztlich doch chancenlose Gegner, nicht der Regen und auch nicht ein Störenfried mit bengalischem Feuer in der Hand, der über die Bande sprang.

          In herrschaftlicher Souveränität besiegte der Spanier Rafael Nadal seinen Freund und Landsmann David Ferrer (6:3, 6:2, 6:3), und es ist schwer vorstellbar, dass in absehbarer Zeit noch mal einer wie er im Stade Roland Garros auftauchen wird. Aber Titel Nummer acht besaß auch wegen der langen Pause von Mitte des vergangenen Jahres bis Februar 2013 eine besondere Bedeutung.

          In dieser Pause hatte Nadal an vielen Tagen nicht zu träumen gewagt, noch mal als Sieger auf dem Podium zu stehen. „Das ist einer der speziellsten Siege“, sagte er. „Ohne meine Familie und mein Team wäre ich nicht hier.“ Zu seinen acht French-Open-Erfolgen sagte er: „Ich spiele, seit ich ein Kind bin. Ich habe nicht gedacht, dass ich in der Lage wäre, so etwas zu schaffen.“

          Die Szenerie erinnerte zunächst an die des Finales vor zwölf Monaten zwischen Rafael Nadal und Novak Djokovic. Ein kühler, regnerischer Tag, schon am Morgen waren heftige Schauer auf Paris gefallen. Auf der Tribüne saßen Stammgäste wie der 80 Jahre alte französische Liebling Jean-Paul Belmondo und der in diesem Jahr des Öfteren gesehene amerikanische Filmstar Leonardo DiCaprio, wie immer mit Schiebermütze auf dem Kopf. Und natürlich fehlte angesichts des großen Tages für Spanien auch Kronprinz Felipe nicht.

          Die Freunde verstehen sich, auch wenn es nur einen Sieger geben kann
          Die Freunde verstehen sich, auch wenn es nur einen Sieger geben kann : Bild: REUTERS

          Die meisten Zuschauer im Stadion erwarteten eine deutliche Angelegenheit angesichts der Bilanz von 19:4 Siegen zugunsten des Titelverteidigers - und der Tatsache, dass Ferrer bisher nur ein einziges Spiel auf Sand gegen Nadal gewonnen hatte, das allererste anno 2004. Doch die Fachleute meldeten Bedenken an.

          Nach einem Gespräch am Tag zuvor für den TV-Sender Eurosport fand der schwedische Fernsehexperte Mats Wilander, Nadal sei ihm ziemlich müde vorgekommen, und sagte: „Es ist nicht unmöglich, dass wir hier eine Überraschung sehen werden, ganz und gar nicht.“ Sein Kollege John McEnroe, in Paris für den amerikanischen Fernsehsender NBC am Werk, sah die Sache genauso. Und Ferrer versprach: „Ich werde versuchen, dass er irgendwie ins Zweifeln kommt.“

          Nicht zu bremsen: Rafael Nadal gewinnt wieder die French Open
          Nicht zu bremsen: Rafael Nadal gewinnt wieder die French Open : Bild: dpa

          Was Rafael Nadal dachte? Obwohl seine Annäherung an ein Spiel gewöhnlich einem minutiösen Plan folgt, nahm er sich kurz vor Beginn des Finales am Sonntag noch die Zeit, über Twitter auf ein Foto auf seiner Facebook-Seite hinzuweisen, das ihn und Ferrer mit dem spanischen Basketballstar Pau Gasol in der Kabine zeigte, Gasols Pranken auf den Schultern der beiden Finalisten, die im Vergleich mit dem prominenten Gast aus der anderen Ballsportabteilung wie Zwerge aussahen.

          Zu Beginn wirkte es so, als hätten die Mahner Wilander und McEnroe richtig gelegen. Der Titelverteidiger wirkte müde, der Herausforderer rannte los; er hatte sechs Stunden weniger Tennis in den Beinen als Nadal. Eine Viertelstunde lang und auch noch ein paar Minuten kurz vor Schluss spielten sie auf einem Niveau - dazwischen kam Nadals Maschine auf Touren, und nach 40 Minuten waren die Weichen gestellt.

          Landsmann David Ferrer gab alles - es war gegen Nadal nicht genug
          Landsmann David Ferrer gab alles - es war gegen Nadal nicht genug : Bild: dpa

          Mit dem dritten Aufschlagverlust gab Ferrer den ersten Satz ab, seinen ersten Satz während des gesamten Turniers. Das war natürlich genau das, was er hatte vermeiden wollen angesichts von Nadals Erfolgsbilanz in Grand-Slam-Spielen nach dem Gewinn des ersten Satzes - die lautete 145:3.

          Der Rest lief dann wie nach Plan. Der Favorit war nicht mehr zu stoppen, jedenfalls auf sportlichem Wege nicht. Ein paar Mal sah es so aus, als müsse das Spiel wegen des immer wieder einsetzenden Regens unterbrochen werden. Bedrohlicher wirkte allerdings ein Zwischenfall beim Stand von 5:1 im zweiten Satz, als ein halb bekleideter Aktivist mit Maske und züngelndem bengalischem Feuer in der Hand über die Bande sprang, keine zehn Meter von Nadal entfernt.

          Einfach umwerfend: Nadal kann sein Glück gar nicht fassen
          Einfach umwerfend: Nadal kann sein Glück gar nicht fassen : Bild: AFP

          Aber die Männer vom Sicherheitsdienst waren blitzschnell zur Stelle und beförderten Störer und Feuer Richtung Ausgang. Nadal bedankte sich prompt per Handschlag bei einem der Sicherheitsmänner, der sich schützend vor ihn gestellt hatte.

          Danach ging nichts mehr schief. Rund 40 Minuten später lag Nadal als Sieger wieder ausgestreckt im roten Sand. Seine Freude wirkte ein wenig gedämpfter als im vergangenen Jahr nach dem Sieg über Novak Djokovic, aber das hatte sicher vor allem mit dem Umstand zu tun, dass diesmal auf der anderen Seite sein bester Freund stand.

          Ohne Schweiß kein Preis: Nadal muss in Paris ordentlich schwitzen
          Ohne Schweiß kein Preis: Nadal muss in Paris ordentlich schwitzen : Bild: REUTERS

          Vom großen Gefühl noch einmal kurz zu schnöden Zahlen: Seit seiner Rückkehr zum Tennis im Februar gewann Nadal sieben Titel in neun Turnieren, bei den anderen beiden Gelegenheiten stand er im Finale. Von 7500 Punkten, die er in dieser Zeit für die Weltrangliste maximal gewinnen konnte, gewann er 7000.

          Wie er ist, dieser spanische Supermann, sah man auch am beinahe ehrfürchtigen Beifall, mit dem er den jamaikanischen Sprintstar Usain Bolt begrüßte, der den Siegerpokal überreichte. Und vor allem daran, wie er später beim gemeinsamen Foto mit Ballkindern und allen Helfern dem Platzmeister den „Coupe des Mousquetaires“ in die Hand drückte. Vielleicht wäre es an der Zeit, den Pokal umzubenennen. In „La Coupe de Rafael“.

          Quelle: F.A.Z.

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