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Interview mit Michael Stich : „Es gibt ein Leben ohne Tennis“

  • -Aktualisiert am

Michael Stich spielt gegen Tommy Haas im Match der Legenden. Bild: dpa

Turnierdirektor Michael Stich über seine Herausforderungen in Hamburg, Erinnerungen an früher, Stars von heute und seine Tipps an deutsche Top-Spieler.

          Sie sind Stiftungsgründer, Kunstsammler, Turnierdirektor – was tun Sie hauptsächlich?

          Meine Stiftung nimmt schon einen Großteil meiner Zeit in Anspruch. Kunst ist ein Bereich, mit dem ich mich in meiner Freizeit beschäftige, worüber ich mich gern informiere und weiterbilde. Seit neun Jahren bin ich Turnierdirektor am Rothenbaum, auch dies ist eine zeitintensive Aufgabe. Und ich bin Unternehmer. Vor 18 Jahren habe ich ein Unternehmen im Gesundheitsbereich aufgebaut, in das ich mich immer noch einbringe.

          Die meisten Menschen werden Sie vor allem mit Tennis verbinden. Nervt das ewige Grundrauschen am Rothenbaum, oder gehören die Diskussionen über den Bestand, die Qualität, den Termin des Turniers dazu?

          Ach, eigentlich sollte es nicht dazugehören. Wir haben hier eine so lange Tradition, die es zu bewahren gilt. Wir spielen jetzt im 111. Jahr, und das Turnier am Rothenbaum gibt es sogar noch länger, aber es lagen die Weltkriege dazwischen. Vielleicht gehört dieses Grundrauschen dazu, weil das Turnier diese lange Tradition hat. Was gibt es sonst in der Sportwelt mit einer so langen Geschichte? Wir versuchen, das Turnier seit neun Jahren weiterzuentwickeln, und das gelingt uns sehr gut. Die Kritik oder das, was Sie Grundrauschen nennen, kommt ja von außen. Das ist eher störend als hilfreich. Aber es ist auch der Zeitgeist. Dinge verändern sich.

          Ärgert es Sie, dass Alexander Zverev nicht in Hamburg spielt? Sie haben seine Absage sehr ruhig kommentiert.

          Dazu gab es keine Alternative. Wir haben eine Vereinbarung bis 2018. Aber der Spieler hat sich entschlossen, etwas anderes zu tun, was ich aus sportlicher Sicht sehr gut nachvollziehen kann. Aber trotzdem steht da diese Vereinbarung, die wir haben. Ich hätte mir etwas anderes gewünscht, weil wir ihm zu Beginn seiner Karriere hier vielleicht erste Schritte ermöglicht haben. Ich persönlich sehe das daher etwas gemischt. Ich war als Spieler auch in Situationen, in denen ich Verpflichtungen eingegangen bin. Als ich 1991 Wimbledon gewann, hatte ich schon lange vorher eine Vereinbarung mit Gstaad getroffen, dort auf Sand zu spielen. Es wäre ein Leichtes gewesen, nach Wimbledon zu sagen, ich fahre nicht nach Gstaad – mir tut etwas weh, mich zwickt’s. Aber ich bin so groß geworden und erzogen worden, dass man Vereinbarungen einhält. So hatte Gstaad damals das Glück, den aktuellen Wimbledonsieger zu haben. Aber bei mir war es auch anders. Wir haben ein halbes Jahr vorher Turniere geplant, zugesagt, Verträge geschlossen. Im aktuellen Fall geht es jedoch nicht um mich. Das Turnier ist der Star, nicht die handelnden Personen. Wir haben unsere Tradition, den Ruf, die Marke, die für sich steht.

          Ihr Vertrag als Veranstalter läuft 2018 aus. Wollen Sie mit Ihrer Agentur HSE weitermachen?

          Wir wollen ab 2019 wieder am Start sein und auf jeden Fall weitermachen. Das Turnier gehört zu Hamburg, und wir wollen es weiterentwickeln. Das Tennisturnier ist das Hauptstandbein unserer Agentur HSE. Ob es irgendwann wieder ein Turnier der nächstgrößeren Kategorie, ein 1000er-Turnier, werden kann, wird sich zeigen. Wir haben nur eine Chance, dahin zu kommen, wenn wir das, was wir haben, erhalten, hegen und pflegen.

          Hat Hamburg als attraktive Stadt einen Vorteil vor anderen deutschen Interessenten?

          Das weiß ich nicht. Für die Spieler gilt: Es gibt Orte, da fühlt man sich wohler, weil man Turnier, Umfeld, die Menschen mag – andere arbeitet man ab. Am Ende sind es überall Tennisbälle, Tennisplätze, ein Stadion. Hamburg hat aber als Stadt unglaublich viel zu bieten, und schließlich sind da auch noch die Fans. Hamburg hat ein großartiges und fachkundiges Tennispublikum.

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