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Baseball-Star David Ortiz : Papa ist der Beste

  • -Aktualisiert am

Kleiner Wohlfühlbauch, große Schlagkraft: Die Fans verehren David Ortiz. Bild: AFP

David Ortiz ist bei den Fans der Boston Red Sox eine Legende. Trotz Doping-Vorwürfen hat sein Image nie gelitten – und seine Worte wirken selbst im Weißen Haus. Warum also hört der Baseball-Star auf?

          Wer in Boston die Landsdowne Street am berühmten Fenway Park entlanggeht, bekommt in diesen Tagen binnen weniger Meter einen Blick auf gleich drei Sehenswürdigkeiten der Stadt: rechts das „Green Monster“, die bekannte grüne Mauer hinter dem linken Outfield von Amerikas ältestem Baseballstadion. Geradeaus ist der Prudential Tower zu sehen, das mit 228 Metern zweithöchste Gebäude Bostons. Und links steht auf einem Backsteingebäude eine riesige Werbetafel mit den Worten: „THANK YOU BIG PAPI.“

          Gemeint ist David Américo Ortiz Arias - aber so nennt ihn in Boston und bei den weltweiten Fans der Red Sox niemand. Für sie ist der 40-jährige Baseball-Profi aus der Dominikanischen Republik schlichtweg: Big Papi. Seit seiner Verpflichtung 2003 sind viele Spieler gekommen und gegangen. Nur einer war immer da: Big Papi. Der designated hitter mit dem kleinen Wohfühlbauch und dem großen Bums am Schlag war 2004 Leistungsträger, als die Red Sox ihr Stigma als „lovable losers“ ablegten und erstmals seit 1918 die World Series gewannen. Und ohne ihn hätte es die Meisterschaften 2007 und 2013 wohl auch nicht gegeben.

          Doch nun soll bald Schluss sein, am Saisonende sagt Big Papi „bye, bye“. Boston spielt in den Play-offs gegen die Cleveland Indians und liegt mit 0:2 zurück. Siegt Cleveland in der Nacht von Montag auf Dienstag (0.00 MESZ) ein drittes Mal, ist die Saison für Boston vorbei. Der Trainer des Gegners ist Terry Francona. Er hatte 2004 und 2007 mit den Red Sox die World Series gewonnen, und ausgerechnet er kann nun die Karriere von Ortiz beenden. Allerdings fragen sich viele, warum Ortiz aufhört. Er hat 38 Homeruns geschlagen - das schaffte in seinem Alter noch niemand. Und ob es überhaupt schon mal jemanden in der Geschichte der Major League Baseball (MLB) gab, der sich auf einem solch hohen Niveau verabschiedet, wird derzeit intensiv diskutiert.

          „Es ist noch nicht zu spät, deine Absicht zu ändern, Papi. Lass‘ uns drüber reden“, schrieb gar Tom Brady auf seiner Facebookseite. In der Sportstadt Boston ist nur der Football-Quarterbackstar der New England Patriots noch beliebter als Ortiz. Er sei stolz auf das, was er erreicht habe, sagt Ortiz und erinnert an seine Anfänge. Bei den Minnesota Twins startete er 1997 seine MLB-Karriere. Das Talent war überschaubar, die Leistungen dementsprechend. Es folgte 2003 der Wechsel nach Boston. Aus dem Durchschnittsspieler wurde ein Star und aus David Ortiz Big Papi.

          Weil jetzt der Fokus auf den Play-offs liegt, hatten sie in Boston die Karriere von Ortiz bereits in den vergangenen Tagen ausgiebig gewürdigt. In der Tageszeitung „Boston Globe“ erschien eine ganzseitige Anzeige. „In 116 Spielzeiten haben fast 2000 Spieler die Red-Sox-Uniform getragen. Du ragst heraus.“ Vor dem letzten Spiel der Punkterunde gegen die Toronto Blue Jays gab es eine 52-minütige Abschiedsfeier. Sie hatten einen roten Teppich ausgerollt, ein überdimensionales Big-Papi-Bild in den Rasen gemäht.

          Governeur Charlie Baker ließ wissen, dass die Brücke über die Autobahn hin zum Fenway Park künftig den Namen David Ortiz tragen werde. Rob Manfred war auch da. Der Liga-Commissioner umarmte Ortiz herzlich und machte nebenbei klar, dass das mit seinem vermeintlichen Doping-Missbrauch alles gar nicht stimme. 2003 hatte die MLB mit Einwilligung der Spielergewerkschaft erstmals ihre Akteure auf illegale Substanzen hin untersucht. Allerdings wurde den Profis zugesichert, dass die Ergebnisse nie an die Öffentlichkeit gelangen werden.

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          Die „New York Times“ kam jedoch an die Resultate und publizierte eine Liste von rund 100 Spielern, die positiv getestet wurden - darunter auch Ortiz. Der hat die Einnahme verbotener Mittel stets bestritten. Und Manfred sprang ihm zur Seite, indem er erklärte, dass es „berechtigte wissenschaftliche Fragen“ gegeben habe, ob diese Tests damals „in der Tat positiv“ gewesen seien. Es sei „vollkommen denkbar“, dass Spieler nicht gedopt hätten, auch wenn ihre Namen auf jener Liste stünden, so der Liga-Boss.

          Trotz der Doping-Anschuldigungen hat dass Image von Ortiz nie gelitten. Mit ihm verbinden viele Erfolg auf dem Platz und Engagement in der Gemeinde. Der Mann mit dem Teddybär-Lächeln und den 541 Homeruns war meistens da, wenn der Verein eine entscheidende Aktion von ihm brauchte. Er gründete zudem den David Ortiz Children’s Fund, mit dessen Spenden Hunderten Kindern geholfen werden konnte. Und er war es auch, der im April 2013 beim ersten Red-Sox-Heimspiel nach dem Marathon-Bombenanschlag das Stadion-Mikrofon nahm und den Leuten Mut machte. „Dies ist verdammt noch mal unsere Stadt. Niemand diktiert uns unsere Freiheit. Bleibt stark.“ Worte, die wirkten - selbst im Weißen Haus. Dies sei einer seiner „stolzesten und denkwürdigsten Augenblicke als Präsident“ gewesen, sagte später Barack Obama.

          Quelle: F.A.Z.

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