18.06.2009 · Erst provozierte Haye mit blutrünstigen Fotomontagen, kämpfte aber nicht. Dann kam Chagaev gegen Walujew nicht zum Zuge. Und jetzt boxt der kleine Klitschko gegen einen Weltmeister im Wartestand. Alles klar in der „Königsklasse“?
Von Hans-Joachim LeyenbergSchwergewichtsboxer sind wie Bernhardiner. Von ein paar Ausnahmen abgesehen, schwerfällig und gutmütig. Das sollten all jene wissen, die größere Erwartungen knüpfen an das Gipfeltreffen kommenden Samstag in der Arena AufSchalke. Es ist jenes Duell, in dem Wladimir Klitschko und Ruslan Chagaev die Fäuste kreuzen.
Vielleicht aber auch nicht, wenn einen von beiden noch die Krise übermannen sollte. Sie erinnern sich vielleicht noch flüchtig an den Namen David Haye. Jenen Engländer, der mit Fotomontagen hausieren ging, die die geköpften Klitschkos zeigten. Aber nach alldem Ballyhoo plagte den dreisten Hayemaker, so sein Kampfname, ein Zipperlein am Rücken. Vielleicht waren es auch Selbstzweifel. Ruck, zuck war Ersatzgegner Chagaev zur Stelle, der unlängst nicht zum Zuge kam. In Helsinki störte sich der russische Riese Nikolai Walujew an Spuren einer ausgestandenen Hepatitis-B-Infektion des Usbeken.
Vielleicht schlagen die Zuschauer bald zurück
Jetzt boxt also mit Wladimir Klitschko der Weltmeister dreier Weltverbände gegen einen Weltmeister eines weiteren Weltverbandes. Allerdings mit dem Status eines Weltmeisters im Wartestand. Den hat man ihm verpasst, nachdem seine Titelverteidigung mehrmals geplatzt war. Deswegen wird Walujew nach wie vor als WBA-Titelträger geführt, steht dieser Gürtel in Gelsenkirchen nach dem letzten Stand der Dinge nicht zur Disposition.
Klar ist eigentlich nur ein heilloses Kuddelmuddel in einer Kategorie, die immer noch mit dem Etikett „Königsklasse“ versehen wird. Vielleicht schlagen die Zuschauer bald zurück. Dann, wenn die Boxer vom Schlage der Bernhardiner aus der Mode gekommen sind.
Wehmut
Jürgen Hänsch (annfritz)
- 19.06.2009, 10:11 Uhr