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Michael Jordan Angriff auf ein Denkmal

 ·  Michael Jordan, einst der beste Basketballprofi der Welt, gilt als Triebfeder im Tarifstreit der NBA - auf Seiten der Klubbesitzer. Kritiker werfen ihm Verrat vor.

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© dpa Vergrößern Michael Jordan: In einer anderen Welt

Michael Jordan hat in seinem Leben schon häufiger die Erfahrung sammeln dürfen, dass ein Mann mit Verträgen irgendwann in die Bredouille kommt. Das Problem: So etwas wird bisweilen sehr teuer. Am teuersten war wohl der Ehevertrag, den der damalige Basketballprofi Anfang der neunziger Jahre unterschrieb. Der kostete Jordan bei der Scheidung im Dezember 2006 einen erheblichen Teil seines Vermögens. Die ehemalige Gattin Juanita Jordan erhielt 168 Millionen Dollar und die riesige Villa am Stadtrand von Chicago.

Eine andere Variante hat der mutmaßlich beste Basketballspieler der Geschichte einst als Spieler bei den Chicago Bulls erlebt, mit denen er sechs NBA-Titel errang. Weil er am Anfang seiner Karriere lieber einen Kontrakt mit langer Laufzeit abschließen wollte, anstatt sich auf die Ungewissheiten des Spielermarktes einzulassen, wurde er einige Jahre schlechter bezahlt als eine Reihe nicht halb so guter Rivalen.

Und nur weil die Spielergewerkschaft ihm beisprang, war er schließlich in der Lage, jene zwei Jahresgehälter von jeweils 30 Millionen Dollar zu kassieren, die er für die letzten beiden Spielzeiten am Lake Michigan ausgehandelt hatte.

Dieser Tage würden die Repräsentanten der National Basketball Players Association Jordan gerne daran erinnern, dass er höchstpersönlich immer wieder von der Solidarität und Willensstärke streitsamer Basketballprofis profitiert hat, und dass sein Erfolg als Geschäftsmann nicht nur auf seiner legendären Fähigkeit beruht, wie ein Zirkusartist einen Ball in einen ziemlich hoch hängenden Korb zu befördern. Aber mit Michael Jordan kann man zurzeit nicht reden. Er lebt in einer anderen Welt.

In der genervter NBA-Klubbesitzer mit Teams in kleineren amerikanischen Städten, die erhebliche Verluste schreiben und dafür vor allem eine Gruppe verantwortlich machen: die Spieler. Der 48-jährige Weltstar, der vor einem Jahr 175 Millionen Dollar ausgegeben hat, um die Charlotte Bobcast zu übernehmen, ist angeblich die treibende Kraft im anhaltenden Tarifstreit, dem bereits die ersten vier Wochen der Saison 2011/2012 zum Opfer gefallen sind.

In der sich verschärfenden Auseinandersetzung geht es darum, dass die Profis für die nächsten zehn Jahre auf einen erheblichen Anteil an den Einnahmen der Liga verzichten sollen. Andernfalls sehen sich Geschäftsleute wie Jordan, der nach einer Hochrechnung der Wirtschaftszeitschrift „Forbes" 2010 bei den Bobcats einen Verlust von 20 Millionen Dollar erwirtschaftete, nicht in der Lage, wieder Plus zu machen.

60 Millionen Dollar im Jahr

Es ist übrigens derselbe Michael Jordan, der am Rande des letzten Tarifstreits 1998 Abe Pollin, dem Eigentümer der Washington Wizards, auf den Kopf zugesagt hatte: „Wenn du das finanziell nicht hinbekommst, solltest du die Mannschaft verkaufen." Mit dem gleichen Argument ließe sich in der gegenwärtigen Auseinandersetzung auch der Besitzer der Bobcats in die Enge treiben, denn die NBA - Jahresumsatz über vier Milliarden Dollar - produziert durchaus Erträge und kann deshalb Stars wie Dirk Nowitzki Gehälter von 18 Millionen Dollar im Jahr bezahlen.

Das Problem der Liga sind nicht die Kosten für das Personal. Es ist die Aufteilung der Einnahmen unter den Klubs. Eine ausgewogenere Verteilung könnte Teams in kleineren Städten wie etwa Charlotte helfen. Aber eine solche Argumentation würde womöglich offenbaren, dass Jordans Sinn fürs Geschäftliche ausgesprochen bipolar ist.

Einerseits hatte er schon immer einen untrüglichen Sinn für seinen Wert als Werbefigur, was sich am Erfolg der Marke „Jordan" in der Produktpalette der Sportausrüsterfirma Nike zeigt. Sie ist Marktführer in den Vereinigten Staaten im Segment der Basketballschuhe. Schätzungen besagen, dass Jordan über diesen und andere Kanäle der Vermarktung seines Namens pro Jahr 60 Millionen Dollar verdient.

Andererseits sah er bei diesem Engagement noch nie über den Tellerrand hinaus. Berühmt wurde sein Ausspruch auf die Frage, warum er sich bei den Wahlen in seinem Heimatstaat North Carolina nicht für einen schwarzen Politiker der Demokratischen Partei einsetze, der gegen einen berüchtigten rechtsgerichteten Republikaner antrat. Jordans Antwort: „Republikaner kaufen auch Schuhe."

Scheuklappen-Blick auf die Welt

Weniger bekannt ist seine Haltung gegenüber der Ausbeutung von Fabrikarbeitern in Südostasien, die mit ihren Minimallöhnen Gewinnmargen von Nike ermöglichen, indirekt also das fürstliche Gehalt des Amerikaners. Niemand vermochte Jordan auch nur einen Hauch an Mitgefühl abzuringen, als die Praktiken in den neunziger Jahren enthüllt wurden. Das sei Nikes Entscheidung, sagte Jordan. „Ich kenne die komplette Situation überhaupt nicht. Wie sollte ich auch? Ich versuche, meinen Job zu machen."

Jordans Scheuklappen-Blick auf die Welt mag ihm einst geholfen haben, als Überflieger der NBA Geschichte zu schreiben. Nämlich mit der Konzentration auf das Wesentliche auf dem Parkett. In seiner Rolle als Unternehmer, der für den Großteil der Entscheidungen in seinem Klub persönlich verantwortlich ist, wirft die gleiche Haltung eher ein negatives Licht auf die Person. Und so mehren sich jene, die an dem Denkmal kratzen, das man Jordan errichtet hat: „Das ist der ultimative Verrat", schrieb Jason Whitlock, der einflussreiche Kolumnist von Fox Sports und Wortführer der Anti-Jordan-Kampagne vor ein paar Tagen: „Die Afroamerikaner in der Liga, die so werden wollten wie Mike, sehen endlich, was Jordan wirklich ist: Er ist billig, geizig, kleinlich, halsabschneiderisch, gierig, gefühllos und ein illoyaler Sklave seines Gewinnstrebens."

Obendrein sei seine sportliche Bilanz als Manager eines Basketballklubs außerordentlich bescheiden. Der Mann, der enttäuschende Nachwuchsspieler wie Kwame Brown und Adam Morrison verpflichtet hat, sei nichts anderes als der „inkompetenteste NBA-Manager". Jordan sei offensichtlich nur von einem Motiv getrieben: „Er will, dass die Spieler von heute für seine Inkompetenz bezahlen."

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