02.06.2008 · Michael Johnson will die mit der 4x400-Meter-Staffel bei Olympia in Sydney gewonnene Goldmedaille zurückgeben. Nachdem sein damaliger Staffelkollege Antonio Pettigrew langjährige Dopingpraktiken zugegeben hat, fühlt sich Johnson „betrogen“.
Der fünfmalige Olympiasieger Michael Johnson will seine bei den Sommerspielen 2000 in Sydney gewonnene 4x400-m-Goldmedaille freiwillig zurückgeben. Hintergrund der Entscheidung des 200- und 400-m-Weltrekordhalters aus den USA ist das Dopinggeständnis seines damaligen Staffelkollegens Antonio Pettigrew. „Ich weiß, dass diese Medaille nicht unter fairen Umständen gewonnen wurde und schmutzig ist“, schrieb Johnson in einer Kolummne für die englische Tageszeitung „Daily Telegraph“: „So schwierig es ist, aber ich werde sie dem Internationalen Olympischen Komitee zurückgeben, weil ich sie nicht will. Ich fühle mich belogen, betrogen und im Stich gelassen.“
Der 40 Jahre alte Pettigrew hatte vor wenigen Tagen im Meineid-Prozess gegen seinen ehemaligen Trainer Trevor Graham zugegeben, ab 1997 Dopingmittel vom mexikanischen Händler Angel Heredia bezogen zu haben, darunter das Ausdauermittel Epo sowie Wachstumshormone. Heredia hatte ausgesagt, er habe Pettigrew von 1997 bis 2001 versorgt.
IOC-Exekutive soll über Goldmedaille beraten
Die IAAF hatte im Juli 2004 den Beschluss gefasst, der gesamten US-Staffel Gold abzuerkennen. Nach einem Protest aus den USA entschied der Internationale Sport-Gerichtshof CAS vor drei Jahren aber zu Gunsten von Johnson und Co. Als Begründung führte der CAS an, dass der wegen Dopingvergehen lebenslang gesperrte Jerome Young bei Olympia in Sydney nur im Vorlauf eingesetzt worden war.
Im Zuge des Balco-Skandals waren auch die weiteren Staffel-Mitglieder Alvin Harrison (EPO und weitere Dopingmittel 2004) und Zwillingsbruder Calvin (Modafinil 2003) des Dopings überführt worden. Ab Mittwoch will Lamine Diack, Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, beim Treffen der Olympischen Sommersportverbände in Athen mit der IOC-Exekutive über das Staffel-Gold der USA sprechen. Dessen Aberkennung wäre Sache des IOC.