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Missbrauch und Vertuschung : Letzte Ausflucht Tauchstation

  • -Aktualisiert am

In den Vereinigten Staaten bleibt im Schwimmsport derzeit einiges unter der Oberfläche Bild: REUTERS

Der amerikanische Schwimmverband reagiert auf Missbrauchsskandale mit Verharmlosung und Vertuschung. Dabei gibt es auch zahlreiche Zivilklagen betroffener Schwimmerinnen gegen den Verband.

          Mark Schuberts Weg an die Spitze seiner Zunft hatte an jeder Kehre etwas Unwiderstehliches. Seine Arbeit als Schwimm-Coach an der University of Southern California sorgte für Meistertitel im Collegesport en masse. Seine Berufung in den Trainerstab zahlloser amerikanischer Olympiamannschaften rechtfertigten die Sportler mit Unmengen von Goldmedaillen. Zuletzt etwa 2008 bei den Olympischen Spielen in Peking, wo er die Verantwortung für das Team hatte, in dem Michael Phelps mit acht Siegen eine neue Bestmarke aufstellte.

          So war es keine Überraschung, dass sich die ehemalige Weltrekordlerin Janet Evans in diesem Jahr an Schubert wandte, als sie ein Comeback probierte. Die beiden hatten schon früher erfolgreich zusammengearbeitet. Zumal der erfahrene Trainer genug Zeit für sie hat. Er ist nämlich 2010 überraschend vom amerikanischen Schwimmverband freigestellt worden. Bei vollen Bezügen. So konnte er sich etwa um den privat geführten Golden West Swim Club im kalifornischen Huntington Beach kümmern. Den Grund für die Beurlaubung vor zwei Jahren hat „US Swimming“ stets verschwiegen.

          Schubert wird Vertuschung vorgeworfen

          Doch eine Zivilklage, die Anfang der Woche vor einem Gericht in Santa Ana eingereicht wurde, wirft zum ersten Mal ein Licht auf die Sache - und auf den Umgang der Funktionäre mit dem sexuellen Missbrauch von jungen Schwimmerinnen. Schubert gehört nicht in die Kategorie der Täter, sondern in die der Mitwisser. So soll er einen Privatdetektiv engagiert haben, um beweiskräftige Fotos und Videos von einem verdächtigen Trainer machen zu lassen.

          Das Material nutzte er, so lautet der Vorwurf in der Klageschrift einer ehemaligen Assistenztrainerin im Klub, anschließend jedoch nicht, um den Fall aufzuklären, sondern 2010 als Druckmittel in eigener Sache. So soll er dem Verband gedroht haben, die Asservate an die Öffentlichkeit zu bringen, sollte man ihn feuern.

          Im Rechtsstreit vor dem kalifornischen Gericht wird Schubert auch ein zweiter Fall von Vertuschung vorgeworfen. Diesmal geht es um einen anderen Trainer, der Schwimmerinnen im Golden West Swim Club unsittlich berührt haben soll. Doch statt die Sache zu verfolgen, so schreibt die ehemalige Klubangestellte Dia Rianda, die intern die Anschuldigungen zur Sprache brachte, griff Schubert zu einer anderen Taktik: Er kündigte ihr.

          Viele pikante Details

          Die Zivilklage, die auf zwanzig Seiten viele pikante Details enthält und unter anderem zum ersten Mal skizziert, weshalb Schubert im Streit mit dem Verband wirtschaftlich so gut wegkam und eine hohe Abfindung erhielt, bringt nicht nur den Trainer, sondern vor allem auch „US Swimming“ in Verlegenheit. Die Organisation bemüht sich seit Jahren darum, hinter verschlossenen Türen mit einer weit verbreiteten Kultur des sexuellen Missbrauchs fertigzuwerden. Das Verhalten ähnelt dem vieler Diözesen der Katholischen Kirche, die in den Vereinigten Staaten zum Inbegriff einer Institution wurde, die es vorzog, die Missbrauchsepidemie zu verschweigen und zu verharmlosen.

          Dabei ergeben Recherchen von amerikanischen Journalisten wie etwa Tim Joyce vom Radiosender WBAL in Maryland ein skandalöses Bild. Es sind nicht nur zahlreiche Zivilklagen betroffener Schwimmerinnen gegen den Verband anhängig, sondern über das Land verstreut auch mehrere staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren. Das Bild, das sich daraus ergibt: Der Schwimmverband geht nicht offen mit der Skandalbewältigung um.

          Strafen bleiben eine Rarität

          So blieben bislang etwa die Hintergründe des Selbstmordes einer jungen Schwimmerin aus Illinois Im Jahr 2010 unaufgeklärt. Sie hatte vorher dem Verband Übergriffe gemeldet. So bleiben Strafen wie jene gegen Andy King aus San Jose in Kalifornien eine Rarität. Der Coach erhielt 2010 vierzig Jahre Gefängnis. „Er war ein Monster“, sagte der zuständige Staatsanwalt. King verging sich an den Mädchen im Laufe von dreißig Jahren in jeder erdenklichen Weise.

          Obwohl der Verband in der Klage gegen Schubert nicht direkt beschuldigt wird, könnte der Fall die Organisation abermals unter Druck setzen. Die vertritt bislang die klassische Vogel-Strauß-Politik, wie sie etwa Marketing-Direktorin Jamie Olsen neulich formulierte: „Wir haben es vorgezogen, uns nicht mit der Vergangenheit zu beschäftigen, sondern weiterzumachen.“ Die Taktik ging nicht auf.

          Quelle: F.A.Z.

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