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Michael Jordan Chef für 275 Millionen Dollar

Michael Jordan übernahm vor kurzem als erster ehemaliger Profi mit den Charlotte Bobcats einen ganzen Klub. Zu Beginn leistete sich die Ikone des Basketballs einen Fehlgriff. Doch dann wählte er mit Larry Brown den richtigen Trainer.

© REUTERS Vergrößern „Ich will, dass die Stadt erlebt, was Gewinnen heißt”: Michael Jordan in Charlotte

Nichts kann das sportliche Schicksal einer Basketballmannschaft derart radikal wenden wie die Verpflichtung eines Nachwuchsspielers mit außergewöhnlichen Talenten. Wenn das jemand versteht, dann Michael Jordan. Der wurde 1984 von den Chicago Bulls verpflichtet, als sie im Tabellenkeller der NBA logierten. Nur wenige Jahre später waren sie das dominierende Team. „Air Jordan“ wurde zu einem Überflieger mit Werbeverträgen, die ihm noch heute rund 30 Millionen Dollar pro anno einbringen.

Andere würden sich nach einer solchen Karriere bequem zur Ruhe setzen. Aber Jordan, berühmt für seine teuren Ausflüge ins Casino und hohen Wettverluste beim Spiel auf dem Golfplatz, kommt vom Basketball nicht los. Vor ein paar Wochen pumpte er 275 Millionen Dollar in die Charlotte Bobcats in seinem Heimatstaat North Carolina und übernahm damit die volle Verantwortung für den Klub, an dem er vorher nur einen kleinen Anteil gehalten hatte. „Ich will, dass die Stadt erlebt, was Gewinnen heißt“, sagte er bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach dem Kauf.

Die Ansage klang überzogen. Denn der Basketball-Manager Michael Jordan hat bereits hinreichend dokumentiert, dass sich das mit dem Gewinnen leicht sagen lässt, aber schwer in die Tat umzusetzen ist. Bei seinem ersten Abstecher in die Rolle des Anteilseigners und Funktionärs – rund um die Jahrtausendwende bei den Washington Wizards – setzte er die Verpflichtung eines gewissen Kwame Brown durch. Ein Spieler, der nie auch nur in Ansätzen leistete, was man sich von ihm versprach. Es half auch nicht viel, dass Jordan noch einmal die Nike-Schuhe schnürte und sich selbst auf den Platz begab.

Machte nicht nur auf dem Spielfeld eine gute Figur, sondern jetzt auch als Klubbesitzer © REUTERS Vergrößern Machte nicht nur auf dem Spielfeld eine gute Figur, sondern jetzt auch als Klubbesitzer

Niemand weiß, wer eine Niete und wer der Hauptpreis ist

Kaum war er bei den Charlotte Bobcats eingestiegen, leistete sich die Ikone des Basketballs den nächsten Fehlgriff. Den Namen des Spielers würde sich normalerweise niemand merken. Doch im Zusammenhang mit der unglücklichen Hand von Michael Jordan bei der Personalplanung wird man ihn so schnell nicht vergessen. Er heißt Adam Morrison und sitzt dieser Tage bei den Los Angeles Lakers die meiste Zeit auf der Bank.

Allerdings wäre es nicht gerecht, den einst besten, bis heute unübertroffenen Basketballprofi in seiner neuen Rolle an den Schalthebeln eines Klubs nur an solchen Fehleinschätzungen zu messen. Das System der NBA, mit dem jedes Jahr im Juni Nachwuchsspieler auf die 30 Klubs verteilt werden, hat die Grundzüge einer Lotterie. Niemand weiß wirklich, wer eine Niete und wer der Hauptpreis ist. Die gesamte Geschichte der sogenannten „Draft“, bei der die schlechtesten Mannschaften in der Abschlusstabelle des Vorjahres als erste in den Talentpool greifen dürfen, um für Chancengleichheit unter den Teams zu sorgen, ist voller Irrtümer und verhängnisvoller Prognosen.

Jordans Bobcats bewegen sich in dieser Saison nach oben

Auch darüber weiß Jordan Bescheid. Im Jahr 1984 übersahen ihn die Portland Trail Blazers auf Platz zwei unmittelbar vor den Chicago Bulls und wählten Sam Bowie. Auch die Bulls verfügten damals über keine hellseherischen Qualitäten. Das Teammanagement versuchte bis zuletzt, den hohen Draft-Platz an ein anderes Team abzugeben, im Tausch für einen erfahrenen Center.

Immerhin – trotz zahlreicher Rückschläge bewegen sich Jordans Bobcats in dieser Saison langsam nach oben. Zurzeit befinden sie sich auf dem siebten Platz der Tabelle der Eastern Conference – vor Washington und Chicago – und könnten zum ersten Mal in der Klubgeschichte die Play-off-Runde erreichen. Einer der wichtigsten Faktoren dafür war die Verpflichtung von Larry Brown als Trainer.

Die Arbeit in Charlotte fängt für Michael Jordan nun erst an

Der 69 Jahre alte Coach galt nach seinem Rauswurf bei den New York Knicks als Persona non grata in der Liga, weil er über einen Arbeitsgerichtsprozess 16 Millionen Dollar an ausstehenden Bezügen erstritten hatte. Jordan bot ihm 2008 mit sechs Millionen Dollar pro Jahr sehr viel Geld, weil er wusste, was in dem Vagabunden steckt: die Fähigkeit, die Leistungsreserven einer Mannschaft zu mobilisieren.

Die Arbeit in Charlotte fängt für Jordan allerdings nun erst an. Die Stadt, Bankenmetropole und Drehkreuz im Luftverkehr, hat ein gespaltenes Verhältnis zu Jordans Sport. Während North Carolina als traditionelle Hochburg des Collegebasketballs die vielen Teams der Region frenetisch unterstützt, erntet die Profi-Variante kaum mehr als müde Begeisterung. So endete der erste Versuch, in Charlotte mit den Hornets ein NBA-Team zu etablieren, 2002 mit dem Umzug des Klubs nach New Orleans. Das Team kam wirtschaftlich auf keinen grünen Zweig.

Rund 80 Prozent der Spieler sind dunkler Hautfarbe

Das Besondere am zweiten Anlauf, der von Robert Johnson, dem Chef von Black Entertainment Television, finanziert wurde, war die Bemühung der Liga, zum ersten Mal in ihrer Geschichte hinter den Kulissen einen optischen Farbtupfer zu setzen. Rund 80 Prozent der Spieler sind dunkler Hautfarbe. Schwarze Trainer sind auf dem Vormarsch. Nur die Gruppe der Eigentümer sah noch immer so aus wie zu Gründerzeiten, als die NBA eine Veranstaltung weißer Männer war.

Es traf sich also gut, dass der begüterte Michael Jordan die Neugründung als vielversprechende Investition betrachtete und einen Anteil erwarb. So wurde der Weg für ein weiteres Novum frei. Der 47-Jährige ist der erste ehemalige NBA-Profi, dem ein kompletter Klub gehört. Mit dem Einsatz scheint auch die Nähe gewachsen. Jordan sucht ein Haus in der Stadt. Bislang pendelte er von Chicago nach North Carolina.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 06.04.2010, 15:18 Uhr

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