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Nach der EM „Der Handball stirbt den Heldentod“

 ·  Der deutsche Nachwuchs ist Weltmeister, doch die Vereine setzen lieber auf Stars aus dem Ausland. Nun steckt das Nationalteam in einer Krise. Dabei müsste sich der Verband nur mehr am Fußball orientieren.

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© dapd Vergrößern Gescheitert: Die deutsche Nationalmannschaft in Serbien

Das Handball-Leistungszentrum am Stadtrand von Großwallstadt ist ein funktionales, sachliches Gebäude. Aber oben in der dritten Etage, dort, wo Manfred Hofmann sein Büro hat, brodelt es gewaltig. Der frühere Weltklassetorwart des TV Großwallstadt ist heute zuständig für die Ausbildung in der Nachwuchsakademie und für die TVG-Juniorenteams. Er hat eine verantwortungsvolle Aufgabe, fühlt sich aber auf verlorenem Posten. Unterstützung bei der Nachwuchsarbeit vom Deutschen Handballbund (DHB) oder den Landesverbänden?

„Eine Katastrophe", sagt der Weltmeister von 1978. „Alle Jahre wieder, wenn die Nationalmannschaft bei einem Großturnier scheitert, geht das Geschrei nach der Nachwuchsarbeit los", entrüstet sich Hofmann aus Erfahrung: „Dann wird eine Task Force gegründet, dann kreißt der Berg und gebiert eine Maus."

Was aber nötig sei, um nach fünf mageren Jahren wieder international erfolgreich zu sein, so Hofmann, sei ein nachhaltiges Nachwuchskonzept, wie es seit einem Jahrzehnt im deutschen Fußball existiert: intensive Talentsichtung, Leistungszentren aller Profivereine und flächendeckende Jugendstützpunkte des DFB.

Doch bis auf weiteres beschäftigt sich der Handball mit sich selbst. Die Task Force wird dabei wieder einiges aufzuarbeiten haben, nachdem die DHB-Auswahl am vorigen Mittwoch nicht nur das Halbfinale der Europameisterschaft verpasste, sondern zum ersten Mal auch die Teilnahme an Olympischen Spielen.

Die Forderungen werden nach der EM-Schlappe von Serbien dieselben sein wie immer in den vergangenen Jahren, wenn das Aushängeschild des deutschen Handballs sein Ziel verfehlte: Deutsche Spieler sollten mehr Einsatzzeiten bekommen in der Bundesliga. Die Talente müssten stärker eingebunden werden in den Profibetrieb. Eine Quotenregelung zugunsten einheimischer Spieler mag zwar am Widerwillen der Klubs scheitern, aber ein Umdenken sei bitter nötig. Von der „Chance zu einem Neubeginn mit Blick auf die Olympischen Spiele 2016 in Rio" spricht Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Nach dem siebten Platz bei der EM hat sich der DHB „Eliteförderung" vorgenommen. Die Idee ist nicht neu, ebenso der Mann, der sie federführend begleiten soll: der frühere Bundestrainer und ewige Mahner Heiner Brand. „Vor allen Dingen müssen wir die individuellen Fähigkeiten unserer jungen Elite-Spieler fördern", sagt DHB-Präsident Ulrich Strombach - wohlwissend, dass sich die Liga bestenfalls langsam in diese Richtung bewegt. Vor allem große Vereine kaufen lieber fertige Spieler, als Talente auszubilden.

„Wir müssen den Mut haben, die jungen Deutschen reifen zu lassen und sie auf ein hohes Level zu bringen, auf dem sie mit den ausländischen Spielern konkurrieren können", sagt Volker Zerbe, früher Nationalspieler und heute Geschäftsführer des TBV Lemgo.

Die Ostwestfalen gehören zu jenem Häuflein Bundesligaklubs, das zunehmend auf die Jugend setzt - teilweise aus Überzeugung, teilweise, weil es finanziell nicht mehr anders geht: Einheimische Talente sind eben leichter und billiger zu haben als ausländische Stars.

„Wer will schon Pascal Hens sein?“

Zuletzt verging kaum eine Woche, in der Lemgo nicht die Verpflichtung eines deutschen Jungspunds vermeldete. Des sportlichen Risikos dieser Investitionen in die ungewisse Zukunft sind sich die TBV-Funktionäre dabei durchaus bewusst: „Aufgrund fehlender Erfahrung und körperlicher Voraussetzungen werden die Jungs noch keine entscheidende Rolle im Bundesliga-Alltag spielen können", sagt Geschäftsführer Zerbe. Mit anderen Worten: Bis auf weiteres bleiben die Jungen Ergänzungsspieler - anders als im Profifußball, der schon viele Schritte weiter ist, so dass auch die Nationalmannschaft von der Jugendbewegung profitiert.

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