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Modedesigner Harald Glööckler „Ich bin meine eigene Droge“

„Jeder sollte sich und sein Leben inszenieren und zelebrieren“: Modedesigner Harald Glööckler über Fußball und Fettabsaugen, Körperkult und Körpervernichtung - und die Angst der schwulen Kicker.

© VOX Vergrößern „Aktive Menschen sind anziehender, sagt Harald Glööckler, der seinen Körper seit dreißig Jahren im Fitnessstudio trimmt: „Ohne Sport könnte ich mein berufliches Pensum nicht bewältigen“

Wann haben Sie den Sport für sich entdeckt?

Vor dreißig Jahren. Ich habe mit 16, 17 begonnen, ins Fitnessstudio zu gehen, und bin dort seither regelmäßig drei-, viermal die Woche, seit einigen Jahren so gut wie immer mit Trainer. Ich finde es wichtig, dass einer dabei ist, der aufpasst, ich möchte bei den Übungen keine Fehler machen. Sport ist für mich ein wichtiger Ausgleich. Ich glaube, ich könnte mein berufliches Pensum ohne ihn nicht bewältigen.

Wenn Sie einen Sport wählen könnten, den Sie perfekt beherrschten, welcher wäre das?

Das könnte ein Sport mit Pferden sein, das finde ich interessant, diese Symbiose zwischen Reiter und Pferd. Oder etwas mit Fliegen, Paragliding, Drachen, so etwas in der Art.

Harald Glööckler präsentiert Pralinen-Kreation © dpa Vergrößern Doping? Nie, sagt Glööckler

Konsumieren Sie Sport, Olympia zum Beispiel oder Fußball, interessiert Sie das?

Hin und wieder. Ich schaue mal bei Olympia rein oder bei Weltmeisterschaften, auch mal bei American Football oder Rugby, ich mag es, wenn es richtig kracht, anders als beim Fußball, da rennen die doch manchmal ein bisschen rum wie die Mädchen. Ich lese auch gern Biographien über Sportler, weil mich ihr Wille und ihr Antrieb interessieren. Da kann man etwas lernen vom Sport. Von Lance Armstrong übrigens auch: wie man es besser nicht macht.

Mit Doping? Da hat man als Kreativer aber bessere Karten als zum Beispiel Radsportler, da gibt es keine Doping-Kontrollen.

Ja, aber bei mir könnte man jederzeit testen. Ich brauche weder Doping noch sonstige Drogen, ich bin meine eigene Droge. Ich könnte das, was ich tue, mit derartigen Hilfsmitteln gar nicht durchhalten. Ich lebe ein sehr gesundes, sehr bewusstes Leben. Ein gesunder, sportlicher Körper will kein Doping, und er braucht es auch nicht.

Sehen Sie im Leistungssport einen Sinn?

Es gibt immer Menschen, die in bestimmten Dingen talentierter sind als andere. Warum sollen die sich nicht miteinander messen? Und da sind noch die eher Mittelmäßigen, die ihre Möglichkeiten durch viel Fleiß und Training so perfektioniert haben, dass sie unter Umständen sogar besser sind als die mit dem großen Talent.

Wie gefällt Ihnen Fußball?

Beim Fußball habe ich das Gefühl, dass er zu einem Happening geworden ist wie Modeschauen, zu einem Catwalk für Fußballer und ihre Spielerfrauen. Das ist eine Entwicklung, die mir nicht gefällt. Fußball wird medial und politisch unglaublich gepusht, und das liegt sicherlich auch daran, dass er ein wunderbares Medium ist, um die Menschen bei Laune zu halten. Würde man Autoren oder Musiker oder die besten Wissenschaftler des Landes genau so pushen, hätte man ganz andere Helden.

Welche Bedeutung hat die Körperlichkeit für den modernen Menschen? Das Fitsein, das Jungsein, das Schönsein?

Wir leben in einem Zeitalter, in dem die Menschen immer älter werden. In Fitnessstudios kann man geradezu sehen, wie Menschen, die mit Sport beginnen, nach einer gewissen Zeit eine Verjüngung erfahren. Wir Menschen sacken ja unter der Last des Lebens immer mehr zusammen, wir verlieren die Haltung. Durch den Sport lernen wir, uns wieder aufzurichten. Die Muskeln, die wir trainieren, stützen uns. Der Sport ist wichtig, die Körperlichkeit ist wichtig, aber es darf nicht in Richtung Jugendwahn gehen, es gibt keine ewige Jugend. Ich finde, man sollte versuchen, gerade durchs Leben zu gehen und für sein Alter bestmöglich auszusehen. Von Mitte 40 bis Mitte 50, das ist ein schwieriges Alter, der Stoffwechsel verändert sich, der Körper verändert sich, und zwar rapide, da liegt der entscheidende Moment, ob man nun sagt, okay, jetzt werde ich halt dick, oder sagt, das akzeptiere ich nicht.

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Veröffentlicht: 25.12.2012, 09:30 Uhr

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