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Nach Doping-Verschwörung : Das neue Radsport-Waterloo

  • -Aktualisiert am

Lance Armstrong (Mitte) wurde von Trek gesponsert Bild: AP

Die Firma Trek, einst Sponsor von Lance Armstrong, betreibt nun selbst einen Rennstall. Der eigenen Vergangenheit zum Trotz will man helfen, das Image der Branche zu verbessern.

          In den Annalen des kleinen Ortes Waterloo, ungefähr auf halber Strecke zwischen Madison und Milwaukee, gibt es nur wenige Hinweise darauf, weshalb die ersten Siedler Mitte des letzten Jahrhunderts auf die Idee kamen, ihrem neuen Zuhause den Namen eines berühmten Schlachtfeldes im fernen Brabant zu geben. Nur so viel gilt als gesichert: Dass die Farmer auf dem platten Land in Wisconsin noch nicht die Redewendung gehört hatten, die man inzwischen mit dem historischen Ereignis verbindet. „Sein Waterloo erleben“ ist Sinnbegriff für eine totale Niederlage.

          Schwere Nackenschläge kennt man hier allerdings. So musste die Firma Trek, die am Ortseingang in einem flachen modernen Fabrik- und Bürogebäude sitzt, im Oktober 2012 einen Gutteil ihrer eigenen Geschichte schreddern. Da belegte die amerikanische Anti-Doping-Agentur Usada mit einem tausendseitigen Dossier akribisch und umfassend die von Lance Armstrong betriebene jahrelange massive Doping-Verschwörung. Und der Radhersteller, der trotz gegenteiliger Indizien lange loyal zu dem Texaner gehalten hatte, konnte sich nicht länger taub stellen. Man kündigte den Vertrag - „enttäuscht“, wie es in der Presseerklärung hieß - und machte sich daran, das Foyer umzugestalten, das mit vielen Fotos des einstigen Werbepartners im Gelben Trikot der Tour de France dekoriert gewesen war.

          Trek steigt noch intensiver in den Straßenradsport ein

          Wenn man in diesen Wochen dem Unternehmen einen Besuch abstattet, findet man keine Spuren dieses Teils der Geschichte mehr. Allerdings fehlt es auch an Hinweisen darauf, dass man bei Trek sehr intensiv über die eigene Rolle in dem großen Doping-Skandal nachgedacht hat. „Die Sache mit Armstrong hat uns gewiss stark durchgerüttelt“, sagt Pressesprecher Eric Bjorling. Aber irgendwie, so die offizielle Version, gehörte das Unternehmen zu den Betrogenen. „Wir haben oft die Details im selben Moment erfahren wie der Rest der Welt.“

          Die wichtigste Konsequenz allerdings lautete: Als einer der führenden Spezialisten in der Fabrikation von leichtgewichtigen Kohlefaser-Fahrradrahmen zieht sich Trek nach einer solchen Panne nicht etwa aus dem Radsport zurück. Im Gegenteil. Nachdem man sich zuletzt als Team-Sponsor engagiert hatte, steigt man 2014 noch intensiver in den professionellen Straßenradsport ein. Mit einem eigenen Rennstall: Trek Factory Racing - und Fahrern wie dem Schweizer Fabian Cancellara, für den man bereits als Saisonziel die Verbesserung des Stundenweltrekordes anvisiert hat. Und mit den luxemburgischen Brüdern Andy und Fränk Schleck sowie Jens Voigt, der mit 42 Jahren noch immer für Geld in die Pedale steigt.

          Interessante Interessenverflechtungen

          Am 10. Januar soll die Gruppe im Velodrome in der französischen Stadt Roubaix offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Der Optimismus von Trek und seinem Firmensprecher Bjorling ist nicht zu erschüttern: „Sollte der Radsport wirklich seine schwärzeste Zeit hinter sich haben, dann sieht die Zukunft sehr, sehr hell aus. Und zwar, weil man sich mit den Dämonen auseinandergesetzt hat.“ Das mag teilweise tatsächlich zutreffen, zumal man in diesen Tagen in London im lange hinausgezögerten sportrechtlichen Verfahren gegen den Belgier Johan Bruyneel und die Spanier Pedro Celaya und Pepe Marti eine der letzten Aufräumaktionen in Sachen Armstrong vorantreibt. In Waterloo hingegen scheint man die Geister einfach nur in den Keller verbannt zu haben. Dazu gehören pikante Informationen, die erst vor kurzem bekanntwurden. Danach saß etwa Trek-Inhaber John Burke im Vorstand von Tailwind, jener vom ehrgeizigen Investmentbanker Thomas Weisel gegründeten Firma, die Armstrongs Rennställe namens US Postal und Discovery betrieb. Es war eine Schaltstelle für den Fluss von Millionen von Dollar und den Einfluss auf den gesamten amerikanischen Radsport. Tailwind gehört heute, obwohl inzwischen offiziell aufgelöst, neben Armstrong und Weisel zu den Zielscheiben der Ermittlungen in der Klage der betrogenen amerikanischen Post auf Schadensersatz.

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