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Veröffentlicht: 01.03.2016, 17:14 Uhr

Schach-Talent Vincent Keymer Dafür bist du viel zu klein ...


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„Nur vom Schachspiel lernt man keine Englisch-Vokabeln“, sagt der Vater. Zwar spielt die Schule mit, aber Vincent bekommt nichts geschenkt. „Wenn er da ist, muss er ran“, sagt der Vater. „Erst tagelang Schach, dann Schule - der Kontrast ist manchmal groß, aber das ist die Bedingung, unter der es funktioniert. Das ist in Ordnung.“

© dpa, Reuters Rückblick 2014: Weltmeister Magnus Carlsen ist im Schach das Maß aller Dinge

Vincent könnte auch schon in der ersten Liga spielen, an Brett sieben oder acht. Die ersten Angebote von Bundesligaklubs gab es im vergangenen Jahr. Die Frage war: Macht das schon Sinn? Die Frage wird sich wieder stellen in diesem Frühjahr. „Und sie wird größer werden“, sagt Vincent, „weil ich stärker geworden bin.“ Wie wird die Entscheidung diesmal ausfallen? „Wir wissen es noch nicht. Im Mai, im Juni müssen wir uns entscheiden.Da ist noch Zeit.“

In Dresden gibt es eine Sportschule, die Schachspieler fördert und einen guten Ruf hat. „Aber das ist zu weit weg“, sagt der Vater. „Ich glaube nicht, dass dies unsere Wahl sein wird. Die Idee ist vielmehr, dass Vincent maximal viel Zeit zur eigenen Verfügung haben soll - in Verbindung mit relativ viel Training. Mit Trainern, die zu uns nach Hause kommen, und mit Trainern, die mit ihm über Skype arbeiten. Das ist, glaube ich, ein gutes System.“

Gute Trainer kosten Geld

Seit einiger Zeit steht Vincent ein Sponsor zur Seite, die Grenke Leasing AG, die sich auch beim deutschen Mannschaftsmeister OSG Baden-Baden engagiert. Gute Trainer kosten Geld, und mit dem Schach-Freund Wolfgang Grenke im Rücken kann Vincent nun regelmäßig mit Großmeistern üben. Aktuell zum Beispiel per Skype ein-, zweimal die Woche mit Großmeister Jewgeni Romanow in St. Petersburg oder daheim mit Großmeister Karsten Müller, einem Endspiel-Spezialisten.

Schach auf diesem Niveau kostet Geld. Die Reisen zu Welt- und Europameisterschaften finanziert zum Teil der Deutsche Schachbund. Er stellt – wie zuletzt in Südafrika und Griechenland – Trainer vor Ort für die Vor- und Nachbereitung der Partien. Und bezahlt eine Hälfte des Doppelzimmers, das Vater und Sohn für die Dauer des Turniers beziehen. Die Kosten für die Flüge und die Auslagen des Vaters bleiben an der Familie hängen. Kein billiges Vergnügen.

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Training – was bedeutet das im Schach? Woran muss ein Talent wie Vincent Keymer arbeiten? „An rundum allem“, sagt er. „Eröffnungen, Taktik, Strategie, Endspiel.“ Vor allem die Eröffnungen sind Fleißaufgaben ohnegleichen. Es gibt Tausende, Hunderttausende Züge, die ein Spitzenspieler parat haben muss. „Die zu lernen macht natürlich nicht so viel Spaß“, sagt Vincent. „Man kann auch nicht alles behalten, aber die wichtigsten Sachen bleiben im Langzeitgedächtnis haften, das setzt sich zu 90 bis 95 Prozent fest. Es gibt Dateien, die kann ich fast komplett auswendig.“ Computerdateien, die eine Eröffnung in einem für den Laien unvorstellbar verästelten Variantenbaum darstellen. Es gibt Hunderte solcher Dateien.

Ein wichtiger Trainingspartner ist der Computer. Es gibt unzählige Übungsseiten im Internet. Und unerschöpfliche Datenbanken, mit denen man sich auf seine Gegner vorbereitet. Wie viel Zeit fürs Training in der Woche zusammenkommt? „Das kann man schlecht sagen, weil ich von Tag zu Tag unterschiedlich viel zu tun habe außerhalb des Schachs. Manchmal habe ich nur Zeit für eine halbe Stunde, manchmal für fünf oder sechs Stunden. Wenn man alles zusammenrechnet, das Üben mit und ohne Trainer, dann komme ich auf rund zwanzig Stunden pro Woche.“ Nach der Schule übt er, wenn es passt, eine halbe Stunde Klavier. „Dann mache ich Hausaufgaben, und zum Fußballtraining gehe ich an zwei Tagen. Wenn das alles zusammenkommt, reicht es halt nur noch für ein bisschen Schach.“

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